Der Mieterbund Offenburg-Lahr fordert mehr Wohnungsbau in der Ortenau – unser Foto zeigt das Richtfest eines Neubaus in der Lahrer Ludwig-Frank-Straße. Auch beim großen Orts-Check war der Ruf nach bezahlbarem Wohnraum laut geworden. Foto: Baublies

Rainer Wünsch vom Mieterbund Offenburg-Lahr schlägt Alarm: Die Situation auf dem Wohnungsmarkt in der Ortenau verschärfe sich zunehmend. Vieles laufe derzeit schief. Er sieht vor allem auch Städte und Gemeinden in der Pflicht, für Abhilfe zu sorgen.

München, Stuttgart, Freiburg – lange galt vor allem der Wohnungsmarkt der Großstädte als schwierig. Das Problem der teuren Mieten und des knappen Wohnraums verlagere sich aber zunehmend auch hin zu kleineren Städten, wie in der Ortenau, betont Rainer Wünsch, Vorsitzender des Mieterbunds Offenburg-Lahr.

 

„Diese erfuhren, ähnlich wie die süddeutschen Großstädte, seit 2010 einen Mietanstieg von mehr als 50 Prozent.“ Die Mietpreise in der Ortenau stiegen auch deshalb deutlich an, weil das Angebot immer stärker der Nachfrage hinterherhinkt. Der wachsende Wohnungsmangel treibe die Wohnungskosten in die Höhe, so Wünsch.

Im ländlichen Raum seien die Bestandsmieten noch am günstigsten, wobei auch dort bei Neubauten Mieten zwischen elf und 13 Euro pro Quadratmeter verlangt werden, berichtet der Vorsitzende des Mieterbunds Offenburg-Lahr. Große Unterschiede zwischen Mieten auf dem Land und in den Städten könne der Mieterverein nicht feststellen.

3800 Ortenauer suchen aktuell eine Wohnung

„Aktuell suchen 3800 Menschen eine Wohnung in der Ortenau“, konstatiert der 79-Jährige. Menschen mit mittleren Einkommen fänden jedoch kaum noch bezahlbaren Wohnraum. Wenn überhaupt noch Wohnungen in der Ortenau angeboten werden, seien die Kosten durch die Rahmenbedingungen so hoch, dass sie einen Großteil des Einkommens auffressen. „Die Situation auf dem Wohnungsmarkt in der Ortenau verschärft sich zunehmend“, stellt der ehemalige Bundesbahnamtsrat fest, der dem Mieterverein bereits seit 20 Jahren vorsteht. Um den angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten, müsse auch in der Ortenau mehr gebaut werden.

Rainer Wünsch steht dem Mieterbund Offenburg – später Offenburg-Lahr – seit zwanzig Jahren vor. Foto: Mieterbund/ULRICH MARX

Das wohnungspolitische Ziel der Bundesregierung, pro Jahr 400 000 Wohnungen – jede Vierte davon als Sozialwohnung – zu bauen, hält Wünsch für „sehr unrealistisch“. Wenn man das bundesweite Ziel auf den Ortenaukreis mit seinen rund 430 000 Einwohnern – davon leben 186 000 in den großen Kreisstädten – herunterbreche, müssten jährlich 2100 Wohnungen entstehen.

„Von diesem Ziel ist man hier in der Ortenau sehr weit entfernt“, konstatiert der Mietexperte. Rund 1620 Wohnungen wurden laut der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) im vergangenen Jahr im Ortenaukreis neu gebaut – darunter 663 in Ein- und Zweifamilienhäusern. Insgesamt 426 Wohnungen mehr als im Vorjahr. Die IG Bau beruft sich dabei auf Zahlen des statistischen Bundesamts.

Qualifizierte Mietspiegel sollen Sicherheit bringen

Laut Wünsch hinkt das Wohnungsangebot der wirtschaftlichen Entwicklung hinterher. „In der Ortenau haben wir einen überdurchschnittlichen Anstieg der Wohnungsnachfrage – plus 5,7 Prozent – sowie eine überdurchschnittliche Beschäftigungsentwicklung von 9,9 Prozent“, so der 79-Jährige. Unter anderem seien die Städte und Gemeinden mitschuldig an der Entwicklung: „Um das Wirtschaftswachstum haben sich die Kommunen und Bürgermeister immer bemüht, nicht aber um den dafür notwendigen bezahlbaren Wohnraum“, kritisiert Wünsch.

Drum sieht er auch die Kommunen in der Pflicht. Zur Festlegung der ortsüblichen Vergleichsmiete sei der qualifizierte Mietspiegel das beste und zuverlässigste Instrument, betont Wünsch. „Er gibt Rechtssicherheit, und dadurch soll auch die Akzeptanz bei Mietern und Vermietern gestärkt werden.“ Offenburg habe seit 2020 einen qualifizierten Mietspiegel, was maßgeblich auch auf das jahrelange Bemühen des Mietervereins zurückgehe.

„Im Juni 2020 haben wir auch den Oberbürgermeister von Lahr aufgefordert, für die Stadt Lahr einen qualifizierten Mietspiegel zu erstellen. Antwort: Die Haltung zu einem Mietspiegel ist zurückhaltend“, berichtet Wünsch. Im Juli 2022 sei das neue Mietspiegelrecht in Kraft getreten. Gemeinden ab 50 000 Einwohnern müssen seither einen qualifizierten Mietspiegel erstellen. „Städte nehmen die Erstellung eines Mietspiegels oft nicht so gerne in Angriff, weil das Kosten verursacht“, weiß Wünsch. Die Stadt Offenburg gebe die Kosten mit 80 000 Euro an.

Wunsch nach Wohnraum

Auch den Ortenauern brennt das Thema Wohnen offenbar unter den Nägeln: Viele Teilnehmer des Orts-Checks unserer Redaktion wünschen sich mehr und vor allem bezahlbare Wohnungen. Der Immobilienmarkt schnitt bei der großen Umfrage insgesamt als schlechteste der 14 Kategorien ab. Die Teilnehmer machten fleißig Gebraucht der Kommentarfunktion: „Mehr bezahlbarer Wohnraum“ war dabei die häufigste Forderung.