Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat die Baiersbronner Hausarztpraxis am Spritzenhaus besucht. Die medizinische Versorgung auf dem Land stand im Mittelpunkt.
Nina Warken kam auf Einladung der Landtagsabgeordneten Katrin Schindele, die Gelegenheit des hochrangigen Besuchs wurde aufgrund der guten Kontakte von Wolfgang von Meißner, CDU-Kreisrat und einer der aktuell sieben Ärzte am Spritzenhaus, aber auch von weiteren hochrangigen Vertretern des Gesundheitswesens genutzt.
Fachliche Impulse gab es deshalb auch von der Bundesvorsitzenden des Hausärzteverbands Baden-Württemberg, Nicola Buhlinger-Göpfarth, dem Präsidenten der Landesärztekammer, Wolfgang Miller, dem Vorstandsvorsitzenden der kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, Karsten Braun, vom Vorstandsvorsitzenden der AOK Baden-Württemberg, Johannes Bauernfeind, sowie von Lutz Hager (Manager Care e.V.) und Florian Fuhrmann (Nationale Agentur für digitale Medizin).
Warken nutzte die Gelegenheit, sich beim Rundgang durch die innovative und zukunftsorientierte Praxis einen Eindruck von den dortigen Abläufen und dem dahinter stehenden Konzept zu verschaffen.
Effizienz durch Teamarbeit und digitale Werkzeuge
Die Praxis am Spritzenhaus ist eine „Häppi-Praxis‘‘. Der Name steht für „Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung Interprofessionell“, das die Primärversorgung sowohl durch Teamarbeit als auch digitale Tools stärkt und effizienter macht. Das Spektrum im Spritzenhaus reicht vom Medicbot – ein KI-gestützter digitaler Assistent beim Erstkontakt – über Patienten-Apps bis zu „Physican Assistants“ (PA) zur Entlastung der Ärzte.
Die Vorteile der hausarztzentrierten Versorgung (HZV) – ein freiwilliges Modell, bei dem der Hausarzt als erste Anlaufstelle alle weiteren Behandlungsschritte koordiniert – wurden mit der Ministerin ebenfalls erörtert. Weniger unkoordinierte Facharztkontakte, weniger vermeidbare Krankenhausaufenthalte sowie eine intensivere hausärztliche Betreuung, insbesondere bei alten und chronisch kranken Menschen, sind messbare Vorteile des Modells.
Zahlreiche Bausteine des funktionierenden Primärversorgungssystems wurden von den Experten im Zuge der kurzen Vorträge präsentiert. Das zukunftsweisende Konzept des Baiersbronner Modells wurde von Warken sehr gelobt. „Was hier stattfindet, wollen wir in Berlin aktuell in ein Gesetz gießen.“ Bei der Umsetzung liege der Teufel aufgrund der unterschiedlichen Blickrichtungen der beteiligen Akteure aber manchmal im Detail.
Zwölf-Augen-Gespräch zur Krankenhaus-Finanzierung
Im Zuge eines Zwölf-Augen-Gesprächs, an dem neben Landrat Andreas Junt auch Oberbürgermeister Adrian Sonder, Bürgermeister Michael Ruf, der Ärztliche Direktor des Klinikums, Florian Bea, und Katrin Schindele teilnahmen, wurde nichtöffentlich über die strukturelle Unterfinanzierung des Krankenhauses gesprochen. Einigkeit bestand darin, dass die Sicherstellung der stationären Versorgung Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge ist und weder vom Landkreis noch von den Kommunen allein getragen werden kann.
Beim Workshop „Von Leuchtturm-Praxen lernen – Wie gelingt der Transfer?“ wurde gemeinsam über die Frage diskutiert, wie das erfolgreiche Modell aus Baiersbronn systematisch auf andere Regionen übertragen werden kann.