Besuch im Gewerbegebiet Sulzhau (von links): Oberbürgermeister Adrian Sonder, Landrat Klaus Michael Rückert, Umweltministerin Thekla Walker sowie „Lizergy“-Gründer und -Geschäftsführer Simon Hänel Foto: Schwarz

Beim Besuch der Firma Lizergy im Freudenstädter Gewerbegebiet Sulzhau hat Landesumweltministerin Thekla Walker (Grüne) Einblicke in das innovative Unternehmen und die dahinter stehende Philosophie bekommen – und von Hemmnissen erfahren.

Für den geplanten Betriebsrundgang reichte es zeitlich nicht, informativ war der Besuch für die Ministerin, begleitet von Landrat Klaus Michael Rückert und Oberbürgermeister Adrian Sonder, aber dennoch.

 

Die Planung und Umsetzung von Photovoltaikanlagen, in Kombination mit Batteriespeichern, sowie anspruchsvolle Elektroinstallationen sind die Hauptgeschäftsfelder des 2013 gegründeten Unternehmens Lizergy.

Geschäftsführer Simon Hänel stellte klar: „Wir machen die Photovoltaik nicht deshalb, weil sie gerade läuft, sondern wir machen das seit elf Jahren, weil wir Überzeugungstäter sind.“ Wichtig sei, dass dabei alle an einem Strang ziehen. „Ich bin deshalb auch nicht sauer, wenn ein anderes Unternehmen eine Solaranlage baut und verkauft – Hauptsache, ein Haus ist überhaupt mit einer Solaranlage belegt.“

Derzeit entsteht ein weiterer Neubau

Hänel hat auch beim Neubau im Sulzhau vor fünf Jahren – ein weiterer entsteht derzeit – viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Das Gebäude wurde fast komplett aus Holz gebaut, auf dem Dach befindet sich eine PV-Anlage, die doppelt so viel Strom produziert, wie für das Gebäude samt Heizung und E-Mobilität benötigt wird.

Die Firma ist in den elf Jahren seit Gründung auf mittlerweile 35 Mitarbeiter gewachsen. Unter ihnen sind auch vier Flüchtlinge aus Syrien, Gambia und der Ukraine, von denen drei inzwischen als Fachkräfte beschäftigt sind. Hänel kritisierte die bürokratischen Hürden, die die Beschäftigung dieser Personen erschwert hätten.

Der Mann aus Gambia habe ein Praktikum absolviert und danach sofort starten wollen. Bis das aufgrund der Bürokratie möglich gewesen sei, seien aber vier Monate ins Land gezogen, in denen der Mann weiterhin Sozialleistungen beziehen musste, obwohl er viel lieber gearbeitet hätte. „Für uns ist das nicht wirklich verständlich gewesen, wir hätten ihn ja bezahlt“, sagte Hänel.

Das neueste Gebäude des Unternehmens wird künftig hauptsächlich als Ausstellungsfläche genutzt – auch, um die Öffentlichkeit und zudem die Kindergruppen, die eingeladen werden, zu informieren. „Wir können heute nämlich schon viel mehr, als in der Öffentlichkeit teilweise bekannt ist.“ Intelligente Energiemanagementsysteme seien ein Beispiel dafür.

Faire Bezahlung als Wettbewerbsnachteil

Ein ärgerliches Thema sind für den innovativen und sozial eingestellten Unternehmer immer wieder die öffentlichen Ausschreibungen. Die habe er schon manchmal wegen nur geringfügig günstigerer Angebote gegen Konkurrenten verloren. Und diese wiederum seien nur deshalb günstiger gewesen, weil sie ihre Mitarbeiter schlechter bezahlten. Faire Bezahlung erweise sich hier also als Wettbewerbsnachteil. „Es kann ja nicht das Ziel sein, Firmen dazu zu bringen, schlechte Löhne zu zahlen, nur um Ausschreibungen zu gewinnen“, sagte Hänel.

Ministerin Walker war der Meinung, dass Nachhaltigkeitsaspekte bei Ausschreibungen sowieso eine noch größere Rolle spielen sollten. Die Heraufsetzung des Mindestlohns wäre für Hänel ebenfalls ein Ansatz.

Ein weiteres Diskussionsthema waren die aktuell zwar noch relativ guten Zubau-Raten bei der Photovoltaik, die bei großen Anlagen aber zurückgehen könnten, wenn der Börsen-Strompreis wegen des Überangebots zu stark sinkt. Stromspeicherung lohne sich für das Gewerbe aber nur dann, wenn keine Steuern und Abgaben auf den gespeicherten Strom bezahlt werden müssten, so Hänel. Ohne Speicherung funktioniere die Energiewende nicht.

Kritik äußerte der Geschäftsführer auch am langwierigen und ziemlich teuren Zertifizierungsverfahren für Großanlagen. Digitale Systeme und automatisierte Arbeitsprozesse in diesem Bereich könnten auch solche Themen beschleunigen, zeigten sich alle Beteiligten überzeugt.

Abhängigkeit von China und die dortigen Subventionen bereiten Sorgen

Das Unternehmen
Die Firma Lizergy hat eine Ausbildungsquote von 14 Prozent und ein durchschnittliches Unternehmenswachstum von 40 Prozent in den vergangenen Jahren. Eine eigene Software hat die Angebots- und Durchlaufzeiten erheblich reduziert. Gebaut wird das ganze Spektrum von der PV-Anlage auf dem Gartenhaus bis zum Solarpark. Der Ausbau der privaten PV-Anlagen bei der Firma Lizergy ist gegenüber dem Vorjahr zuletzt um 30 Prozent gesunken, wird durch den Ausbau von Großanlagen aber noch kompensiert. Die bisher von Lizergy gebauten Anlagen produzieren 62 Megawattstunden (MWh), was der Versorgung von 21 700 Haushalten entspricht.

Probleme
Ein Großteil des Materials für die Anlagen wird nicht mehr in Deutschland und Europa, sondern in China produziert. Diese große Abhängigkeit und auch die billigeren Angebote aus China aufgrund der dortigen Subventionen bereiten Sorge. Umweltministerin Thekla Walker würde sich wünschen, dass Subventionen wie in China auch hierzulande gewährt werden, um die Materialversorgung auch dann sicherstellen zu können, wenn Lieferketten unterbrochen sind. Der „Lizergy“-Neubau verfügt über ein so großes Lager, dass bis zu fünf Monate überbrückt werden könnten, wenn das passieren sollte.