Sprachlos verlassen die meisten den Truck, der die rollende Ausstellung über die miserablen Lebensbedingungen in armen Ländern in die Städte bringt.
Sklaverei? Ist die nicht längst abgeschafft? Auf dem Papier ja – in der Realität beuten Menschen auch heute und hierzulande andere Menschen als Arbeitskräfte aus. Diese Botschaft haben vor allem Schulklassen verstanden, die in Balingen und Frommern den Infotruck von Missio besucht haben.
„Was?“, entfährt es einem Sechstklässler, der mit einem Kumpel aus Neugier in den Truck am Balinger Marktplatz geklettert ist. „Nur ein paar Cent am Tag?“ Ja, genau so wenig verdient ein Mann, der den ganzen Tag auf einer Teeplantage in Indien arbeitet.
„Eine Welt. Keine Sklaverei.“
Die Jungs schütteln den Kopf und schauen dann ein paar Schritte weiter neugierig in ein Beispiel-Wohnzimmer. Kosmetik, Orangensaft, Klamotten – all das kann man in Deutschland kaufen und all das wurde unter eigentlich menschenunwürdigen Bedingungen in den ärmsten Ländern dieser Welt hergestellt.
Der Missio-Truck ist unter dem Motto „Eine Welt. Keine Sklaverei.“ in ganz Deutschland unterwegs. Mehr als zehn Jahre hieß das Projekt „Missio-Truck - Menschen auf der Flucht”.
Trotz allem die Würde bewahren
Der Avatar „Chris“ ist ein braunäugiger Junge mit gelocktem Haar. Die Kunstfigur führt an Bildschirmen durch die Ausstellung und erklärt, wie moderne Sklaverei und Ausbeutung auch den Alltag in Deutschland beeinflussen – und wie wiederum jeder einzelne durch bewusstes Konsumverhalten zu besseren Bedingungen beitragen kann.
„Gleichzeitig stellt die Ausstellung beispielhafte Dienste kirchlicher Partner in den betroffenen Regionen vor: Sie stellt die Lebensleistung von Betroffenen vor, auch unter widrigen Lebensumständen Würde zu bewahren und die eigene Entwicklung in die Hand zu nehmen“, heißt es von Missio.
Zehn Stunden Arbeit in einer Kühlkammer
Einer davon ist exemplarisch ein junger Mann aus Rumänien. „Ich arbeite zehn Stunden lang in einer Kühlkammer“, ist in der Ausstellung zu erfahren. Mit dem in einer niedersächsischen Fleischfabrik verdienten Geld unterstützt er die Familie in der Heimat. „Mit seinen Kindern spielt er gerne Rummy“, heißt es.
Die beiden Sechstklässler haben ihre Tour beendet und gehen zurück auf den sonnenbeschienenen Marktplatz. Beide schweigen. Derweil betritt eine Gruppe Senioren den Truck. Die Wanderstöcke warten so lange draußen.