Welche Miete ist für welche Wohnung angemessen? Ein schwieriges Thema, das jetzt auch am Rottweiler Ratstisch für Diskussionen sorgte. Dabei ging es nicht nur um den neuen Mietspiegel.
Das Thema ist umfassend: Es gibt Investoren, die Wohnungen bauen wollen, aber logischerweise nur, wenn es sich auch lohnt. Und es gibt viele Menschen, die sich eine Neubauwohnung nun einmal nicht leisten können. Erschwinglicher Wohnraum wird auch in Rottweil dringend benötigt.
Angesichts steigender Baukosten hat allerdings auch die Stadt schon Projekte zur Schaffung von sozialgebundenen Mietwohnungsraum schieben müssen. Um das Ganze für Investoren dennoch interessant zu machen, bieten Bund und Land Fördermittel. Im Gegenzug besteht die Verpflichtung, die Miete bis zu 40 Jahre deutlich – je nach Förderung zwischen 20 und 40 Prozent – unterhalb der „ortsüblichen Vergleichsmiete“ zu halten, wie Oberbürgermeister Christian Ruf und Erik Fiss vom Eigenbetrieb Stadtbau in der Sitzung des Kultur-, Sozial- und Verwaltungsausschusses am Mittwoch informierten.
Investoren haben Interesse
In Rottweil, so Ruf, haben verschiedene Investoren Interesse an diesem Programm. Doch was ist hier als ortsübliche Vergleichsmiete für eine Neubauwohnung anzusetzen? Das zu ermitteln, so Ruf, sei gar nicht so einfach gewesen. Man habe deshalb über verschiedene aktuelle Mietverträge, die anonymisiert von Vermietern zur Verfügung gestellt wurden, eine rechnerische Vergleich-Nettokaltmiete für Erstbezug im Geschosswohnungsbau ermittelt. Und die liegt demnach bei 13,40 Euro pro Quadratmeter.
Nach diesem Wert berechnet sich dann wiederum die Förderung und auch die reduzierte Miete, die dann für die sozial gebundenen Wohnungen verlangt werden kann. So weit so gut.
Für Irritation sorgte in diesem Zusammenhang nun aber die Fortschreibung der Mietwerttabelle, die es an diesem Abend in einem weiteren Tagesordnungspunkt zur Kenntnis zu nehmen galt. Auf diese Tabelle, das betonte der OB im Zuge der Debatte, hat die Stadt keinen Einfluss. Sie wird vom Haus- und Grundstückseigentümerverein und dem Mieterverein Rottweil und Umgebung fortgeschrieben.
Die Mieten steigen
Auf folgende Änderungen haben sich die Vereine verständigt:
Wohnungen in den Baualtersklassen bis 1948 und 1949–1960 wurden zur neuen Baualtersklasse bis 1960 zusammengefasst, die Quadratmeterpreise wurden hier um 25 Cent (bei bisheriger Baualtersklasse 1948–1960) und 70 bis 95 Prozent (bei bisheriger Baualtersklasse bis 1948) erhöht.
In den fünf Baualtersklassen zwischen 1961 und 2010 wurden die Quadratmeterpreise um 25 bis 40 Cent angehoben. In der Baualtersklasse 2011 bis 2000 liegt die Erhöhung bei 50 Cent pro Quadratmeter, bei der Baualtersklasse ab 2021 bei 70 Cent. Der Tabellenwert für eine Wohnung ab Baujahr 2021 in guter Wohnlage beträgt somit jetzt 9,80 Euro pro Quadratmeter (vorher 9,70).
Diskrepanz bei den Zahlen
Und hier liegt der Knackpunkt für viele Stadträte: Dass eine Wohnung von 2021 im Mietspiegel bei 9,80 Euro pro Quadratmeter liegt, eine nur vier Jahre jüngere Neubauwohnung aber für die Förderung von Bund und Land mit 13,40 Euro angesetzt wird – diese Diskrepanz sei nur schwerlich nachzuvollziehen, wie Ingeborg Gekle-Maier (Grüne) anmerkte. „Kein stimmiges Bild“ sieht da auch Monika Hugger (CDU). Ob dies womöglich mit den steigenden Baukosten zu erklären sei, fragte Elke Reichenbach (SPD+FFR) in Richtung Verwaltungsriege.
Keine Spekulationen
OB Ruf erklärte, er wolle hier keine Spekulationen anstellen. Die Berechnung der Vergleichsmieten für die Förderung hätten nun einmal diesen Wert ergeben – und andererseits sei die Mietwerttabelle nicht städtische Sache. Und Rasmus Reinhardt (CDU) betonte, man müsse sich trotz all dieser Werte und Tabellen bewusst sein, dass man die Mieten nicht beeinflussen könne.
Diskrepanz hin oder her – dass die Zahl der erschwinglichen Wohnungen steigen muss, darüber war man sich am Ratstisch einig. Die Mietwerttabelle wurde zur Kenntnis genommen, die für die Mietraumförderung berechnete Vergleichsmiete von 13,40 Euro bestätigt. Die Hoffnung ist, dass Investoren die Fördermittel nun rege nutzen.
Wie es mit dem geschobenen stadteigenen Sozialwohnungsprojekt auf der Spitalhöhe weitergeht und inwieweit man von der Förderung profitieren kann, darüber tüftle man gerade, verriet Erik Fiss. Dazu soll es in der Juni-Sitzung weitere Infos geben.