Das Thema Recycling steht bei einem Millionenprojekt der Unternehmensgruppe Morof im Vordergrund. Was ist genau geplant?
Die Zukunft liegt im Recycling, wird bei der Vorstellung des Bauprojekts des Unternehmens Morof für alle am Vorhaben Beteiligten deutlich. Mehr als zehn Millionen Euro sollen in das Projekt WSA, Werk für Sekundärrohstoffe Althengstett, fließen. In diesem Zug sollen auch 50 neue Arbeitsplätze entstehen.
Der Standort in Althengstett soll ausgebaut werden. Bei dem Projekt geht es im Wesentlichen um die Wiederaufbereitung sekundärer Rohstoffe und die Herstellung von Flüssigboden.
Was ist Flüssigboden?
Zu sekundären Rohstoffen zählen unter anderem aufbereiteter Beton, Asphalt, Aushubmaterial sowie Material aus Bauabbrüchen.
Wolf-Hagen Stolzenburg von der Flüssigboden Engineering GmbH, Partner von Morof, erklärt genauer, was es mit dem Flüssigboden auf sich hat. RSS-Flüssigboden ist ein fließfähiger Baustoff, der aus unterschiedlichsten Aushüben bestehen kann. Diesen werden neben Wasser noch Zuschlagstoffe zugegeben, um sie aufzubereiten.
Kosten und CO₂ sparen
Dadurch könne jeder Boden als Flüssigboden wiederverwendet werden und als Ausgangsmaterial dienen. Vorteil ist, dass Zieleigenschaften vorgegeben werden können.
Darüber hinaus wird Abfall vermieden. Lange Transportwege fallen durch die zirkuläre Kreislaufwirtschaft weg, erklärt Stolzenburg. Außerdem mache man sich unabhängig von Preissteigerungen bei der Deponierung und bei der Anschaffung von Primärrohstoffen. Zusammengefasst macht Stolzenburg klar, dass Material, Zeit, CO₂ und Kosten gespart werden.
Kreislaufwirtschaft als Ziel
Übergeordnetes Ziel ist es, Baustoffe in einer regionalen Kreislaufwirtschaft zu halten. Bei der Vorstellung des Projekts erklärt Martin Isola vom Bauunternehmen Morof, dass bei der Kreislaufwirtschaft „Ökologie und Ökonomie“ zusammenkommen. „Für uns ist Boden Baustoff“, erklärt der Mann vom Fach. Da würden Potenziale drinstecken, die sie nutzen wollen.
In dem geplanten Werk soll Flüssigboden hergestellt und Sekundärrohstoffe wieder in den Kreislauf eingebracht werden. Bisher sei das Material diverser Bauabrisse nach Frankreich transportiert worden. Rohstoffe habe man dann wieder vom Rhein geholt. Mit einem Recyclingwerk in der Region habe man unterm Strich „viel weniger Lkw-Verkehr“, weiß Geschäftsführer Thomas Morof.
Zum Thema Versiegelung kann Isola sagen, dass man den Regen nutzen und in Rückhaltevolumen sammeln wolle. Das Wasser brauche man für den Flüssigboden und die Befeuchtung. Darüber hinaus sollen alle Gebäude begrünt und mit Solar ausgestattet werden.
Mehr als Abfall
Nach der Projektvorstellung ergreift Andre Baumann, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft das Wort. Nicht nur lobt er Morofs Einsatz für energieeffizientes Arbeiten, auch hebt er den Bedarf an dezentralen Recyclingstandorten hervor. Gerade bei Baustoffen, die oft nur als Abfall angesehen werden, müsse man Recycling weiter voranbringen.
Dabei kritisiert er zum einen die Gesellschaft, von der es oft heißt, „grundsätzlich ja, aber nicht hier“. Zum anderen sieht er aber auch Schwierigkeiten in der Politik. „Wir sind manchmal sehr vorsichtig und begehen Selbstmord aus Angst vor dem Tod“, so der Staatssekretär.
Standortfrage ungeklärt
Wie so viele Großprojekte steht auch dieses vor Herausforderungen. Es sei schwierig, passende Flächen für das Projekt zu finden, erklärt Morof. Im Vorfeld wolle man alle Beteiligten mitnehmen und sich etwaige Bedenken anhören – insbesondere, da der aktuell vorgesehene Standort im Althengstetter Wald unweit des bestehenden Firmengebäudes liegt. Eine genaue Größe des Werkes stünde noch nicht fest und sei letztlich von den Maschinen abhängig.
Vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) spricht Armin Winterstein die Waldwertung und ökologische Rolle an. Denn die Standortfrage ist noch nicht abschließend geklärt. Ein großes Stück Wald müsste abgeholzt werden. Morof weiß, dass in den Wald eingegriffen wird, dass wolle er nicht wegreden. Nichtsdestotrotz müsse man sich die Frage stellen: „Was wollen wir?“. Und dabei solle man den Nutzen nicht aus dem Blick verlieren.
Das Projekt stehe noch am Anfang, der Dialog laufe weiter, doch auch Geduld sei gefragt, so Morof. Und es bleibe die Frage, wie viel Fläche die Gesellschaft bereit sei für die Kreislaufwirtschaft zu geben.