Wie teuer wohnt man im Schwarzwald-Baar-Kreis? Eine Frage, die sich in wirtschaftlich schwieriger Zeit zunehmend stellt und deren Beantwortung schwer fällt.
Der Ruf nach „bezahlbarem“ Wohnraum ist gerade jetzt, vor der Bundestagswahl, unüberhörbar. Das Gefühl, das Leben würde immer teurer, teilen viele Bürger auch in der Region.
Und in der Tat spricht nicht nur die Inflationsrate, die 2024 bei plus 2,2 Prozent lag, Bände. So verweist das Statistische Bundesamt beispielsweise auf steigende Mieten in Deutschland – der Index, der Auskunft über die Entwicklung von Wohnungsmieten gibt, lag im November beispielsweise bei 108,2 Punkten.
Sind die Mieten im Schwarzwald-Baar-Kreis noch bezahlbar? Wie entwickeln sich die Kosten?
Orientierung fällt schwer
Klar ist: Eine Orientierung fällt schwer. Der tiefere Blick in Immobilienportale zeigt aber in der Tat, dass die Mieten im Schwarzwald-Baar-Kreis steigen – auch wenn sie, da scheinen sich die verschiedenen Portale einig zu sein, im Durchschnitt offenbar noch unter dem deutschlandweiten oder baden-württembergischen Durchschnitt liegen.
Einen Überblick über die Mietpreise vor Ort gibt üblicherweise ein Mietspiegel – doch nicht für alle Städte und Gemeinden liegt ein solcher auch vor. Pflicht ist die Erstellung von Mietspiegeln seit dem 1. Juli 2022 hierzulande nämlich lediglich für Gemeinden mit mehr als 50 000 Einwohnern – diese Größe allerdings erreicht in diesem Landkreis nur das Oberzentrum Villingen-Schwenningen.
Dort wurde im offiziellen Mietspiegel der Gemeinde der Quadratmeterpreis zuletzt im Dezember 2024 ermittelt und mit 8,17 Euro je Quadratmeter angegeben – ein kompliziertes Berechnungsverfahren liegt den angegebenen Werten zugrunde – auf Basis einer Stichprobenbefragung werde der Mietspiegel erstellt, so die Information der Stadtverwaltung. Mieter und Vermieter soll ein solcher Mietspiegel vor Wucherpreisen schützen. Gleichzeitig soll er einen Eindruck von der Wohnsituation vor Ort geben und Orientierung geben – doch gerade die fällt schwer, denn der Mietspiegel einer Verwaltung ist längst nicht der einzige Anhaltspunkt, der Interessierten gegeben wird.
Portale rechnen vor
Um Mietern und Vermietern Orientierung zu geben, erstellen parallel viele Immobilienportale auf Basis von Inseraten Mietpreisspiegel für einen Ort oder eine ganze Region.
Ein solches Vorgehen liegt beispielsweise auch der Internetseite mietpreise.info zugrunde. Aktuell liegt in deren Auflistung der durchschnittliche Mietpreis im Schwarzwald-Baar-Kreis bei 10,85 Euro je Quadratmeter. Am günstigsten, so die Erhebung, sei der Mietpreis in Vöhrenbach mit 6,97 Euro je Quadratmeter, am teuersten, so die Aussage von mietpreise.info, sei die Miete in Brigachtal mit 13,27 Euro je Quadratmeter. Errechnet worden ist diese Statistik der Kaltmiete laut Portal auf Basis von 438 Angeboten. Das Ranking pro Quadratmeter im Detail:
– Vöhrenbach: 6,97 Euro
– Schonach: 8,59 Euro
– Niedereschach: 9,24 Euro
– Blumberg: 9,34 Euro
– St. Georgen: 9,69 Euro
– Triberg: 9,89 Euro
– Hüfingen: 10,04 Euro
– Mönchweiler: 10,16 Euro
– Unterkirnach: 10,27 Euro
– Donaueschingen: 10,83
– Gütenbach: 11,30 Euro
– Bräunlingen: 11,31
– Furtwangen: 11,46
– Königsfeld: 11,54
– Tuningen: 11,83
– VS: 12,22
– Bad Dürrheim: 12,62
– Dauchingen: 12,62
– Schönwald: 12,62
– Brigachtal: 13,27
Je Gemeinde flossen unterschiedlich viele Wohnungsangebote in die Erhebung ein – so waren es für Villingen-Schwenningen zum Beispiel 152 Wohnungen, in Tuningen 59 oder in Dauchingen nur sieben. Ein Trend ist erkennbar, und auch die mutmaßlichen Kosten, mit welchen Bürger für eine Mietwohnung in der Region womöglich rechnen müssen: Demnach werden im Schwarzwald-Baar-Kreis für eine 70-Quadratmeter-Wohnung im Mittel 759,50 Euro Miete pro Monat verlangt.
Viele Seiten, viele Preise
Andere Portale, andere Preise – „den“ einen für die Region mustergültigen Mietpreis gibt es schlichtweg nicht. Die von mietpreise.info angegebenen Werte entsprechen zwar ungefähr dem Niveau, das auch das Portal ohne-makler.net nennt. Hier geht man für den Schwarzwald-Baar-Kreis von einem ortsüblichen Mietpreis von 10,06 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2024 aus, nach einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 9,52 Euro im Jahr 2023. Auch hier wird Vöhrenbach als günstigster Ort für das Mieten einer Wohnung genannt – anders als bei mietpreise.info wird hier jedoch Dauchingen als teuerstes Pflaster ausgemacht mit einem Quadratmeter-Mietpreis von 10,64 Euro.
Die Seite mietspiegeltabelle.de hingegen geht von 9,57 Euro durchschnittlicher Miete pro Quadratmeter im Landkreis aus – Neubauten würden hier nicht in die Preisermittlung einbezogen, die Berechnungen basierten, so das Unternehmen, auf den Daten der Value Marktdatenbank.
Doch wie zutreffend sind die angegebenen Werte überhaupt?
Der Test
Eine fundierte Grundlage, wie realistisch die von den Immobilienportalen angegebenen Mietpreise sind, gibt es nicht. Unsere Redaktion wählte deshalb willkürlich aus verschiedenen Immobilienportalen im Internet zehn Mietangebote für die Gesamtstadt Villingen-Schwenningen aus: Eine Drei-Zimmer-Neubauwohnung mit 82,12 Quadratmetern in VS-Villingen für 1180 Euro Kaltmiete (das entspricht 14,37 Euro je Quadratmeter), eine Vier-Zimmer-Wohnung in VS-Villingen mit 113,2 Quadratmetern für 1359 Euro Kaltmiete (12 Euro/Quadratmeter), eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit 80 Quadratmetern in Schwenningen für 700 Euro Kaltmiete (8,75 Euro/Quadratmeter), eine Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung in Schwenningen mit 98 Quadratmetern für 830 Euro (8,47 Euro), eine Drei-Zimmer-Wohnung in VS-Villingen mit 78 Quadratmetern für 620 Euro Kaltmiete (7,95 Euro), eine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung in VS-Schwenningen mit 67 Quadratmetern für 600 Euro (8,96), eine Drei-Zimmer-Wohnung in Pfaffenweiler mit 81 Quadratmetern für 720 Euro (8,89), eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Weigheim mit 53,9 Quadratmetern für 570 Euro Kaltmiete (10,58), eine Drei-Zimmer-Wohnung in Marbach mit 102,5 Quadratmetern für 1000 Euro Kaltmiete (9,76) sowie eine Drei-Zimmer-Wohnung in VS-Rietheim mit 90 Quadratmetern für 940 Euro Kaltmiete (10,44). Errechnet man den Durchschnitt dieser Quadratmeterpreise ergibt sich der Wert von rund zehn Euro.
Art der Berechnung
Der bei diesem oberflächlichen Schnelltest ermittelte Wert liegt also zwischen den 8,17 Euro Durchschnittsmiete, die die Stadt Villingen-Schwenningen in ihrem Mietspiegel errechnet hat, und den 12,22 Euro, die auf mietpreise.info für Villingen-Schwenningen angegeben werden. Die erhebliche Differenz zwischen den Angaben in den Internetportalen, die in der Regel rein auf der Berechnung der Miet-Angebote beruhen, und dem städtischen Mietspiegel in Villingen-Schwenningen liegt im Kern auch in einem anderen markanten Unterschied begründet: Beim „qualifizierten Mietspiegel“ der Stadt Villingen-Schwenningen wurden, anders als bei diesem Vorgehen, Aspekte wie Art, Größe, Ausstattung, Lage und Zustand der Wohnungen berücksichtigt – Werte, die in die Durchschnittspreisberechnungen der Internetportale in der Regel nicht einfließen.