Der 1. Vorsitzende und Sportlicher Leiter des NK Hajduk VS steht vor dem neuen Vereinsheim seines Vereins. Foto: Concetto Longo

Migration, Integration und Fußball prägen Villingen-Schwenningen. Der NK Zagreb Villingen und NK Hajduk VS zeigen, wie kroatische Identität im Amateurfußball heute gelebt wird.

In den letzten Jahrzehnten kamen viele Gastarbeiter nach Deutschland – auch nach Villingen-Schwenningen. Mit ihnen kamen auch viele Kulturen in die Doppelstadt. Über die Jahre entstanden Communities oder Fußballvereine, in denen Menschen derselben Herkunft zusammenkommen. Heutzutage sind solche Vereine immer weniger vertreten. Mit dem NK Zagreb Villingen und dem NK Hajduk VS gibt es jedoch noch zwei Vereine, die kroatische Wurzeln tragen. Doch wie viel Kroatien steckt wirklich in diesen beiden Fußballteams? Wir haben bei beiden Vereinen nachgefragt.

 

NK Zagreb Villingen

Aktuell spielt der NK Zagreb Villingen in der Kreisliga B Staffel 1 und liegt auf dem letzten Tabellenplatz. „Sportlich wollen wir in der Rückrunde wieder angreifen“, sagt der NK Zagreb Trainer Petrit Buzhala. Geboren und aufgewachsen ist der Coach des Kreisligisten in Deutschland, hat jedoch Wurzeln im Kosovo. „Wie viele Kosovaren bin hier geboren und bin hier zur Schule gegangen. Dadurch sind wir alle mit derselben Denkweise aufgewachsen“, erklärt Buzhala.

Der 28-Jährige betont, wie gemischt sein Freundeskreis sei. „Die Zeiten, in denen sich die Menschen mit Migrationshintergrund von der deutschen Gesellschaft abgekapselt haben, sind vorbei. Bei meinen Eltern, die 1992 vom Kosovo nach Deutschland gekommen sind haben teilweise noch diese Mentalität“, so der Trainer über die vergangene Generation.

Doch warum coacht ein Kosovare eine Mannschaft mit kroatischem Vereinsnamen? „Eigentlich ist nur der Vorstand und der Sponsor kroatisch – es spielen nur drei Kroaten bei mir im Team“, sagt Buzhala mit einem Schmunzeln.

Doch früher ging es beim NK Zagreb Villingen anders zu. Laut Buzhala, der die Mannschaft im August 2025 übernommen hat, war der kroatische Anteil höher. „Als mein Vorgänger im Verein tätig war, gab es einen viel höheren Prozentteil an Kroaten. Dieser Anteil ist in den letzten Monaten deutlich gesunken.“ Die „ältere“ Generation kam mit dem Mix nicht wirklich klar, denn sie wollten unter sich bleiben, so Buzhala.

Unter anderem spielen Türken, Spanier, Albaner und auch Syrer beim Kreisligisten. „Die meisten sind hier geboren, alle haben eine ähnliche Mentalität. Es gibt keine Probleme untereinander“, ist der 28-jährige Coach froh über die gute Teamchemie. „Meine Mannschaft ist das Sinnbild der Gesellschaft: alles vermischt sich und keiner kapselt sich ab“, sagt Buzhala stolz.

NK Hajduk VS

Die zweite kroatische Mannschaft in der Doppelstadt ist der NK Hajduk VS. Geleitet wird das Team vom Vorstand und dem Sportlichen Leiter Martin Pesic. Der 47-jährige Kroate ist in Furtwangen geboren und hat dort gelebt, bis er 2004 in die Doppelstadt gezogen ist. „Ich arbeite in Furtwangen und habe auch einen gemischten Freundeskreis, da ist alles dabei“, erklärt Pesic.

Er betont, dass sich die Kroaten in Villingen-Schwenningen im Laufe der letzten Jahrzehnte immer mehr integriert haben. „In den 70er-Jahren kamen viele Kroaten nach Furtwangen, alle aus demselben Dorf. Nach und nach holten sie ihre Familienmitglieder oder Freunde nach Deutschland. So entstanden die kroatischen Communities, in denen man zunächst unter sich blieb“, so der Vorstand des Kreisligisten.

Heute läuft das anders: Pesic beobachtet die Entwicklung der Integration auch bei seinen Kindern. Der 16 und 17 Jahre alte Nachwuchs ist „multikulti“und diese Tendenz werde künftig immer stärker werden.

Anders als beim NK Zagreb Villingen steckt beim NK Hajduk VS mehr Kroatien in der Mannschaft. Dem 47-Jährigen zufolge, sind 90 Prozent des Teams kroatisch. Fünf Spieler stammen aus Bosnien-Herzegowina, hinzu kommen ein Kicker aus dem Kosovo, ein Halbitaliener sowie ein Grieche. Der übrige Kader besteht ausschließlich aus Kroaten. Die komplette Vorstandschaft ebenso wie das Trainerteam sind ebenfalls kroatisch besetzt.

Während beim Team von Petrit Buzhala auf dem Platz deutsch gesprochen wird, ist es beim NK Hajduk anders. „Wir reden kroatisch miteinander. Uns ist es wichtig, dass die kroatische Kultur beibehalten wird.“ Lachend fügt Pesic hinzu: „Die Bosnier verstehen unsere Sprache, für den Italiener dolmetschen wir auf und neben dem Platz.“

Beim NK Hajduk VS herrscht laut Pesic eine familiäre Atmosphäre. Man helfe sich auch untereinander, wie beispielsweise bei der Job oder einer Wohnungssuche.

„Zwar sind andere Nationalitäten willkommen, aber wir suchen eigentlich nur Kroaten oder Bosnier. Über die kroatische Community finden wir meistens unsere Spieler“, sagt der 47-Jährige.

Beim NK Hajduk steht pünktlich zum Start der Rückrunde im April eine bedeutende Neuerung bevor. Wie der Verein mitteilt, soll Ende Februar die Schlüsselübergabe für das neue Vereinsheim erfolgen. Im Anschluss daran wird es offiziell eröffnet – ein wichtiger Meilenstein für die weitere Entwicklung des Klubs.

Ein Schlüsselmoment für die Kroaten

Ein Tag, der die Migration der Kroaten verändert hat, ist der 1. Juli 2013 – Kroatien ist der Europäischen Union beigetreten. Seitdem haben sich die Verhältnisse im Balkanstaat verbessert und Pesic kennt viele jüngere Familien, die wieder in ihr Heimatland zurückgekehrt sind. „In den 90er und am Anfang 2000er Jahre kamen extrem viele Kroaten nach Villingen-Schwenningen. Nach dem EU-Beitritt 2013 sind weitere Kroaten nach Deutschland gekommen, da es mit der Arbeitserlaubnis einfacher geworden ist. Jedoch gibt es seit 2-3 Jahren den Trend, dass immer weniger von Kroatien nach Deutschland kommen “, erklärt der Vorstand – nicht ohne Bedauern.

Diese Entwicklung würde sich auch im Vereinsleben bemerkbar machen – „In zehn bis 15 Jahren wird es sehr viel weniger kroatisch sprechende Menschen geben. Die jüngeren Generationen wachsen eher deutschsprachig auf und legen das Kroatische immer mehr ab“, zeigt sich der zweifache Vater besorgt um die Zukunft.