Wenn der Kopf schmerzt: viele Frauen leiden an Migräne. Foto: dpa//Christin Klose

Migräne trifft Frauen viel häufiger als Männer – vor allem zwischen 18 und 65. Wie weit verbreitet und wo die anfallsartigen Kopfschmerzen besonders häufig sind, zeigen AOK-Daten.

Eine hämmernde Migräne ist weit mehr als normale Kopfschmerzen. Sie schränken die Betroffenen massiv ein. Und das sind vor allem Frauen. Eine von 25 erwachsenen Frauen zwischen 18 und 65 in Baden-Württemberg leidet daran. In diesem Text geht es um die Fakten zu Migräne im Südwesten, basierend auf Daten der AOK Baden-Württemberg. Diese werten wir für unser Projekt „Gesundheitsatlas BW“ aus.

 

Mehr als doppelt so häufig wie bei Männern wird Migräne bei Frauen diagnostiziert. Das zeigt die Tabelle mit der Verteilung der Diagnosen nach Altersgruppen und Geschlechtern:


Tatsächlich sind vermutlich noch mehr Menschen betroffen. Obwohl Migräne mit einer starken Beeinträchtigung der Lebensqualität einher gehen kann und häufig Arbeitsunfähigkeit bedingt, suchen nur ca. 40 Prozent der Betroffenen innerhalb eines Jahres ärztliche Hilfe", sagt Alexandra Isaksson, Fachärztin für Psychiatrie bei der AOK Baden-Württemberg. Wenn Migräneattacken länger als drei Monate häufig auftreten, nehmen laut Isaksson 60 Prozent der betroffenen Frauen und 80 Prozent der betroffenen Männer Hilfe in Anspruch. Es ist also davon auszugehen, dass das Krankheitsbild unterdiagnostiziert wird und in vielen Fällen auch nicht adäquat therapiert wird", so die Fachärztin. Dabei gebe es gute Therapiemöglichkeiten, sowohl mit als auch ohne Einsatz von Medikamenten.

Trotz der Dunkelziffer ist der Anteil der Menschen mit Migränediagnose in Baden-Württemberg seit 2012 deutlich angestiegen – von 3,8 auf 4,7 Prozent. Der Anstieg fiel bei allen Altersgruppen ungefähr gleich stark aus. Interessant sind die altersbedingten Begleitumstände von Migräne. Typischerweise beginnt eine Migräne zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr. Hormonelle Veränderungen wie eine Schwangerschaft oder die Wechseljahre lindern die Symptome bei Frauen häufig. Vielfach ist laut Alexandra Isaksson die genetische Veranlagung entscheidend. Doch auch ausgelassene Mahlzeiten, Blutzuckerschwankungen oder Stress können Migräneattacken auslösen.

Migräne in Baden-Württemberg

Wie verteilen sich Migräne-Diagnosen in Baden-Württemberg und in der Region Stuttgart? Das zeigen die folgenden Karten. Zunächst visualisieren wir die Verteilung über alle Altersgruppen hinweg. Dunkelblau eingefärbte Stadt- und Landkreise liegen über dem Landesschnitt, hellblau eingefärbte darunter.

Über dem Schnitt liegen vor allem Kreise im Norden des Bundeslands, dazu Freiburg und der Schwarzwald-Baar-Kreis. Der Kreis Waldshut liegt deutlich darunter. Klicken Sie auf einen Landkreis für den exakten Wert:

Am häufigsten sind Frauen zwischen 45 und 65 Jahren von Migräne betroffen. In dieser Altersgruppe ist der Nordosten des Bundeslands auffällig, hier wird in dieser Altersgruppe bei jede Achten Migräne diagnostiziert. Ausreißer nach unten gibt es quasi keine.

Die folgende Karte zeigt nach Geschlechtern getrennt, wie sich der Anteil der Diagnosen bei älteren Erwachsenen in den Stadt- und Landkreisen verteilt. Ein Klick auf den Kreis zeigt Ihnen auch hier den exakten Wert an:

Migräne in der Region Stuttgart

In der Karte der Region Stuttgart gibt es einzelne Inseln, wo besonders viele Menschen an Migräne leiden, zum Beispiel rund um Waiblingen und Backnang. Wie auch in der Karte des ganzen Bundeslands gibt es keine wirklichen Ausreißer nach unten.

Auf der Karte liegt der Anteil in den dunkler eingefärbten Gemeinden über dem Landesschnitt. Sulzbach an der Murr (Rems-Murr-Kreis) hat mit 10,1 Prozent den mit Abstand höchsten Anteil in der Region, am niedrigsten ist er im nahen Kaisersbach (ebenfalls Rems-Murr-Kreis) mit 3,1 Prozent.

Klicken Sie in der Karte auf die Gemeinde, die Sie interessiert, um den Anteil der Bewohner mit Diagnose Migräne zu sehen:

Die Daten in diesem Beitrag stammen von der AOK Baden-Württemberg. Sie ist mit rund 4,6 Millionen Versicherten die größte Krankenkasse in Baden-Württemberg. Für zwölf ausgewählte Krankheiten stellt uns die AOK aggregierte Diagnosedaten ihrer Versicherten zur Verfügung.

Bis hinunter auf Postleitzahlebene kann man damit sehen, wie verbreitet die Krankheiten sind – aufgeschlüsselt nach Altersgruppen, von Kindern bis zu Hochbetagten. Die Verteilung der Diagnosen unter ihren Versicherten entspricht in etwa der Verteilung unter allen Einwohnerinnen und Einwohnern.

Zu unserem Projekt „Gesundheitsatlas“ gelangen Sie über diesen Link.

Zum Datenprojekt „Gesundheitsatlas“

Daten
Wie alle Krankenkassen erhält die AOK zu Abrechnungszwecken von Ärzten und Krankenhäusern Daten zu Diagnosen und der Therapie ihrer Versicherten. Diese Daten aggregiert sie nach Wohnort, Geschlecht und Alter der Patienten. Damit kann die AOK errechnen, wie hoch unter ihren Versicherten der Anteil einzelner Krankheiten in bestimmten Altersgruppen oder Postleitzahlbereichen ist.

Repräsentativ
Die Zusammensetzung der AOK-Versicherten entspricht bei Geschlecht und Altersgruppe in etwa der Gesamtbevölkerung in Baden-Württemberg. Bei Unter-45-Jährigen liegt der Anteil höchstens fünf Prozent über dem der Gesamtbevölkerung, bei Älteren höchsten 15 Prozent darunter. Lässt man Einkommensunterschiede außen vor, sind die Daten zur Verteilung einzelner Krankheiten unter AOK-Versicherten also annähernd repräsentativ für Baden-Württemberg.