Das neue katholischen Gemeindehaus steht in der in der Bahnhofstraße. Foto: Felix Biermayer

Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit kann die katholische Kirchengemeinde ihre neue Heimstatt beziehen. Das wurde am Samstag gefeiert. Pfarrbeauftragter Bertram Bolz will das Haus mit Leben füllen.

Bald ist Heiligabend. Die katholische Kirchengemeinde St. Josef in Calw hat sich ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk gemacht: die Einweihung des neuen Gemeindehauses in der Bahnhofstraße.

 

Die wurde am Samstag mit einem Gottesdienst gefeiert – in der gegenüberliegenden Kirche. Die hat nun auch eine neue Treppe und einen umgestalteten Vorplatz.

Dem Pfarrbeauftragten Bertram Bolz gefiel der neu geschaffene Ort. Die Kirche sei bisher eher eine Kapelle gewesen. Mit dem Platz empfinde er sie jetzt wie eine Kathedrale.

Wunsch nach einem zentralen Anlaufpunkt

Im neuen Gemeindehaus kommen neben der Kirchengemeindeverwaltung St. Josef auch die portugiesische, italienische und kroatische Gemeinde unter. Dazu ist dort das Dekanat beheimatet. Und es gibt Räume für Gruppentreffen sowie den großen Saal im Erdgeschoss. Dort fand auch die festliche Einweihung nach dem Gottesdienst statt.

Doch fast wäre es nicht dazu gekommen, dass das neue Gemeindehaus überhaupt gebaut wurde. 2017 hat sich die Kirchengemeinde überlegt, was sie in Calw hält – und was sie mit ihren Gebäuden machen will. Ihre Büros und andere Räume waren auf mehrere, vor allem alte Immobilien verteilt. Der Wunsch nach einem zentralen Anlaufpunkt war da. Die finanziellen Mittel nicht. Doch die Diözese sagte Gelder zu. 2019 stand ein Entwurf.

Am Ende kostet alles wohl 4,6 Millionen Euro

Dann kam Corona. Alles verzögerte sich. Dann kam der Ukraine-Krieg. Die Baupreise stiegen immens. Im Dezember 2022 fand schließlich der Spatenstich statt. Doch statt der ursprünglichen 2,85 Millionen Euro, die das Projekt kosten sollte, stand plötzlich die Summe von fast vier Millionen Euro im Raum. Die Finanzierung war immer wieder fraglich.

Am Ende kostet das neue Gemeindehaus wohl sogar 4,6 Millionen Euro, so Bolz. Von der Diözese kämen etwa 700 000 Euro. Den Rest bezahle die Kirchengemeinde selbst. Damit seien alle Rücklagen aufgebraucht. Aber: „Es war’s wert“, fand Bolz am Samstag.

Sieben Jahre und viele Hindernisse

Das dürften auch die vielen Besucher so gesehen haben. „Man fühlt sich einfach wohl“, sagte der Freudenstädter Dekan Anton Bock. Er segnete das neue Gebäude. Das Haus solle der Gemeinschaft dienen, und zwar Menschen „aller Konfessionen, Generationen und Nationen“. Gott sei die tragende Kraft. Aber die Menschen müssten „lebendige Steine“ sein, bezog er sich auf den Petrusbrief.

Diözesenbaumeister Thomas Schwieren erinnerte an die sieben Jahre, die seit der ersten Idee vergangen seien – und die vielen Hindernisse, die es gab. „Wir haben alles gemeistert“, freute er sich. Besonders dankte er Bolz, der die „treibende Kraft“ in dem Projekt gewesen sei. Das Haus solle nun befüllt und belebt werden. Mit Gottes Hilfe habe sich alles gefügt, war auch Architekt Henning Baurmann froh. Das Gebäude solle den Menschen und der Stadt einen Mehrwert bieten. Es sei ein Zeichen der Zukunft, des Glaubens und des Miteinanders. Das sei wichtig in einer Zeit der vielen Krisen.

„Sie haben’s wirklich gemacht“

Auch Calws Oberbürgermeister Florian Kling meinte, dass es in schwierigen Zeiten Räume der Begegnung brauche. Und das Gemeindehaus biete das. Christoph Perrot von der evangelischen Kirche gratulierte zur Einweihung. „Sie haben’s wirklich gemacht“, sagte er anerkennend. Und das zeige auch, dass Kirche Zukunft habe – trotz schwindender Mitglieder zahlen.

Zur Kirchengemeinde St. Josef zählen gut 7000 Mitglieder. Die sollen nun „das Haus mit Leben füllen“, wie Bolz es nennt. Dafür stehen ihnen auf vier Ebenen und in etwa 20 Räumen rund 800 Quadratmeter zur Verfügung. Neben dem Saal mit seinen Fensterfronten sind das offene zentrale Treppenhaus oder ein Bleiglasfenster besondere Höhepunkte. Die Gäste schauten sich die viele Räume mit großem Interesse an. In manchen stapelten sich noch die Umzugskisten.

Noch nicht alles fertig

Und es ist auch noch nicht alles fertig. Es fehle noch eine Brandschutztür, Schlösser in manchen Türen oder die Verkleidungen an der Außenwand, so Bolz. Der Außenbereich müsse ebenfalls noch gestaltet werden. In einem halben Jahr ist dann abgeschlossen – und das Projekt Gemeindehaus wirklich am Ziel.