Baden-Württembergs Minister für Ernährung, ländlichen Raum und Verbraucherschutz war zu Gast auf dem Dorfplatz in Schönbronn. Foto: Stadler

Auf dem Schönbronner Dorfplatz sprach der Minister für Ernährung, ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, über die Zukunft des ländlichen Raums und beantwortete Fragen der Zuhörer.

Wildberg-Schönbronn - Im Rahmen der kreisweiten Mitglieder-Kampagne der CDU im Landkreis Calw war der Minister für Ernährung, ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, Gast des Stadtverbands Wildberg. Auf dem Dorfplatz in Schönbronn referierte er über Perspektiven des ländlichen Raums und stellte sich in einer moderierten Diskussionsrunde den Fragen der Bürger.

Noch bevor Minister Peter Hauk mit leichter Verspätung am Dorfgemeinschaftshaus im Wildberger Stadtteil Schönbronn eintraf, waren sämtliche Plätze auf dem Dorfplatz besetzt. Unter den Gästen war auch der ehemalige Bundestagsabgeordnete aus dem Landkreis, Hans-Joachim Fuchtel. Margit Gärtner, die stellvertretende Vorsitzende des CDU-Stadtverbands Wildberg, moderierte in Vertretung von Rosemarie Röhm-Frenzel den Abend rund um das Sommerprogramm der Partei zum Thema "Land und Forstwirtschaft sowie ländlicher Raum". Bürgermeister Ulrich Bünger durfte Hauk bereits zum vierten Mal in Wildberg begrüßen.

Bedarf kann nicht am Schreibtisch geklärt werden

Der Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des CDU-Kreisverbands Thomas Blenke sprach in seinem Grußwort über das erklärte Ziel, den ländlichen Raum und dessen Förderung voranzubringen. Er verwies auch auf die Werbekampagne der Partei im Kreis Calw mit 34 Plakatmotiven zum Thema "Heimat vor der eigenen Haustür gestalten".

Bevor die Gäste ihre Fragen an den Minister loswerden konnten, sprach Peter Hauk über den rund zwei Drittel des Landes Baden-Württemberg einnehmenden ländlichen Raum und dessen Bedarf, der nicht vom Schreibtisch aus geklärt, werden könne, sondern differenziert zu betrachten sei.

Unabhängigkeit durch Regionalität

Zuvor hatte er den örtlichen Betrieb Holzbau Schaible besucht und mit Inhaber Karl-Heinz Schaible den Wandel im Handwerk erörtet. "Die Anstrengungen für die Energiewende müssen verstärkt werden", so Hauk, der sich dafür aussprach, durch mehr eigenproduzierte regenerative Energien das Geld für Gas oder Öl – trotz höherer Preise – im Land zu halten. Durch Regionalität, auch bei Ausschreibungen, sieht der Minister mehr Resilienz und mehr Unabhängigkeit.

Außerdem seien Reaktionen erforderlich aufgrund der zu kollabieren drohenden Lebensmittelströme und der in manchen Ländern unbezahlbaren Preise. Hauk sprach über die in 2023 geltende Ausnahme von der vierprozentigen Brache-Regelung, wonach auf diesen Landwirtschaftsflächen im nächsten Jahr Lebensmittel angebaut werden können. Thematisiert wurde die Offenhaltung des Schwarzwaldes, die nur über die Tierhaltung möglich ist, ebenso wie die spürbaren Auswirkungen des Klimawandels auch auf die Weizenpreise und darüber hinaus die Erhöhung des Mindestlohns, die in eine Preisspirale münde.

Der Verbraucher bestimmt das Geschehen

Ausgehend von einer hohen Inflationsrate und steigenden Lebenshaltungskosten im kommenden Jahr, plädierte Minister Hauk für längere Nutzungszeiten, beispielsweise von Handys, anstelle bei regionalen Lebensmitteln zu sparen. Er sei sicher, , dass die Verbraucher durch ihre Nachfrage bestimmen, was auf den Feldern geschieht, inwieweit konventionell oder ökologisch bewirtschaftet werde. In Baden-Württemberg gebe es inzwischen zu wenig Schweine. "Die Tierhaltung im Land muss stimmen, sonst fehlt auch Rindfleisch und muss beispielsweise aus Chile importiert werden", so Hauk.

Wertschöpfung soll im Land bleiben

Wie der extrem trockene Sommer zeige, müsse auch der Wald langfristig umgebaut werden mit Neuanpflanzungen von hitze- und trockenheitstoleranten Baumarten, wie Eiche, Ulme oder Hainbuche sowie Douglasie. "Andere Baumarten anzupflanzen ist eine Generationenaufgabe, die für die Holzwirtschaft sehr wichtig ist", so Hauk. Er sieht im Holzbaubereich, durch die Speicherung von Kohlendioxid, einen Schlüssel zur Lösung des Klimaproblems. Umso wichtiger sei es, die Wertschöpfungskette regional und im Land zu halten und auch vor Ort zu produzieren.

Im sich anschließenden Frageteil wurde gefragt, was auf den ländlichen Raum zukomme, wenn zwei Prozent der Landesflächen mit erneuerbaren Energien ausgestattet werden sollen. Hauks Antwort zielte darauf ab, dass die Kompensation durch die Region, da Städte wie Stuttgart, Karlsruhe oder Freiburg diesen Anteil nicht leisten können, nicht kostenlos sein kann und darf. Ein Ausgleich müsse dafür erbracht werden, da der ländliche Raum Leistungen für andere erbringe. Auch sprach sich Hauk gegen PV-Anlagen auf „besten“ Ackerböden aus. Stattdessen sollten zuerst bebaute Flächen damit ausgestattet werden. Angesprochen wurde auch die Auszahlung der Landschaftspflegesätze für Landwirte, die die Schwarzwald-Landschaft offenhalten.

Absage ans Landesticket

Derzeit, so Hauk, verlange die EU die Auszahlung am Jahresende, im Herbst werde entschieden, inwieweit Staffelzahlungen möglich sind. Angesprochen wurde auch die regionale Gültigkeit eines ÖPNV-Tickets anstelle des nicht als besonders nachhaltig bezeichneten 9-Euro-Tickets. Hauk ließ keine Hoffnung auf ein sogenanntes Landesticket aufkeimen

Bezüglich der von Landwirten geforderte Einschränkung der Rinderhaltung, sprach Hauk über Kompromisse der CDU mit den Grünen, aber auch über die im Mainstream von Naturschutz geprägten Städter sowie die zunehmende Militanz und Intoleranz gegenüber der Tierhaltung.

Zum Ausklang des Abends lud der CDU-Stadtverband Wildberg zum Austausch und zu Begegnungen beim Ständerling ein. Die Dorfgemeinschaft Schönbronn hatte hierzu den Dorfplatz möbliert und mit Sonnenschirmen fast schon italienisches Flair gezaubert, so Margit Gärtner.