Mirela Adrovic aus Meßstetten ist seit diesem Sommer Teil des TiL-Stipendienprogramms. Foto: Bjoern Haenssler

Auszeichnung für Mirela Adrovic aus Meßstetten: Die gebürtige Montenegrinerin ist seit diesem Jahr Teil des TiL-Stipendienprogramms. Ihr Weg dorthin war ein steiniger.

Das Stipendienprogramm Talent im Land (TiL), getragen von der Baden-Württemberg- und der Josef-Wund-Stiftung, fördert Schülerinnen und Schüler aus Baden-Württemberg, die auf dem Weg zum Abitur aufgrund ihrer Biografie oder sozialen Herkunft hohe Hürden zu überspringen haben. Seit diesem Jahr Teil dieses Stipendienprogramms ist auch Mirela Adrovic aus Meßstetten.

 

Die 19-jährige Montenegrinerin kam im Mai 2017, kurz vor ihrem elften Geburtstag, nach Deutschland. Der deutschen Sprache war sie zu diesem Zeitpunkt nicht mächtig.

Eine schwierige finanzielle Situation belastete die Familie zudem. Ihre Mutter hatte allein für den Lebensunterhalt zu sorgen, Mirela Adrovic wuchs ohne Vater auf.

„Ich musste die Sprache schnell lernen.“

„Ich stand unter einem großen sozialen Druck, musste die Sprache schnell lernen, um in der Schule Fuß zu fassen“, beschreibt Mirela Adrovic diese für sie keineswegs leichte Zeit. Wohl auch weil der Druck so groß war, gelang ihr das Kunststück, sich binnen drei Monaten auf Deutsch verständigen zu können.

Zunächst besuchte sie noch die vierte Klasse der Ebinger Kirchgrabenschule, ehe der Wechsel auf das allgemeinbildende Gymnasium in Ebingen folgte. Nach dem Abschluss der zehnten Klasse wechselte die 19-Jährige auf das Wirtschaftsgymnasium. Derzeit besucht sie die zwölfte Klasse.

Iim Sommer 2027, so der Plan, will sie die Hochschulreife erlangen.

Jury in Gruppenaufgaben und Einzelgespräch überzeugt

Dieser herausfordernde Lebensweg qualifizierte die gebürtige Montenegrinerin für das TiL-Programm, das in diesem Jahrgang 55 weitere Schülerinnen und Schüler fördert. Beworben hat sich Mirela Adrovic für das Stipendium selbst; aufmerksam darauf ist sie über ihre Schwester geworden.

Im Sommer durchlief die 19-Jährige dann ein Auswahlverfahren. Letztlich hat sie die Jury unter anderem in Gruppenaufgaben und einem Einzelgespräch überzeugt. Jüngst wurde die Schülerin bei einem Festakt im Neuen Schloss in Stuttgart offiziell in das Programm aufgenommen.

Durch das TiL-Programm profitiert die Meßstetterin unter anderem von einem monatlichen Stipendium, einer persönlichen Beratung sowie Stipendiatentreffen, Seminaren und weitere Bildungsangebote.

Auf einen konkreten Berufswunsch will sie sich noch nicht festlegen, sagt aber: „Ich möchte künftig etwas machen, dass anderen Menschen einen Mehrwert bietet.“ Vorstellen könne sie sich eine Tätigkeit im Wirtschaftsbereich, möglicherweise auch ein Lehramtsstudium mit dem Schwerpunkt Wirtschaft.

Mirela Adrovic ist ein Sprachtalent

Als weiteres Unterrichtsfach würde die 19-Jährige eine Sprache bevorzugen. Denn: Neben ihrer Muttersprache spricht sie auch Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch.

„Sprachen liegen mir einfach“, betont Mirela Adrovic. Für Französisch und Spanisch gibt das Sprachtalent sogar Nachhilfe. Im Zollernalbkreis, speziell in Meßstetten, fühlt sich die 19-Jährige wohl. In und außerhalb der Schule hat sie Freunde gefunden; dazu unterstütze sie ihr Stiefvater ganz besonders.

Das Vorurteil, dass in der hiesigen, ländlichen Region nichts geboten sei, könne sie nicht bestätigen. In Montenegro habe sie in einem noch viel kleineren Dorf gelebt. „Hier habe ich viel bessere Chancen, etwas aus meinem Leben zu machen“, spricht Mirela Adrovic voller Wertschätzung über ihre neue Heimat Deutschland. Dass sie nun Teil des TiL-Programms sei, mache sie einfach nur stolz.