Der Minikreisel am Bahnübergang in der Stuttgarter Straße in Althengstett ist längst befahrbar. Foto: Verena Parage

Kurios: Seit etwa zwei Jahren ist der Minikreisel am Bahnübergang Stuttgarter Straße in Althengstett fertig. Trotzdem gibt der Gemeinderat den Bau erst jetzt offiziell in Auftrag.

In die Kategorie „Kurios“ fällt ein Thema, das in der jüngsten Sitzung des Althengstetter Gemeinderats auf der Tagesordnung stand. Das Gremium musste die Tiefbauarbeiten für einen Kreisverkehr vergeben, der schon längst gebaut ist.

 

HHB fährt in Sichtweite vorbei

Dort, wo in Althengstett Bahnhofstraße, Bahn- und Stuttgarter Straße, Ölbergstraße und Schlüsseläckerweg aufeinander treffen, befindet sich seit etwa zwei Jahren ein fertiger Minikreisel. Baubeginn war bereits im September 2023 gewesen. Der kleine Kreisverkehr, ein gepflastertes Rund, liegt an einem Bahnübergang: Seit 31. Januar fährt die Hermann-Hesse-Bahn (HHB) in Sichtweite vorbei.

Weil es nicht nur einen räumlichen, sondern auch einen – so heißt es in der Sitzungsvorlage – „verkehrlichen“ Zusammenhang zwischen Minikreisel und dem Bahnübergang in der Stuttgarter Straße gibt, hatte der Zweckverband HHB die Planung und den Bau des Kreisverkehrs übernommen. Das war 2019. Und hat offenbar geklappt, schließlich ist der Minikreisel seit fast zwei Jahren fertig und befahrbar. Er hat eine Kreuzung entschärft, die zuvor die wahrscheinlich unübersichtlichste in ganz Althengstett war.

Gründe lassen sich nicht mehr nachvollziehen

Nicht nur, dass der Bau stattfand: „Es wurde auch rechtzeitig und pünktlich ein Förderantrag gestellt“, berichtet Althengstetts Bürgermeister Rüdiger Klahm im Nachgang der Gemeinderatssitzung. Zudem habe die ausführende Baufirma schon lange ihr Geld. Allerdings wurde der Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn offenbar „zu keinem Zeitpunkt“ offiziell mit dem Kreiselbau beauftragt, erläutert Klahm.

Warum? Das lässt sich nicht mehr feststellen, zumal der Schultes erst seit Sommer 2023 im Amt ist. Dazu kommt, dass es nicht nur im Rathaus, sondern auch beim Zweckverband Personalwechsel gab.

Dass die Beauftragung nie stattfand, „ist jetzt im Zuge der Abrechnung aufgefallen“, meint Rüdiger Klahm. Jetzt hole die Gemeinde mit dem Beschluss des Gemeinderats die fehlende Beauftragung nach.

Aus dem Gremium habe es zwar zwei Rückfragen gegeben, warum dieses Fehlen niemandem aufgefallen sei.

Dennoch fiel der Beschluss laut Bürgermeister am Ende einstimmig. Damit hat das Gremium nun offiziell den Zweckverband HHB „zum Bruttopreis von 273 000 Euro beauftragt“ und schließt diese kuriose Lücke in der Geschichte des Minikreisels.