Etwa 2000 Menschen stehen allein in Schopfheim auf der Warteliste der Wohnbaugesellschaft. „Eine prekäre Situation“, macht Geschäftsführer Nostadt deutlich.
„Der Wohnungsmarkt wird zunehmend prekär“: Dieses Empfinden vieler Menschen im Landkreis Lörrach unterlegte Thomas Nostadt, Geschäftsführer der Städtischen Wohnbaugesellschaft Lörrach im Schopfheimer Gemeinderat mit Zahlen; Schopfheim ist gemeinsam mit der Stadt Lörrach und der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden Gesellschafter: 678 Haushalte mit etwa 2000 Menschen stehen allein auf der „Schopfheimer“ Warteliste, insgesamt sind dort etwa 2700 Haushalte gelistet.
Gegenüber dem Vorjahr ist das ein leichter Rückgang, der sich indes vor allem aus einer Bereinigung der Kartei erklärt. Das bedeutet: Die für Schopfheim weiterhin gemeldeten knapp 700 Haushalte sind sämtlich echte Interessenten, nicht etwa Karteileichen. Die meisten Interessenten der Wohnbau wohnen bereits in Lörrach, Schopfheim oder der Umgebung.
Wenige Mieterwechsel
Zugleich befindet sich die Mieterfluktuation – gerade wegen des angespannten Wohnungsmarkts – auf einem „historischen Tiefstand“, so Nostadt weiter: Bei knapp über 3000 Wohnungen im Besitz der Wohnbau an den beiden Standorten Schopfheim und Lörrach verzeichne man gerade einmal 200 Mieterwechsel im Jahr – und die stehen wiederum besagten 2700 Haushalten auf der Warteliste gegenüber.
Politische Sprengkraft
„Das ist ein dramatisches Missverhältnis“, machte Nostadt deutlich, und skizzierte einen Teufelskreis in Richtung Stagnation und „eingefrorenem Wohnungsmarkt“, der seine Kreise weit über die konkrete Wohnraumnot vor Ort bis weit in die Gesellschaft hinein zieht. „Die zunehmend angespannte Wohnungsmarktsituation stellt eine der zentralen Herausforderungen dar und birgt eine große politische Sprengkraft“, heißt es dazu im Geschäftsbericht für 2024.
Die Wohnbau versuche nach wie vor, nach besten Kräften, Notfälle und eine gute Durchmischung der Nachbarschaften zu berücksichten. „Wir kriegen das aber oft einfach nicht mehr hin“, bekannte der Geschäftsführer.
Weiterhin niedrige Mieten
Immerhin: Wer es in den Mieterpool der Wohnbau geschafft hat, profitiert von deren sozialer Ausrichtung: „Mehr als 90 Prozent unserer Wohnungen können von Menschen gemietet werden, die Grundsicherung oder Bürgergeld beziehen“, heißt es im Geschäftsbericht.
Die monatliche Durchschnittsmiete der Mietwohnungen beträgt 7,55 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Hinter dem Durchschnittswert verbergen sich Miethöhen grob zwischen 5,50 und 10,50 Euro, wobei Quadratmeterpreise zwischen 5,50 und 6,50 den größten Anteil ausmachen. Rund 61 Prozent der Wohnungen liegen unter 7,50 Euro je Quadratmeter. Umgerechnet auf die Wohnungsgröße ergibt sich: Bei etwa zwei Dritteln der Wohnung liegt die Monatsmiete unter 550 Euro.
Unterm Stichwort Wohnungsgröße verwies Nostadt denn auch auf eines der großen Probleme des deutschen Wohnungsmarkts: „Wir haben genügend, eigentlich sogar irre viel Wohnfläche. Das Problem ist die Verteilung.“ So liege die Wohnfläche pro Kopf in Deutschland bei 48 Quadratmetern – „das mehr als in der vermeintlich reichen Schweiz.“
Sanierung und Neubau
„An uns liegt es nicht“, hinterlegte Nostadt mit Blick darauf, dass es mit der stetig geforderten Schaffung von neuem Wohnraum nicht im nötigen Maße vorangeht. Im Blick hatte der Geschäftsführer bei dieser Aussage vor allem das aktuelle Mammutprojekt des Wohnbau – „dem größten Bauprojekt in der bald 70-jährigen Geschichte“: Die „Neue Mitte Nordstadt“ , wo 97 Millionen Euro investiert und etwa 250 Wohnungen geschaffen werden.
In Schopfheim laufen seit 2022 Modernisierung und Neubau von Mietwohnungen im Quartier Lusweg/Blauenstraße mit einem Gesamtvolumen von 6,2 Millionen Euro. Hier biege man langsam auf die Zielgerade ein, berichtete der Geschäftsführer. Der Schwerpunkt liegt auf der energetischen Sanierung der Häuser. Zudem werden durch den Ausbau von Dachgeschossen sechs neue Wohnungen geschaffen – „ein Mini-Neubauprogramm“, so Nostadt.
Wirtschaftliche Lage
Die Wohnbau als Wirtschaftsunternehmen sieht sich nach wie vor auf wirtschaftlich gesunden Füßen – trotz der schwierigen Rahmenbedingungen: „Irrsinnig gestiegene Baukosten, viel höhere Zinsen, bauliche Normen und Vorschriften wie der Teufel und ein Mangel an Bauland“, nannte Nostadt einige Stichworte.
Angesichts dieser Bedingungen sieht der Geschäftsführer aktuell die Möglichkeiten der Wohnbau in Sachen Schaffung von Mietwohnungen ausgeschöpft: „Unter diesen Voraussetzungen schaffen wir es einfach nicht, Mietraum zu vernünftigen Preisen zu schaffen. 16 oder 18 Euro Kaltmiete: „Das kriegen wir hin. Das ist aber nicht das, was von einer Wohnbaugesellschaft erwartet wird.“
„Den Laden im Griff“
Unter diesen Umständen sei durchaus denkbar, dass man irgendwann auf die Gesellschafter zukommen müsse, nachdem dies 30 Jahre lang nicht der Fall war, führte Nostadt weiter aus – und schreckte damit Stadtrat Sven Hendrik Wünsch (Freie Wähler) auf: Angesichts der derzeitigen Lage der Kommunen sehe er absolut keinen Spielraum für einen Beitrag an die Wohnbau. Nostadt beruhigte: „Wir haben unseren Laden im Griff und sind absolut nicht in der Gefahr, aus der Kurve zu fliegen.“ Aber: Wenn man in größerem Stil mit der Schaffung von Wohnraum fortfahren wolle, „wird es nicht ohne Beiträge der Gesellschafter gehen.“