Ursprünglich sollte die Sanierung des Calwer Hesse-Museums 2,85 Millionen Euro kosten. Nun werden es 7,5 Millionen Euro. Aber: Die Preise sinken aktuell. Das könnte zwei Gründe haben.
Geht es um die Sanierung des Hermann-Hesse-Museums in Calw, mussten die städtischen Gremien schon einige schlechte Nachrichten verkraften.
Nachdem der Gemeinderat im Mai 2020 die Generalsanierung des Gebäudes beschlossen hatte, schienen die Kosten für das Vorhaben in den folgenden Jahren unaufhörlich zu steigen.
Schimmelbefall, Schädlinge, Asbest
Waren ursprünglich 2,85 Millionen Euro eingeplant gewesen – und ein Fertigstellungstermin im Jahr 2023 –, kalkulierte die Verwaltung im Frühjahr 2022 mit 4,55 Millionen. Und im Herbst desselben Jahres sogar mit 6,3 Millionen Euro.
Die Gründe: Nach und nach waren durch Gutachten und Untersuchungen immer weitere Mängel zu Tage getreten: Schimmelbefall, Schädlinge, Asbest im Boden. Immer mehr wurde klar, dass das ganze Haus entkernt und neu aufgebaut werden müsse.
Hinzu kamen steigende Bau- und Rohstoffpreise, Diskussionen mit dem Denkmalamt und Probleme bei den Vergaben der einzelnen Bauarbeiten.
Im November 2024 lag die Kostenschätzung schließlich bei rund 8,7 Millionen Euro. Der Gemeinderat entschied daraufhin, den geplanten Neubau eines Saals nicht weiterzuverfolgen, um Kosten zu sparen.
Zuletzt rechnete die Verwaltung mit einem Budget von 7,5 Millionen Euro. Und so, wie es aktuell läuft, scheint es dabei auch zu bleiben. Denn in jüngster Zeit begannen die Preise offenbar zu sinken.
Das wurde auch in der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses deutlich.
Rund 15 Prozent günstiger als ursprünglich gedacht
Insgesamt wurden dabei Arbeiten in fünf Bereichen in Auftrag gegeben: Sanitär-, Heizungs- und Elektroinstallation sowie Metallbau Fenster und Innenputz. Darüber hinaus ermächtigten die Räte Oberbürgermeister Florian Kling das Gewerk Trockenbau nach Prüfung der Angebote selbst zu vergeben, um den Zeitplan nicht zu gefährden.
Außer den Arbeiten im Bereich Innenputz (324.386,01 Euro waren einkalkuliert, 333.446,73 Euro wird es kosten) lag das jeweils wirtschaftlichste Angebot dabei unter der Kostenschätzung – teils sogar deutlich.
Gut 1,6 Millionen Euro waren für diese Arbeiten insgesamt im Budget vorgesehen. Für weniger als 1,4 Millionen Euro wurden die Aufträge nun vergeben – rund 15 Prozent weniger als ursprünglich gedacht.
Darüber freute sich nicht zuletzt Udo Raisch (CDU). Ob das denn daran liege, dass die Auftragsbücher der Handwerker nicht mehr so voll seien wie zuletzt?
Wieder deutlich mehr Angebote von Handwerkern
Volker Goedel, Leiter der Abteilung Hochbau, führte dazu aus, dass die Berechnungen für das Budget einige Jahre alt und die Planungen zwischenzeitlich viel genauer geworden seien. Aufgrund des spürbaren Kostendrucks seien letztere auch optimiert worden.
Doch auch Goedel sah einen möglichen Zusammenhang mit der schwächelnden Konjunktur im Baubereich. Auffällig sei etwa, dass mittlerweile wieder deutlich mehr Angebote von Handwerkern eingereicht würden als es lange Zeit üblich war. Teilweise waren in den vergangenen Jahren wenige bis gar keine Angebote eingereicht worden.
Laut aktuellem Kostenbericht liegt das Projekt unter Berücksichtigung der neuesten Vergaben noch innerhalb des Gesamtbudgets von rund 7,5 Millionen Euro – obwohl die Zimmerarbeiten aufgrund der schlechten Bausubstanz im Bestand teurer und zusätzliche Arbeiten bei den Innenputz- und Trockenbauarbeiten nötig geworden waren.
Am 3. Juli 2027 soll das Hesse-Museum wieder eröffnet werden. „In der Planung und im Bauablauf wird weiterhin alles unternommen, um den Termin einhalten zu können“, heißt es in den Unterlagen.
Das ist nicht zuletzt deshalb wichtig, weil am 2. Juli 2027 Hermann Hesses 150. Geburtstag wäre – und 2027 somit ein Hesse-Festjahr wird.