Die Muppet-Figur Waffel bekommt von der früheren First Lady eine Kochmütze: Michelle Obama und die Protagonisten der Kinderserie „Waffel und Mochi“ Foto: Netflix/Adam Rose

In Michelle Obamas Netflix-Kinderserie „Waffel und Mochi“ geht es um gute Ernährung und um ein gedeihliches Miteinander.

Stuttgart - Der amerikanische Politikbetrieb hat, wie fast alles in den USA, eine gewisse Nähe zum Showbusiness. Die Charismatiker Barack und Michelle Obama, Ex-Präsident und Ex-First Lady, haben ihre acht Jahre im Weißen Haus von 2008 bis 2016 auch deshalb strahlend überstanden, weil sie etwas von intelligenter (Selbst-)Inszenierung verstehen.

 

Seit 2018 produzieren die Obamas mit ihrer Firma Higher Ground Filme und Serien, ermöglichen Dokumentarfilmern Werke wie „American Factory“ (2019, Oscar-prämiert) über chinesische Ausbeutung oder „Crip Camp“ (2021, Oscar-nominiert) über Bürgerrechtler mit Handicaps. Gerne treten sie auch selbst auf: Michelle in der Netflix-Biografie „Becoming“ und in ihrem Podcast auf Spotify, wo Barack sich in „Renegades: Born in the USA“ mit Bruce Springsteen über Leben und Werte in Amerika unterhält.

Michelle Obama als Gartenfee

Nun startet auf Netflix die Kinderserie „Waffel und Mochi“. In deren Zentrum stehen die pelzige Muppet-Figur Waffel und ihr Kugeltierchen Mochi. Unbeleckt kommen sie aus dem ewigen Eis in die Menschenwelt, wo sie alles über die Lust am guten Essen lernen – und über ein gedeihliches Miteinander.

Michelle Obama tritt als Gartenfee auf, die auf dem Dach ihres Supermarkts unter anderem Tomaten anbaut. Wo die im Supermarkt hingehören, ist ihr erster Forschungsauftrag für Waffel und Mochi. Gemüse oder Obst? Mit dem „Magicart“ fliegen die beiden in Augsburger-Puppenkiste-Manier zur TV-Köchin Samin Nosrat nach Oakland und nach Washington D. C. zum Starkoch José Andrés. Sie lernen Tomatengerichte kennen wie Pasta und Gazpacho, und beim ersten Bissen Pizza erlebt Waffel zu himmlischen Klängen und Illumination einen Moment göttlicher Offenbarung.

Es geht um die Magie gemeinsamer Mahlzeiten

Die menschlichen Darsteller fungieren als Erklärbären, aber nicht nur kulinarisch. Nosrat spricht über die Magie gemeinsamer Mahlzeiten, in der Pizzabäckerei arbeiten nur Gehörlose, also übt Waffel gleich die Gebärdensprache. Eine bunte, inklusive Gesellschaft präsentiert die Serie, in der alle selbstverständlich dazugehören und teilhaben – und seien es eine ahnungslose himmelblaue Puppe und ihr wie ein Baby brabbelndes Anhängsel („Mamimimo!“). Die gesamte Show ermuntert zum Selberkochen mit frischen Zutaten, und in vielen Sequenzen helfen Kinder mit. Die pädagogischen Ziele sind nicht subtil eingewoben wie in der „Sendung mit der Maus“, sondern offensiv ausgestellt – Michelle Obama weiß, wie man in 30 Sekunden erklärt, warum innere Werte wichtiger sind als Äußerlichkeiten.

Eine Tomate hat einen Musical-Auftritt

Um Salz, Kartoffeln, Kräuter und vieles mehr geht es in den weiteren Folgen, Waffel und Mochi treffen viele Stars und reisen in die Anden, nach Japan, auf den Mars. Großen Unterhaltungswert bieten Zeichentricksequenzen, in denen mal eine animierte Tomate auf großer Bühne im Musical-Stil „I’m a Fruit“ singt oder die Geschmacksknospen durchdrehen, als beim Cookie-Backen etwas schiefgeht.

Am Ende erfüllt sich jedes Mal ein amerikanischer Traum für Kinder: Michelle Obama lobt, bestätigt und belohnt. Alle, die fleißig sind, bekommen ihre Chance und können alles erreichen. So offensiv, plakativ und integrativ hat das lange niemand inszeniert.