Sind froh, dass durch den Protest kein Standortübungsplatz der Bundeswehr im Weißwald hinter Überauchen entsteht (von links): Heike Stöckmeyer, Christina Suppanz, Helmut Lohrer, Ferdinand Ritzmann und Helmut Gerlach. Foto: Zieglwalner Foto: Schwarzwälder Bote

Initiative zieht Bilanz des Widerstands gegen den Standortübungsplatz für das Donaueschinger Jägerbataillon 292 zwischen Tannheim und Brigachtal.

Brigachtal - "Engagement lohnt sich, wir halten zusammen", das ist eine der Erfahrungen der Brigachtaler Bürger, die zusammen mit der Nachsorgeklinik Tannheim und dem regionalen Friedensbündnis VS gegen den Standortübungsplatz Weißwald/Ochsenberg der Bundeswehr mobil gemacht haben. Groß ist die Freude bei allen, dass das Projekt vom Tisch ist.

Nachdem der CDU-Bundestagsabgeordnete Thorsten Frei mitgeteilt hatte, die Bundeswehr verfolge die Pläne zur Ausweitung des Standortübungsplatzes für das Donaueschinger Jägerbataillon 292 im Weißwald und auf dem Ochsenberg nicht, zogen die Initiatoren des Protests am Donnerstag eine Bilanz. War doch die Nachricht aus Berlin der offiziellen Gründung einer Bürgerinitiative zuvorgekommen.

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Der Zusammenschluss vieler Bürger und zahlreiche einzelne Aktionen seien es, die zum Erfolg geführt hätten, sind sich die Anwohner Ferdinand Ritzmann und Helmut Gerlach aus Überauchen, die Brigachtaler Gemeinderätin Heike Stöckmeyer, Christina Suppanz aus Wolterdingen und Helmut Lohrer vom Friedensbündnis sicher. Und sind stolz darauf, ein Zeichen gesetzt zu haben, dass sich der Einsatz lohnt. Denn es habe durchaus Stimmen in der Gemeinde gegeben, die nicht an einen Durchbruch geglaubt hätten. Allerdings sei auch die Zahl derer, die ihnen zur Seite gestanden seien, stetig angewachsen, ob sie Unterschriften gesammelt oder Plakate aufgehängt hätten. "Es war eine gute Arbeitsteilung", schildert Ritzmann. Eine wichtige Rolle habe das Friedensbündnis gespielt, das die verschiedenen Protestaktivitäten zu einer Initiative vereint habe, betont Gerlach.

Breiter Widerstand an vielen Fronten

Die Aussage von Frei, die Bundeswehr trage mit dem Verzicht auf den Standort den berechtigten Interessen der Anwohner Rechnung, zeige, dass die Gegner gute Argumente hatten, stellte Gerlach fest. Der Schutz von Schwachen und Kranken, die Lebensqualität, der Naturschutz und der Immobilienwert seien eben wichtige Werte. Und der breite Widerstand an vielen Fronten von der Gegenwehr von Rathäusern und Gemeinderäten über die Petition der Tannheimer Klinik bis zum vielfältigen Protest beim Besuch des Generalinspekteurs Eberhard Zorn habe wohl zu der schnellen Absage beigetragen, schätzt Gerlach.

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Mit welchem Tempo diese Pläne auf den Tisch kamen und nun wieder in der Schublade verschwinden, mutet Christina Suppanz seltsam an. Überhaupt fordert sie einen offenen und ehrlichen Umgang mit den Bürgern ein, der bei den Informationsveranstaltungen rund um das anvisierte Trainingsgelände nicht gegeben gewesen sei. Beispielsweise sei die Rede davon gewesen, weder in Tannheim noch in Überauchen sei etwas von den Schießübungen zu hören. Der Generalinspekteur habe jedoch bestätigt, dass bei einem Übungsgelände mit Lärmbelästigungen zu rechnen ist. Das passe keinesfalls zur Ausrichtung des Schwarzwalds als Tourismusregion.

Gelände für Bundeswehr steht weiter zur Debatte

Für Lohrer geht es um weit mehr als den Standort: Dass die Bundeswehr seit dem Ende des Kalten Krieges eines der ersten Projekte in Angriff nehmen wollte, um zusätzliches Terrain zu gewinnen, sei ein falsches Signal. Die Ausdehnung militärischer Stärke führe nicht in die richtige Richtung. Vielmehr gelte es, auf internationaler Ebene die Kommunikation und den Dialog auszubauen. Und in Zeiten des Klimanotstands seien ohnehin andere Wege der Konfliktlösung gefragt, da das Militär zu den größten Produzenten schädigender Abgase zähle. Einig sind sich Lohrer und seine Mitstreiter, dass das Kapitel Standortübungsplatz in der Region noch nicht abgeschlossen ist. Frei habe argumentiert, zu einem Kompromiss zähle auch, dem Jägerbataillon in der Zukunft alternative Übungsmöglich- keiten in der Nähe anzubieten.

Da könne auf andere Gemeinden in der Umgebung eine ähnliche Auseinandersetzung zukommen, erklärt Heike Stöckmeyer. Zumal sich der Kreistag in seiner Resolution nicht grundsätzlich gegen ein Militärübungsgelände ausgesprochen habe. Bürger anderer Kommunen im Kreis könnten sich der Hilfe der Initiative jedenfalls gewiss sein. "Wir sind da, und wir werden wieder da sein", gibt denn Gerlach die Devise aus und kündigt an, dass ihre Allianz weiter Bestand hat.

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