Jetzt ist es amtlich: Der am 13. Mai bei Waldachtal und Pfalzgrafenweiler gesichtete Wolf ist offiziell anerkannt und stammt aus einer südlichen Population.
Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg hat den Nachweis offiziell bestätigt. Damit ist klar: Es war tatsächlich ein Wolf mit dem Haplotyp HW22, wie ihn Wildtierbeauftragter Peter Daiker bereits zuvor vermutet hatte.
Die genetische Probe wurde von der Forstlichen Versuchsanstalt (FVA) an das Senckenberg-Zentrum für Wildtiergenetik gesendet. Das Ergebnis: Ein Wolf wurde bestätigt, allerdings ohne individuelle Zuordnung. „Das ist die offizielle Bestätigung“, sagt Peter Daiker. Eine Individualisierung war nicht möglich, da die eingesandten Proben nicht ausreichten.
Der Wolf scheint nur durchgezogen zu sein
Für Daiker ergibt sich aus dem bisherigen Verlauf ein klares Bild: „Allerdings ist er seitdem nirgendwo mehr aufgetaucht. Das kann ein Hinweis sein, dass er nur durchgezogen ist.“ Denn der Wolf wurde nach dem 13. Mai weder erneut gesichtet noch durch andere Hinweise bestätigt. „Das deutet darauf hin, dass er dieses Gebiet nicht als festes Domizil gesucht hat, sonst müsste man ihn bemerkt haben.“
Schon der genetische Nachweis hat gezeigt: Es handelt sich nicht um den bekannten Wolfsrüden GW852m, der seit 2017 im Landkreis Freudenstadt unterwegs ist. Der Neuzugang trägt den Haplotyp HW22 – ein Erbgutmuster, das laut Daiker auf eine Herkunft aus dem Süden hindeutet: „Der Haplotyp HW22, der Wolf in Pfalzgrafenweiler gehört dazu, ist ein Südländer.“ Zum Vergleich: Der bekannte Nordschwarzwald-Wolf trägt den Haplotyp HW01 und stammt aus einer nordischen Population.
Gleicher Haplotyp in Schramberg, aber wohl anderer Wolf
Zusätzliche Hinweise gibt es auch aus Schramberg. Dort wurde ebenfalls ein Wolf mit Haplotyp HW22 nachgewiesen – doch auch hier kann ein Zusammenhang mit dem Tier aus Pfalzgrafenweiler ausgeschlossen werden. „Eine weitere Sichtung in Schramberg ist zwar auch Haplotyp HW22, aber ein anderer genetischer Marker. Da geht man davon aus, dass es nicht derselbe ist.“
Der Wolf, der am 2. Mai bei Grünmettstetten von Timm Rössler fotografiert wurde – mit einem Reh im Maul – könnte derselbe gewesen sein, doch auch das bleibt unklar. Am 12. Mai wurde ein Wolf rund sieben Kilometer weiter entfernt zwischen Salzstetten und Pfalzgrafenweiler von einer Wildkamera erfasst. Am 13. Mai dann das überfahrene Reh mit Wolfsspuren – und schließlich die genetische Bestätigung. Danach: Funkstille.
„Es ist auch unmöglich, wenn er woanders auftaucht, nachzuweisen, dass es sich um diesen Wolf handelt“, erklärt Daiker. Denn ohne vollständige DNA bleibt jede weitere Sichtung spekulativ.
Nordschwarzwald-Wolf riss ein Reh
Unterdessen hat der Nordschwarzwald-Wolf ein Lebenszeichen von sich gegeben. Am 10. Juni wurde bei Bühl im Landkreis Rastatt ein gerissenes Reh gefunden. Die genetische Untersuchung ergab den Haplotyp HW01 – jener des Wolfs vom Territorium Hornisgrinde (HOR). Auch hier war eine Individualisierung nicht möglich, aber der Zusammenhang zur ortsansässigen nordischen Population ist eindeutig.
Damit zeigt sich: Während der Nordschwarzwald-Wolf weiterhin aktiv ist, war der Wolf vom Waldachtal wohl nur ein Durchreisender – ein seltener, südlicher Gast, der kurzzeitig seine Spur hinterließ und dann weiterzog.
Was ist ein Haplotyp?
Genetische Variante
Ein Haplotyp beschreibt eine bestimmte genetische Variante – also eine Kombination von Erbinformationen – in einem Abschnitt der DNA. Beim Wolf wird damit oft die Verwandtschaft oder Herkunft einzelner Tiere bestimmt, zum Beispiel über das mitochondriale Erbgut, das nur mütterlich vererbt wird.
Region
Anhand von Haplotypen können Forscher nachverfolgen, aus welcher Region ein Wolf stammt oder ob er mit anderen Wölfen verwandt ist.