Während Bürgermeister Noé mit dem Baugebiet „Mühlacker IV“ in Starzach-Sulzau auf Wachstum setzt, befürchten einige Anwohner Eingriffe in Natur und Lebensqualität.
Der Aufstellungsbeschluss für das geplante Baugebiet „Mühlacker IV“ im Starzacher Ortsteil Sulzau ist am Montagabend im Gemeinderat mehrheitlich beschlossen worden – trotz erheblicher Kritik aus der Bürgerschaft.
Das Vorhaben sieht vor, auf rund 18.000 Quadratmetern am Ortsrand bis zu 46 Wohneinheiten zu schaffen. In der Bürgerfragestunde vor der Sitzung zeigte sich: Das Projekt ist zumindest in Teilen der Bevölkerung umstritten.
Größe des Baugebiets missfällt Bürgern
Besonders die Dimension des Vorhabens und die Auswirkungen auf Umwelt und Infrastruktur sorgen für Unruhe im Dorf. Ein Bürger äußerte Zweifel, ob das bestehende Abwassersystem die zusätzliche Belastung bewältigen könne. Bürgermeister Thomas Noé erklärte, dass rechnerisch kein Engpass bestehe. „Für Sulzau sollte das kein Problem darstellen“, so Noé.
Eine endgültige Klärung solle im weiteren Verfahren erfolgen. Er verwies zudem auf seine Erfahrung als Vorsitzender des Abwasserzweckverbands.
Die zentrale Botschaft des Bürgermeisters: Starzach brauche dringend neue Einwohner – auch solche mit höherem Einkommen. „Das Einzige, was uns in Starzach noch rettet, sind Einwohner“, sagte er und warb für die Chance, Sulzau damit aufzuwerten.
Ein Drittel mehr neue Bewohner in Sulzau?
Ein Bürger widersprach deutlich: „Das sind 100 Menschen mehr – ein Drittel der jetzigen Einwohner. Glauben Sie wirklich, dass die kommen?“ Weitere Stimmen kritisierten, dass ein Hang bebaut werden solle, der bisher als Grünfläche galt. „Die Natur wird zurückgedrängt, Kinder verlieren ihren Spielraum“, so ein besorgter Sulzauer.
Noé verteidigte die Planung mit Blick auf Wirtschaftlichkeit, langfristige Gemeindeentwicklung und Synergien etwa mit einem möglichen Regionalstadtbahn-Halt. Auch sei die Fläche bereits seit Jahrzehnten für Wohnbau im Flächennutzungsplan vorgesehen. „Wenn Sie sagen, ich hätte Sie angelogen, dann dürfen Sie mir das noch einmal sagen“, entgegnete er auf Vorwürfe eines Bürgers.
Architekt stellt die Pläne vor
Architekt Thomas Schwarztrauber, der das Projekt für den Stuttgarter Projektentwickler „Königskinder“ betreut, zeigte sich überrascht vom Widerstand. Er stellte die ersten Entwürfe für dieses Gebiet vor.
Er verwies auf die anspruchsvolle Hanglage, betonte jedoch, dass sowohl die Themen Hanglage und Starkregen sowie der Naturschutz frühzeitig im Blick seien. Das Planungsbüro Gauss sei für seine Kompetenz bekannt. „Das Biotop Schlehenhecke nehmen wir raus“, versicherte er – auch die „kleine Ecke“, die noch im Plan einbezogen sei. Auch ein Kinderspielplatz sei eingeplant. „Dieser liegt im verkehrsberuhigten Bereich.“ Er soll den bisherigen ersetzen, der an einer Durchgangsstraße liege.
Drei Gemeinderäte stimmen dagegen
Trotz der Widerstände im Saal, die sich auch in der Anzahl der Anwesenden und ihren kritischen Wortbeiträgen widerspiegelten, wurde der Aufstellungsbeschluss mit Mehrheit angenommen. Die Gemeinderäte Manuel Faiß, Tabea Sickeler und Dieter Wagner stimmten dagegen.
Bürgermeister Noé zeigte sich zum Schluss offen für die weitere Diskussion, warnte aber vor Eskalation: „Sobald ich wieder bedroht oder beleidigt werde, ist so eine Versammlung schnell wieder rum.“
Der nächste Schritt sei nun die Ausarbeitung des Bebauungsplans und eine frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung. Die Auseinandersetzung um „Mühlacker IV“ könnte damit erst am Anfang stehen.