Das Kurhaus in Schönmünzach ist voll besetzt, viele Besucher müssen stehen. Foto: Peer Meinert

Eigentlich ist die Erweiterung des Nationalparks Schwarzwald beschlossene Sache. Doch eine Informationsveranstaltung in Schönmünzach zeigt: Die Kritik hält weiter an. Umweltministerin Thekla Walker macht wichtige Zusagen.

Der große Saal im Kurhaus Schonmünzach ist proppenvoll, weit über 200 Anwohner sind gekommen.

 

Es gibt nicht genügend Stühle, die meisten Besucher müssen stehen.

Allein der Andrang zur Informationsveranstaltung, zu der der Nationalpark auch Umweltministerin Thekla Walker geladen hat, ist ein klares Zeichen: Die bevorstehende Erweiterung des Nationalparks Schwarzwald erregt nach wie vor die Gemüter.

Die Ausgangslage

Im Oktober hatte die Landesregierung in Stuttgart eine Grundsatzentscheidung zur Erweiterung des Nationalparks getroffen: Die Lücke zwischen dem Nord- und Südteil des Parks soll geschlossen werden, die Fläche des Parks wächst somit von derzeit gut 10 000 Hektar auf rund 11 500 Hektar an. Und im November hatte der Nationalparkrat, in dem auch alle Anliegerkommunen vertreten sind, den Plänen der Regierung zugestimmt – dies wurde allgemein als Durchbruch gewertet.

Allerdings: Die konkrete Ausgestaltung muss noch geregelt werden, heißt es. Und es heißt weiter, dies soll gemeinsam mit den rund um den Nationalpark lebenden Menschen geschehen.

Es geht ums Detail

Es geht also um Details – und um die alten Streitfragen, etwa welche Wege die Anwohner weiterhin nutzen dürfen. Dürfen sie weiterhin Beeren und Pilze im Erweiterungsgebiet des Parks sammeln, dürfen sie Holz lagern? Wie sieht es mit dem Brandschutz aus, wie mit dem Hochwasserschutz? Und nicht zuletzt geht es um die Gefahr einer rasanten Ausbreitung des Borkenkäfers in dem geschützten Wald.

Dies sind die Fragen, die auch an diesem Freitagabend von den Besuchern immer wieder gestellt werden. Und immer wieder wird bemängelt, das bisherige Verfahren sei nicht transparent gewesen, der Bevölkerung sei die Erweiterung „aufgestülpt worden“, wie ein Kritiker meint. Ein weiterer Besucher moniert: „Wir sind nicht bereit, die Katze im Sack zu kaufen.“ Dabei drängt die Zeit: Bis Ende Januar soll die endgültige Karte für die Erweiterung stehen.

Versprechen der Ministerin

Thekla Walker, die grüne Umweltministerin, versucht in ihrer Rede, mit – wie sie sagt – „verbindlichen Zusagen“ den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. So sollen „weite Waldbereiche entlang des Langenbach- und Schönmünztals und um Erbersbronn Managementzone bleiben“. Das heißt konkret: „Eingriffe in den Wald sind weiter möglich. Wir wollen den Wald hier so entwickeln, dass nicht der Eindruck abgestorbener Berghänge entsteht.“ Der Wald solle „frei zugänglich bleiben“: Beerensammeln und Holzlagerung bleibe daher auch weiterhin möglich.

Hat beim Besuch im Murgtal keinen leichten Stand: Landesumweltministerin Thekla Walker. Foto: Peer Meinert

Und weiter sagt Walker zu: „Alle breiten, geschotterten Waldwege im Erweiterungsgebiet bleiben offen und können zu Fuß oder auch mit dem Rad genutzt werden.“ Dies solle zunächst für eine Dauer von zehn Jahren gelten. Zum Thema Waldbrand und Hochwasser meint sie allerdings lediglich, hier solle „ein Konzept“ erstellt werden.

Ganz entscheidend aber dürfte eine weitere Zusage der Ministerin sein: Wichtige Beschlüsse im Nationalparkrat sollen künftig nur dann gefasst werden, „wenn eine Mehrheit der Kommunen sowie der Landesvertreter im Rat zustimmt“. Konkret heißt das: Die Kommunen können im weiteren Entscheidungsprozess nicht einfach von den Vertretern des Landes überstimmt werden. Vor allem Landrat Klaus Michael Rückert verweist auf die Bedeutung dieser Zusage. Damit werde gesichert, dass die Anliegen der Kommunen nicht ins Hintertreffen geraten. Die Rede Walkers erhält warmen Beifall.

„Bitte nehmen Sie sich Zeit!“

Es ist immer wieder die gleiche Kritik, die seit Monaten aus einzelnen Kreisen der Anwohner zu hören ist. „Lösen wir doch erst die bisherigen Probleme, bevor wir an die Erweiterung denken“, meint eine Kritikerin. Der Borkenkäfer etwa habe sich im bisherigen Park „explosionsartig vermehrt“. Ein Kritiker bemängelt, die Zusage der Wegenutzung von lediglich zehn Jahren sei „gerade lächerlich“, der Nationalpark bestehe schließlich „für die Ewigkeit“.

Es ist nicht zuletzt der Zeitdruck, der bei dieser Veranstaltung auf Widerspruch stößt. Dass die Erweiterung kommt, „das ist keine Frage“, meint etwa Robert Stiebler, Bürgermeister in Forbach. „Doch warum diese Eile?“ Es bestehe nach wie vor großer Gesprächsbedarf. Eindringlich mahnt der Bürgermeister: „Bitte nehmen Sie sich Zeit! Der Nationalpark läuft nicht weg.“ Stiebler erhält großen Beifall.