Mercedes-Benz, Steiff, Würth: Große Firmen im Südwesten haben es geschafft mit ihren eigenen Museen und teils ungewohnten Konzepten und auffälligen Bauten Publikumsmagneten für ihre Stadt zu schaffen. Wie ist ihnen das gelungen?
Es war wohl die Automarke Volkswagen, die in den 80er Jahren mit ihrem Automuseum in Wolfsburg einen Meilenstein für Firmen in Deutschland setzte. Vorbei war das Zeitalter der langweiligen Werksführungen. Die neue Idee war es, durch ein Museumserlebnis künftig die Marke und das Produkt auch mal einem breiteren Publikum vorzustellen. Seitdem haben verschiedene große Firmen auch im Südwesten Deutschlands die Idee weiter ausgearbeitet. Hier ein Überblick über die besucherreichsten Museen im Südwesten, die mit großen Firmen verbunden sind.
Das Mercedes-Benz-Museum
Geschwungene und dunkle Fensterpartien, eine zerschnittene Fassade und silbergraue Aufzüge. Der niederländische Architekt Ben van Berkel hat in den Nullerjahren wohl ein modernes Wahrzeichen für Stuttgart geschaffen, das so stadtbildprägend ist wie der Fernsehturm oder das Stadion. Nach dem Jahr der Eröffnung 2006 hat das für 150 Millionen Euro gebaute Gebäude für eine Architektursensation in Deutschland gesorgt. 2007 kam der Deutsche Architekturpreis dazu. Ende Juli diesen Jahres kam der zwölfmillionste Besucher in das Museum – allein im Jahr 2022 waren es 626 773 Besucher.
Das Museum widmet sich vor allem der Mobilitätsgeschichte seit 1886 und zeigt mit seiner Ausstellung die Entwicklung der Marke Mercedes-Benz. Der Fokus liegt auf Carl Benz, dem Erfinder des Automobils, und Gottlieb Daimler – beide haben das Unternehmen gegründet. Darüber hinaus gibt es regelmäßig Sonderausstellungen zu verschiedenen Themen, aktuell beispielsweise zum „mobilen Menschen“.
Porsche Museum
Der Erfolg des Mercedes-Benz-Museums war in der Landeshauptstadt ansteckend. Auch die Automarke Porsche in Zuffenhausen hatte 2006 mit der Planung eines eigenen Firmenmuseum begonnen und dieses 2009 eröffnet. Das Wiener Architekturbüro Delugan Meissl hat versucht, beim Bau auf optische Illusionen zu setzen. Der eigentliche Ausstellungsbereich besteht aus einer Stahlkonstruktion, die auf nur drei Betonkernen ruht und optisch zu schweben scheint. Auf der Verkehrsinsel vor dem Gebäude schießen 911er regelrecht in den Himmel.
So beschrieb das Architekturbüro ihre Kreation am Porscheplatz 1: „Ein dynamisch geformter monolithischer Körper, der losgelöst über dem Boden und dem Erdgeschoßniveau zu schweben scheint.“ Seit der Eröffnung im Jahr 2009 kamen mehr als 3,5 Millionen Besucher in das Museum. Die Besucherzahl im Jahr 2022 lag bei rund 350 000. Laut Unternehmen bestehe der Leitfaden für den Besucher aus der Produktgeschichte von Porsche. Dazu gibt es Einblicke in die Motorsportgeschichte. Mit wenig Show sollen vor allem die Sportwagen für sich sprechen.
Ritter Sport Waldenbuch
Es wäre sicherlich naheliegend gewesen, der Schokoladenmarke Ritter ein Museum im Stile Willy Wonkas mit sprudelnden Schokofontänen und ganzen Räumen und Ausstellungsstücken aus reiner Schokolade zu widmen. Aber nichts dergleichen. Dieses Museum ergründet am Standort Waldenbuch die Kunst jenseits der braunen Süßigkeit. Im selben Gebäude befindet sich zwar eine bunte Schokowelt mit Schokoshop, Schokoausstellung und Schokowerkstatt, das Museum Ritter bietet jedoch vor allem Ausstellungsräume für zeitgenössische Kunst der geometrischen Abstraktion.
Das Museum ist als Stiftung eigenständig und von der Schokoladenfabrik Ritter Sport zu unterscheiden. Beide Museen drehen sich laut einer Sprecherin also um das Format des Quadrats. Umgeben von Natur steht der Monolith des Museumsgebäudes mit seinen hellen Kalksteinplatten wie eine Festung. Seit der Eröffnung des Museums Ritter im Jahr 2005 haben rund 654 000 Besucher die Ausstellungen besucht – allein im Jahr 2022 kamen etwa 22 000.
Würth-Sammlungen in Schwäbisch Hall
„Würth: Ihr Spezialist für Handwerk und Industrie“ – Mit diesem Slogan wirbt der Künzelsauer Handelskonzern um seine Marke. Es ist wohl nicht gerade ein Werbespruch, der einen normalen Besucher in eine Museum einladen würde. Dennoch hat der Milliardär und Unternehmer Reinhold Würth jenseits seines Unternehmens mit mehreren Museen auf der Welt regelrechte Besucherattraktionen geschaffen, die sich insbesondere mit Kunst beschäftigen.
Die persönliche Kunstsammlung hat Würth parallel zu seiner erfolgreichen Unternehmertätigkeit in fast 60 Jahren aufgebaut. Das Ergebnis ist beeindruckend. „Die Sammlung Würth konnte an 15 Spielorten in Europa in 450 Ausstellungen und bei internationalen Gastspielen von Hongkong, Mexiko bis Palermo seit 1989 bis Ende 2022 über 10 Millionen Besucherinnen und Besucher begrüßen“, sagt C. Sylvia Weber, Direktorin der Sammlung Würth, auf Nachfrage. Fünf Museen befinden sich allein in Schwäbisch Hall und Künzelsau. Der Eintritt ist frei. Im Jahr 2022 sind in den Museen in Schwäbisch Hall und Künzelsau 215 000 Besucher gewesen.
Märklineum in Göppingen
Es hatte schon was Ironisches. Der Spielzeughersteller Märklin ist bekannt für seine Eisenbahnen und Schienenwelten in Miniformat. Die Entstehung des eigenen Museums, des Märklineums, wurde selbst auch zu einer Art Model-Version von Stuttgart 21. Nach der Planungsphase des Museums haben sich die Kosten in wenigen Jahren deutlich gesteigert, die Eröffnung hat sich verschoben und letztendlich wurde das Museum mitten im Coronajahr 2021 unter strengen Auflagen eröffnet. Doch das Museum war so heiß ersehnt worden, dass es sogar unfertig zu einer Attraktion für Besucher wurde. Neben einer Darstellung von Spielzeugen, die in den letzten fast 170 Jahren von Märklin hergestellt wurden, gibt es einen Bereich, der sich nur den Modellbahnen widmet. Regelmäßig finden in Göppingen zudem die Märklin-Tage statt, zu denen Besucher und Aussteller aus der ganzen Welt auch im Märklineum ankommen und sich über die kultigen Modelleisenbahnen austauschen. Das Museum ist also vor allem eine Erlebniswelt mit historischen Exkursionen.
Steiff in Giengen
Über 120 Jahre hat die Marke Steiff auf dem Buckel. Die Entstehungsgeschichte des legendären Plüsch-Bären mit dem Knopf im Ohr und dessen Erfinder, dem Tüftler Richard Steiff oder dem Bären-Beschützer Theodor Roosevelt – zu all dem findet man Ausstellungsstücke und Geschichten im Steiff-Museum in Giengen an der Brenz. Aber auch zum Gründungsmythos, um die Näherin Margarethe Steiff, über deren Lebensgeschichte Bücher verfasst und auch bereits ein Spielfilm gedreht wurden, finden Platz in dem Museum. Oder was die Firma mit Auto-Ventilen, Krawatten oder Daimler zu tun hat. Das und natürlich insgesamt 3000 der Kuscheltiere mit einer angebundenen Erlebniswelt dürfte gerade für Kinder einen Ausflug wert sein.
Diese Firmen-Museen gibt es auch im Südwesten
Es gibt noch einige andere Museen, die von Firmen gegründet wurden und zu Attraktionen in verschiedenen Städten Deutschlands geworden sind. Erwähnenswert ist sicher das Vitra Design Museum an der Schweizer Grenze. Entstanden ist die Idee daraus, dass der Inhaber des Schweizer Möbelproduzenten zunächst ein Gebäude für eine Stuhl- und Möbelsammlung schaffen wollte. Das Kunstmuseum Frieder Burda beschäftigt sich mit Werken der Klassischen Moderne und der Zeitgenössischen Kunst. Der Bauherr ist Erbe des bekannten Burda-Verlags. Architekt des ungewöhnlichen Gebäudes war Richard Meier. Das Kärcher-Museum in Winnenden widmet sich auf über 400 Quadratmeter einer Reise durch die Reinigungstechnik und die Geschichte des Unternehmens.