Gemeindeteam-Sprecher Michael Oertlin (stehend mit Mikrofon) gab mit Pfarrer Gerd Möller und Pfarreirätin Susanne Bartelmus einen Einblick in die aktuelle Situation der katholischen Kirche vor Ort. Foto: Rolf Rombach

Beim Informationstreffen des Gemeindeteams zur neuen katholischen Kirchengemeinde Wiesental-Dreiländereck wurde am Sonntag der neue Status quo beleuchtet und viel erklärt.

Seit Jahresbeginn 2026 greift die 2019 durch Erzbischof Stephan Burger angestoßene Neuordnung der katholischen Kirche im Bistum Freiburg. Aus dem Dekanat Wiesental mit acht Seelsorgeeinheiten und 29 einzelnen Pfarreien wurde juristisch die katholische Kirchengemeinde Wiesental-Dreiländereck, im kirchlichen Recht nun Pfarrei St. Bonifatius Lörrach. Über den Aufbau informierte das Gemeindeteam St. Michael Grenzach am Sonntag nach einem Gottesdienst im evangelischen Gemeindehaus.

 

Für den pastoralen Dienst wurden in der neuen Pfarrei drei Regionen benannt. Die Region Hochrhein umfasst Grenzach-Wyhlen und Rheinfelden. Um das kirchliche Leben vor Ort zu stärken, können sich – falls noch nicht bereits bestehend – aus den bisherigen Pfarreien nun autarke Gemeindeteams bilden, die als Schnittstelle im kirchlichen Leben vor Ort und der Verwaltungseinheit dienen, die nahezu mit dem Landkreis Lörrach deckungsgleich ist. Nur noch zwei Pfarrer sind in die Verwaltungsstrukturen eingebunden, die weiteren Theologen sind gänzlich in der Seelsorge und im Kontakt mit den Gläubigen vorgesehen.

Autarke Gemeindeteams vor Ort

2022 zunächst als Arbeitskreis gestartet, wurde das Gemeindeteam St. Michael Grenzach 2024 offiziell durch den katholischen Pfarrgemeinderat Grenzach-Wyhlen eingesetzt. Die Ehrenamtlichen wurden vor allem mit der Sperrung der Kirche wegen Statikproblemen vor Herausforderungen gestellt, die sie kreativ angegangen sind. Ob Gebete auf dem Kirchplatz, Treffen in den Jugendräumen unter dem Kindergarten oder Veranstaltungen in den evangelischen Gebäuden Grenzachs – das katholische Leben erfährt nach der Corona-Delle dennoch Aufwind im Ortsteil.

Hauptamtliche Leitung und ehrenamtlicher Pfarreirat

Der stellvertretende Pfarrer der Kirchengemeinde, Gerd Möller, stellte die neue Struktur mit ihren Gremien vor. Das konzentrische Modell hat einen rechtlichen Rahmen um alles, das durch die fünfköpfige hauptamtliche Leitung sowie einen 23-köpfigen ehrenamtlichen Pfarreirat die strategischen Vorgaben entwickelt und kontrolliert. „Innerhalb dieses Rahmens herrscht Anarchie. Hier kann sich das Leben entwickeln“, verwies Möller auf die Vielfalt der Bedürfnisse, Talente und Aktivitäten der Gläubigen vor Ort. Worin Grenzach durch die Kirchensperrung noch gestärkt wurde ist der Austausch mit der evangelischen Gemeinde. Hier zeigten sich Möller und Gemeindeteam-Sprecher Michael Oertlin einig, dass man nicht mehr auf dieses ökumenische Duo verzichten möchte. „Wir sind noch enger zusammengewachsen“, betonte Oertlin. Ob Taizé-Gebet oder Seniorennachmittag – dies und weiteres findet inzwischen offiziell ökumenisch statt. „So etwas war vor 50 Jahren noch undenkbar“, erinnerte Gerd Möller. Dennoch hoffe man im Gemeindeteam, das eigene Kirchengebäude wieder nutzen zu können. Durch den Verkauf der beiden ehemaligen Pfarrhäuser sollen Mittel für die Dachbalkensanierung (Bedarf derzeit rund 140 000 Euro) gewonnen werden.

Das Dach von St. Michael ist dicht, aber die Balken müssen statisch verbessert werden, weshalb das Gotteshaus seit 17 Monaten geschlossen ist. Foto: Rolf Rombach

Pfarrer Möller dämpfte hier die Erwartungen, dass zunächst die Finanzen der neuen Pfarrei geklärt werden müssten. „Ohne Investitionen kommen wir 2026 auf eine Deckung der Ausgaben, 2027 droht uns schon jetzt ein sechsstelliges Defizit.“ Zwischen Ostern und den Sommerferien soll im Rahmen einer Gemeindeversammlung das Gemeindeteam in der neuen Struktur offiziell im Amt bestätigt werden. Vertreten werden die Grenzacher Gläubigen zudem durch Susanne Bartelmus im Pfarreirat, wo sie zudem dem Vorstand angehört.