Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Verkehrsminister Winfried Hermann wanderten bei ihrer Sommertour in Bad Wildbad. Anlass war die Auszeichnung des Wanderwegs „Grüne Unendlichkeit“ mit dem BWegt-Siegel. Ein Ausblick auf „sanften Tourismus“ und Nachhaltigkeit.
Ein großer Pulk an Menschen schlendert an Gleis Eins des Bahnhofs in Bad Wildbad entlang – einige haben Instrumente in der Hand.
Der Zug fährt ein, zwei ältere Männer, einer in hellblauen Hemd, der andere in hellgrünem Polohemd, steigen aus. Es ertönt eine böhmischer Polka.
Fester Bestandteil des Programms
Die Herren bleiben minutenlang wortlos stehen, werden dabei umringt, fotografiert und gefilmt. Es handelt sich um Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Verkehrsminister Winfried Hermann.
Dass die beiden mit dem Zug nach Bad Wildbad anreisen, ist fester Bestandteil des Programms. Anlass ihres Besuchs ist schließlich die Auszeichnung des 21,4 Kilometer langen Wanderwegs „Grüne Unendlichkeit“ zwischen dem Bahnhof Bad Wildbad und der Bushaltestelle Marktplatz in Loffenau, der dieses Jahr als zehnte Strecke das BWegt-Siegel bekommen hat. Bei diesem Siegel ist ein zentrales Kriterium, dass Start- und Endpunkt der Wanderstrecke gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind.
Sarkastischer Bezug auf Ausfälle der Deutschen Bahn
Die Stadtbahn kommt pünktlich an – und auch die Oberleitungsdrähte haben gehalten, scherzt Hermann, was vermutlich ein sarkastischer Bezug auf die häufigen Ausfälle der Deutschen Bahn wegen Oberleitungsdefekten darstellt.
Er und der Ministerpräsident wollen mit ihrem Besuch Werbung für die „Wandermarke BWegt“ machen. Er dankt den Ortsgruppen des Schwarzwaldvereins, die die Pflege des Wegs ehrenamtlich übernehmen. Kretschmann und Hermann tragen sich jeweils ins Goldene Buch von Bad Wildbad und Loffenau ein.
Der Mensch als Geher
„Gehen ist eine menschengemäße Geschwindigkeit“, betont Kretschmann die Bedeutung des Wanderns selbst. Diese Erfahrung könne er selbst bestätigen, da er „von Haus aus Biologe“ ist und beim Wandern mehr Details der Tier- und Pflanzenwelt erkenne als beispielsweise beim Radfahren.
Der Mensch komme frühgeschichtlich aus dem Wald und sei darauf angelegt, ungefähr 20 Kilometer jeden Tag zu laufen, sagt Hermann. Wenn er selbst am Tag nicht genügend zu Fuß unterwegs ist, „merke ich, dass ich grantig werde“, führt er fort. Aus dem Kennenlernen der Natur folge meistens auch erst ein Bewusstsein der Notwendigkeit, sie zu erhalten und zu schützen.
Weniger Lärm, Verkehr, Parkflächen
„Wir sind ein Tourismus-Landkreis“ und froh über neue Touristenströme, sagt Landrat Helmut Riegger. Allerdings sollten die Touristen nachhaltig anreisen. Die eigentlich klimafreundliche Freizeitbeschäftigung Wandern habe einen für die CO₂-Bilanz negativen Haken, wenn die Touristen jeweils mit ihren Autos zur Route fahren, sagt Vanessa Lotz-Kijak von der Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald.
Auch für die Bevölkerung in der Nähe von Naturräumen wie dem Nationalpark Schwarzwald sei ein „sanfter Tourismus“ wichtig, heißt es in einer Pressemitteilung des Verkehrsministeriums. Mehr öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) bedeute für Anwohner „weniger Lärm, weniger Autoverkehr und weniger Flächenverschleiß für Parkplätze“.
Geschenk an Kretschmann
Auf der gemeinsamen Wanderung, ein kleines Stück des langen Wanderwegs vom Bahnhof hoch, können Bürger aus der Region mit dem Ministerpräsidenten sprechen – anmelden konnten sich alle Interessierten, das Amtsblatt und örtliche Vereine informierten über die Möglichkeit.
An der Weggabelung Rennbachstraße übergibt Bad Wildbads Bürgermeister Marco Gauger dem Ministerpräsidenten die Abwurf-Geweihstange eines Hirsches aus der Wildruhezone Sommerberg. Kretschmann solle durch das Geschenk einen Einblick darin kriegen, „was alles unterwegs ist bei uns“, ergänzt er.
In den kommenden Jahren wolle die Gemeinde auf Gewinne aus der Waldwirtschaft verzichten, um in einen klimaresistenten Wald zu investieren, so der Bürgermeister. Es gehe um einen „Abschied vom schnellen Euro“.
Nach der asphaltierten Strecke zwischen Bahnhof und Weggabelung wandert die Gruppe auf dem erdigen Wanderweg den Rennbachlauf hinauf. Rund um des Wegs sind Bäume, Sträucher, Gräser, Kräuter, Blumen. Ab und an kreuzt den Weg ein Rinnsal, der gen Bach fließt.
Ausschilderung durch gelbes Siegel
Der Streckenverlauf über die Schirmhütte, das Eyach- und Dürreychtal und die Teufelsmühle befinde sich „dauernd im Grünen“, sagt Lotz-Kijak. „Grüne Unendlichkeit“ heiße die bereits 2023 eröffnete Strecke, weil sie zudem für eine Tagestour mit ihren mehr als 20 Kilometern besonders lang sei. Der Wanderweg ist nun mit dem gelben Bwegt-Logo ausgeschildert.