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Das Mineralbad Leuze wird saniert. Für ein Jahr bleibt  das große Becken zu.

Stuttgart - Das Mineralbad Leuze ist in die Jahre gekommen. Bei der abschnittsweisen Erneuerung kommt nun das Herzstück dran. Die Warmbadehalle wird von Frühjahr 2011 an mindestens ein Jahr geschlossen bleiben und zum Preis von 5,23 Millionen Euro modernisiert. Dann soll es für längere Zeit gut sein.

Die Reihe der Baumaßnahmen im Leuze war in den vergangenen Jahren lang - bis zur Eröffnung einer neuen Saunalandschaft am Samstag. Bei den Bäderbetrieben denkt man aber schon weiter. Nämlich an die Sanierung der Warmbadehalle.

Bei dem einst vom Stuttgarter Kunstprofessor Otto Herbert Hajek gestalteten Kernstück des Leuze herrscht dringender Handlungsbedarf. Schon im Sommer 2006 wurden bei einer Routinekontrolle Schäden am Tragwerk der abgehängten Decke über der Schwimmhalle und an der Glasfassade entdeckt. Ein Teil der sogenannten Sägezahn-Decke, die Hajeks Handschrift trägt, musste entfernt werden. Aus optischen Gründen wurden die Deckenelemente damals provisorisch durch eine einfache Segelkonstruktion ersetzt. Seit 2009 kann die Fassade nicht mehr hinterlüftet werden. Dadurch entsteht bei niedrigen Außentemperaturen Kondenswasser. An manchen Punkten der Betondecke sind Korrosionsschäden entstanden, an den Holmen der Glasfassade ebenfalls. Das Kondenswasser und eingedrungenes Regenwasser tropfen auf die Platten der abgehängten Decke. Als die Platten eingebaut wurde, hatte es noch kein wasserbeständiges Material gegeben. Jetzt gehen immer mehr Platten kaputt.

Von April 2011 an wollen die Bäderbetriebe diese Schäden beseitigen und für dauerhafte Abhilfe sorgen. Ein neues Lüftungssystem soll für Trockenheit zwischen Betondecke und abgehängter Decke sorgen. Zudem werden auch Fliesen- und Betonflächen der Warmbadehalle sowie des Sitz- und Liegebeckens erneuert. Mit rund 800.000 Euro der insgesamt 5,23 Millionen Euro für diesen Bauabschnitt soll ein Warmsprudelbecken mit 36 Grad warmem, schwach mineralisiertem Wasser der Mombachquelle eingerichtet werden - an der Stelle und in der Form des Kinderplanschbeckens. Dieses ist durch die Eröffnung des Kinderlands im Leuze überflüssig geworden ist. Und zu guter Letzt wollen die Bäderbetriebe auch Teile der gastronomischen Einrichtung erneuern.

Preisnachlass von 20 Prozent

Die Schließung und Sanierung der Warmbadehalle erzwingt die Sperrung des Außenbeckens mit 30 Grad warmem Wasser. Die Außenfläche wird zur Erschließung der Baustelle benötigt. Der geringe Abstand zwischen Fassade und Außenbecken zwinge außerdem zu Sicherheitsvorkehrungen, heißt es bei den Bäderbetrieben. Jedoch überlege man, im Außenbecken mit bisher 24 Grad warmem Wasser auf 27 Grad hochzugehen.

Während der Interimszeit, die zwölf oder 13 Monate dauern wird, können die Leuze-Besucher wie gewohnt die Kaltbadehalle, den Freibereich mit den Mineralwasser-Außenbecken sowie die Sauna-Anlage nutzen. Doch die Verantwortlichen des Bäderbetriebs wissen ganz genau, dass viele Gäste sich ärgern dürften, weil die Warmbadehalle mit Bewegungsbad und das 30-Grad-Außenbecken nicht zur Verfügung stehen. Deswegen sollen die Arbeiten erst beginnen, wenn die Sanierung des Mineralbads Cannstatt beendet ist, waren sich die Stadträte und die Bäderverwaltung dieser Tage einig.

Weil im Leuze rund 700 von 1760 Quadratmetern und damit etwa 40 Prozent der Wasserfläche für rund ein Jahr stillgelegt sein werden, tüfteln die Verantwortlichen zurzeit an einer vorübergehenden Preissenkung. Man erwäge, die Preise um 20 bis 30 Prozent zu reduzieren, sagte Bäderchefin Anke Senne-Bunn. Je nach Ticketart wären das entweder 1,20 bis zu drei Euro bei der Tageskarte oder 1,80 bis vier Euro weniger. An eine 40-prozentige Senkung ist nicht gedacht - immerhin gebe es neuerdings ja auch die Winzer-Sauna gratis dazu, hieß es vor wenigen Tagen im Bäderausschuss des Gemeinderats.

Das Gremium stimmte dem Vorhaben einmütig zu, obwohl die Maßnahme die städtischen Bäderbetriebe teuer zu stehen kommt. Sie sei nicht aufschiebbar, sagte der zuständige Erste Bürgermeister Michael Föll. Nach 27 Jahren, in denen das Leuze den Badegästen treue Dienste tat, sei es einfach unvermeidlich, befanden die Stadträte, die eine Hoffnung eint: dass im Leuze das Gröbste dann vorbei ist und man auf Jahre hinaus Ruhe hat, wenn die Warmbadehalle im Frühjahr 2012 in Betrieb geht.