In der „Insel“ am Waldach-Ufer sind die Umzugsarbeiten im vollen Gange. Nach fünf Jahren schließt das beliebte Lokal und zieht mit neuem Namen in die Alte Post um.
Tische und Stühle sind bereits weitestgehend ausgeräumt, der Umzug in der „Insel“ ist deutlich zu sehen. Fünf Jahre nach ihrer Eröffnung bricht sie zu neuen Ufern auf: In die Alte Post, im Herzen der Stadt. Leider wurde der Fünf-Jahres-Vertrag des Lokals nicht mehr verlängert. Doch mit zahlreichen Fürsprechern, darunter Oberbürgermeister Jürgen Großmann, findet Betreiberin Tanja Köhler mit ihrem beliebten Konzept nun ein neues Zuhause.
„Ich wollte etwas schaffen für Jung und Alt“, erklärt die gelernte Konditorin. Das habe sie geschafft. Senioren und Studenten haben sich bei ihr die Tische geteilt, Bekanntschaften wurden geschmiedet, Handynummern ausgetauscht. So sei eine richtige „kleine Inselfamilie“ entstanden.
Erfolgsgeschichte konnte auch Corona nicht verhindern
Dabei stand die „Insel“ anfangs unter keinem guten Stern: Keine zwei Monate nach der Eröffnung musste sie coronabedingt schließen. Das war eine unsichere Zeit, erinnert sich Köhler. Zwischen Auflagen, fehlenden Einnahmen und der Frage: „Wird es jemals wieder so, wie es war?“ startete die Insel ihren Betrieb. Nach Corona ging es dann aber recht schnell aufwärts, mittlerweile hat sich die Bar an der Waldach zu einem Hotspot in Nagold entwickelt. „Ich denke, die Gäste merken es, wenn etwas mit Liebe gemacht wird“, resümiert Köhler.
„Jetzt werde ich schon etwas wehmütig“, meint sie aber auch mit Blick auf die weitestgehend leeren Räume. Im Lokal steckt viel Arbeit, viele Erinnerungen. Eine Anekdote: Am Abend schloss der Betrieb ganz normal – am nächsten Tag standen drei leere Bierflaschen auf der Theke mit einem Zettel des Gastes: Er wurde auf der Toilette vergessen und hatte sich noch eben an den Getränken bedient, bevor er die „Insel“ verließ. Zum Glück lässt sich von innen alles öffnen.
Die Abschiedsfeier ist am kommenden Samstag. Doch schon im Frühjahr öffnet sie wieder ihre Pforten. In der Alten Post laufen bereits die Umbauten.
„Es wird eine Trinkhalle“, erzählt Köhler von den Plänen. Im oberen Stock, unter anderem in der Napoleonstube, kann wesentlich mehr Fläche bespielt werden, auch bedarfsweise. Bevor es in die Napoleonstube geht, soll im vorderen Bereich die Trinkhalle mit Stehbier und Bar eingerichtet werden.
Unten bleibt das derzeite Restaurant bestehen, oben bietet Köhlers neue Bar dann zusätzlich vor allem Getränke an, ein eigener Eingang führt von der Bahnhofsstraße nach oben. Das Weinangebot soll ausgebaut werden, Köhler möchte etwa Winzer einladen, um Verkostungen zu organisieren. Für den kleinen Hunger gibt es auch in den neuen Räumen kleine Happen. Im Sommer wird außerdem die Terrasse zur Bahnhofsstraße hin geöffnet sein, kündigt sie an.
Familie und Team sind Rückhalt für Köhler
Tatkräftig unterstützt wird sie von ihren Kindern und vor allem ihrem Freund Christoph Hofer. Der hat ihr nicht nur in den fünf Jahren den Rücken gestärkt, sondern steigt nun auch mit ein. Darüber hinaus: „Ich habe ein ganz, ganz tolles Team!“ Das bleibt ihr auch in den neuen Räumen weitestgehend erhalten. Ebenfalls erhalten bleiben soll das lockere und unkomplizierte Ambiente, bei dem sich „jeder zu jedem setzen kann.“
Welchen Namen die Insel in der Post tragen wird, steht noch nicht fest. Köhler wünscht sich einen traditionellen Namen, der auch der Geschichte des Gebäudes gerecht wird. Das alte Gebäude mit den historischen Räumen biete auch einiges an Potenzial. Eine Verbindung von alt und modern – „ich glaube, das gibt einen schönen Charme“, meint Köhler. „Ich freue mich darauf.“ Bis es soweit ist, ist noch einiges zu tun. Aber auch ein größerer Urlaub ist in der Zwischenzeit geplant.