Seit Jahren Baustillstand: Nun verklagt ein Generalunternehmer den Bauträger auf 1,5 Millionen Euro. Dessen Chef erscheint nicht vor Gericht. Der Beginn eines jahrelangen Prozesses?
Seit Herbst 2023 gammelt die Mega-Baustelle „Eschelen Carré“ in Schwenningen vor sich hin. Was aus dem gescheiterten Millionenprojekt wird, kann derzeit keiner sagen.
Was hingegen gesagt werden kann: Adrian Gütermann will nicht auf seinen Kosten sitzen bleiben. Gütermann ist Inhaber der K&G Wohnbau GmbH in Vogtsburg am Kaiserstuhl und war der zweite von insgesamt drei Generalunternehmern, die von der in Freiburg ansässigen Caprise Residentials GmbH mit der Umsetzung des „Eschelen Carrés“ beauftragt waren.
Zwei Unternehmen – zwei Versionen
Das Unternehmen schulde ihm rund eineinhalb Millionen Euro, sagt Gütermann, und versucht derzeit, unterstützt von dem Stuttgarter Fachanwalt für Baurecht Stefan Soergel, vor dem Freiburger Landgericht diese Summe von der Caprise GmbH einzuklagen. Diese wiederum, vertreten durch ihre Anwältin Melanie Pfau, hält dagegen und fordert, die Klage des Generalunternehmers abzuweisen, da sie dessen Abschlussrechnung für nichtig erachtet. Die K&G Wohnbau habe verabredete „Meilensteine“ beim Bau nicht eingehalten; man habe aufgrund eines Vertrauensverlusts die Zusammenarbeit aufgekündigt.
Beim Gütetermin am Donnerstag wurde klar: Das „Eschelen Carré“ mit seinen geplanten 61 Wohnungen in vier Gebäudeteilen, einem Penny-Markt, einer Backfiliale und einer Kita stand, schon bevor die Handwerker Ende 2023 ihre Sachen zusammenpackten, unter keinem guten Stern. „Es gab seitens der Caprise Residentials immer wieder Zahlungsprobleme bei diesem Projekt“, so Adrian Gütermann. Caprise-Chef Kurt Keller habe ihn „angefleht“, einem Bezahlungsmodus zuzustimmen, bei dem er Abschläge als „Darlehen“ deklarierte und wieder an die Geldgeber Kellers zurückzahlte, sobald diese wiederum die entsprechenden Mittel an Caprise überwiesen hätten. Man habe den Betrieb auf der Baustelle so lange wie möglich am Laufen gehalten, dann habe Keller aber Ende Oktober 2023 gesagt, dass er nun überhaupt nichts mehr zahlen werde.
Unerreichbare Ziele
Vereinbarte „Meilensteine“ beim Baufortschritt seien aufgrund der fehlenden Mittel unerreichbar geworden, so Gütermann, der auch schon beim ersten Generalunternehmer beschäftigt war und den Caprise-Auftrag übernahm, als die erste Firma in die Insolvenz schlitterte. Ein dritter Generalunternehmer, die Firma JP Baumanagement aus Donauwörth, macht zwischenzeitlich ebenfalls Forderungen in Höhe von 820.000 Euro gegenüber Caprise geltend und bereite derzeit eine Klage gegen das Freiburger Unternehmen vor, wie der geschäftsführende Gesellschafter Peter Strobel am Donnerstag auf Anfrage bestätigt hat. Das Verfahren dürfte jedoch zumindest in der Form, in der Gütermann seine offene Endabrechnung vorgelegt hat, nicht zu einer schnelleren Lösung führen. Zu viele Rechnungspunkte in der Schlussrechnung der K&G Wohnbau GmbH vom Dezember 2024 seien für ihn nicht nachvollzieh- und zuordenbar, so Richter Benedikt Hackenbroich. Irgendwann habe er „keine Lust mehr“ gehabt, Gütermanns Rechnung aufzudröseln. „Das ist nicht mein Job“, so der Richter wörtlich an den Kläger gerichtet.
Zukunft in den Sternen
Sollte es tatsächlich nach dem Gütetermin nicht zu einer finanziellen Einigung kommen, drohe beiden Seiten ein jahrelanger Rechtsstreit. Genau sagen könne man es derzeit noch nicht; bei einem Vergleich, dem beide Seiten zustimmen, könnten aber 400.000 bis 450.000 Euro für Gütermann drin sein, so Hackenbroich. Das sei auch im Sinne seines Mandanten, so Anwalt Soergel.
Sie müsse das alles erst mit ihrem Mandanten besprechen, so Anwältin Pfau. Caprise-Geschäftsführer Kurt Keller war, obwohl vom Gericht geladen, nicht zur Verhandlung erschienen. Sollte es zu einer gütlichen Einigung kommen, könnte es frühestens Mitte September einen entsprechenden Verkündungstermin am Landgericht geben. Bis alle Seiten sich im Detail geeinigt und alle Stellungnahmen abgegeben haben, dürfte es aber später werden, so der Richter.
Was aber passiert nun mit dem halbfertigen „Eschelen Carré“ in Schwenningen? Das Projekt gehört der Swiss Life Versicherung, die wiederum die Caprise Residentials GmbH als Projektdienstleister engagiert hat. Eine Rückmeldung zum Sachstand und der möglichen Zukunft des Bauprojekts stand bei Redaktionsschluss am Donnerstag noch aus.