1975 öffneten ein paar Mädchen und ein Pfarrer den Weg für Ministrantinnen in der Rottenburger St. Moriz Gemeinde. Heute sind die Mädchen dort nicht mehr wegzudenken.
„Herr Werner, wir wollen auch Ministrantinnen werden!“ Aufgeregt stehen die neunjährigen Mädchen Andrea Rees, Ulrike Steger und ihre Freundinnen nach ihrer Kommunion im Jahr 1975 vor dem damaligen Pfarrer der Rottenburger St.-Moriz-Gemeinde. „Warum eigentlich nicht. Macht doch“, antwortet der Pfarrer und ebnet damit den Weg für die ersten Ministrantinnen in St. Moriz.
50 Jahre später werden am Sonntag, 23. November, 18 neue Mädchen und Jungen in den Dienst der Ministranten, auch „Momis“ genannt, aufgenommen. Ein Jubiläum, das zeigt, wie viel aus einem einfachen Satz und etwas Mut entstehen kann.
„Ich sehe es noch heute vor mir, wie Pfarrer Werner uns damals geantwortet hat“, blickt Andrea Rees zurück. „Wir wollten einfach auch zu den Momis gehören und vorne am Altar mitwirken“, erinnert sich Ulrike Steger. Ebenso stellte der damalige Oberministrant Bertram Bolz einen Antrag an die Pfarrerversammlung, in dem er sich für die Mädchen im Ministrantendienst einsetzte.
Offizieller Aufruf 1975
In seinem Schreiben schilderte er die aktuelle Lage und stellte die konkrete Frage: „Dürfen den St.-Moriz-Ministranten auch Mädchen angehören?“ Er argumentierte, dass bereits in vielen anderen Kirchen Mädchen im Dienst seien. Außerdem, so schrieb er, sei die Gruppenarbeit mit Mädchen interessanter, besonders bei der Besprechung von Problemen, da sie oft eine andere Sichtweise hätten als Jungen.
Nachdem die Mädchen schließlich direkt auf den Pfarrer zugegangen waren, wurde im April 1975 erstmals offiziell dazu aufgerufen, dass von nun an auch Mädchen Teil der Momis werden könnten.
„Es kamen immer mehr Mädels dazu, und wir waren richtig stolz, ein Teil dieser Gruppe zu sein“, erinnert sich Rees. Der Mesner brachte den neuen Ministrantinnen alle wichtigen Aufgaben bei, und bald waren sie fest in den Ministrantenplan integriert.
„Zu Beginn gab es bei uns noch keine Gruppenstunden oder viele Aktivitäten, das kam alles mit der Zeit“, erklärt Steger. Die Jugendlichen wurden immer engagierter, und bald war es nicht mehr nur der Ministrantendienst, sondern es entstand eine lebendige Jugendarbeit.
1983 wurde Andrea Rees zur ersten Oberministrantin gewählt. „Ich weiß noch, wie gerührt ich damals war, gewählt worden zu sein“, erzählt sie. Heute sind die Momis ohne Mädchen gar nicht mehr vorstellbar.
Wunsch für heute
„Ich wünsche mir einfach, dass sich heute auch mehr Menschen etwas trauen und so wie unser Pfarrer Werner damals sagen: ‚Macht doch!‘“, betont Rees. „Gleichzeitig wünsche ich auch den Priestern, den Domkapitularen und den Bischöfen den Mut zu sagen: ‚Warum nicht, macht doch! Werdet Diakoninnen, wir bereiten euch den Weg.‘ Ich bin mir sicher, auch das wird eine Erfolgsgeschichte. Es ist so wichtig, Zeichen zu setzen, unsere Kirche weiterzuentwickeln und voranzubringen.“
Aufnahme von Ministranten
Gottesdienst
Zum Aufnahmegottesdienst am 23. November, 10.30 Uhr, laden die Momis in die St.-Moriz-Kirche ein.