Michael Leiters startet als Porsche-Chef mit Tempo und Härte. Er will das Unternehmen aufrütteln – doch sein Umgang mit Top-Kräften und ruppige Ansagen sorgen für Unruhe.
Der neue Porsche 911 trägt zwar nicht seinen Namen, aber jeder Besitzer dieser Ikone fährt ein Stück seines Werks spazieren: Michael Mauer, langjähriger Chefdesigner des Stuttgarter Sportwagenbauers, hat drei der insgesamt acht Generationen des Porsche 911 geprägt – und damit über lange Jahre das Erscheinungsbild der Marke entscheidend mitgeformt.
In wenigen Tagen endet Mauers Ära nach rund 20 Jahren – Knall auf Fall und gerade mal vier Wochen nach dem Amtsantritt des neuen Porsche-Chefs Michael Leiters. Mauer muss Platz machen für Tobias Sühlmann, der bereits seit 2023 als Chefdesigner unter Leiters gearbeitet hatte, damals noch bei McLaren.
„Ich kenne Michael Mauer seit vielen Jahren und schätze ihn als exzellenten Fachmann und außergewöhnliche Persönlichkeit“, lässt sich Leiters in einer Pressemitteilung zitieren. „Wir bedanken uns für seine herausragende Arbeit und wünschen ihm für die Zukunft das Beste.“
Trotz dieser warmen Worte halten nicht alle Führungskräfte Leiters’ Vorgehen bei seiner ersten großen Personalentscheidung für passend. Mit dem schnellen Aus für Mauer, der zum innersten Kreis der Vertrauten des Leiters-Vorgängers Olive Blume zählt, demonstriere der neue Porsche-Chef zwar Entschlusskraft und enorme Geschwindigkeit – beides sei angesichts der enormen Herausforderungen für Porsche auf allen wichtigen Absatzmärkten auch dringend nötig.
Wird an angesehenem Porsche-Manager ein Exempel statuiert?
Wenn aber ausgerechnet an einem allseits hoch angesehenen Leistungsträger ein Exempel für Leiters’ Entschlossenheit statuiert werde, wirkt das auf manche wenig souverän gegenüber dem Vorgänger Blume. Und auch stillos gegenüber Mauer, der wie kaum ein anderer zu den identitätsstiftenden Figuren des Unternehmens gehöre. „Es hätte nur noch gefehlt, dass er vom Werkschutz aus dem Haus geleitet wird“, sagt eine Porsche-Führungskraft.
Befremdlich wirkte auf einige Manager auch Leiters’ erster Auftritt bei der sogenannten Zieleklausur, bei der die Marken des Volkswagen-Konzerns jährlich im Januar ihre Planungen vorstellen. Leiters habe die Führungskräfte mit der Ankündigung begrüßt, man werde sich im kommenden Jahr nicht mehr in derselben Besetzung wiedersehen. Bis dahin werde ein Teil bereits seine Position verloren haben – so jedenfalls wurde die Botschaft aufgenommen.
Das bewusste Erzeugen von Angst um den Arbeitsplatz wurde nach Informationen unserer Zeitung von Teilen des Managements als konfrontativ und wenig zielführend wahrgenommen. Leiters versuche erkennbar, sich von Anfang an als „harter Hund“ zu positionieren, vor dem niemand sicher sein könne. Eine Ausrichtung auf gemeinsame neue Ziele lasse sich durch ein solches Gegeneinander aber kaum erzeugen, so Manager.
In Leiters’ Umfeld heißt es: Management muss aufgerüttelt werden
Im Umfeld von Leiters heißt es dagegen, seine Ansagen dienten dem Ziel, das Management aufzurütteln. Angesichts der extremen Herausforderungen – unter anderem Zölle in den USA, denen man nicht durch eine Fertigung vor Ort ausweichen kann, und extreme Konkurrenz im wichtigen chinesischen Markt – müsse sich die Führung selbst in Frage stellen; zudem sei es zwingend, dass das Unternehmen wesentlich schneller werde, um international bestehen zu können. Klar sei auch, dass sich der Personalabbau nicht auf die Beschäftigten unterhalb der Managementebenen beschränken werde, sondern auch die Führungskräfte betreffe.
Das Unternehmen selbst äußert sich nicht zu der Kritik an Leiters.
Blume wollte einen anderen Nachfolger als Porsche-Chef
Leiters wird als strategisch und analytisch denkender Manager beschrieben, der im persönlichen Umgang direkt auftritt und auch schneidig werden kann. Er war nicht der Wunsch-Nachfolger Blumes als Porsche-Chef, der im persönlichen Umgang eher interessiert und zugewandt auftritt und dessen Führungsstil als sportlich-ambitioniert beschrieben wird. Blumes Favorit war Stefan Weckbach, Chefstratege des Volkswagen-Konzerns und einer seiner wichtigsten Mitarbeiter in Wolfsburg.
Weckbach wurde bei Porsche jedoch innerhalb des vergangenen Jahres zweimal übergangen: zunächst beim Abgang von Finanz- und Vizechef Lutz Meschke im Februar, zum Jahresende erneut bei der Nachfolge Blumes als Porsche-Chef, die schließlich Leiters für sich entschied. Weckbach übernimmt nun dennoch eine Spitzenposition, allerdings bei der Konkurrenz: Ab Juli führt er Mercedes-AMG in Affalterbach.
Trotz aller Hakeleien werden Leiters und Blume auf ein funktionierendes Miteinander angewiesen sein. Denn als VW-Konzernchef nimmt Blume weiterhin maßgeblichen Einfluss auf die Strategie der 75-Prozent-Tochter Porsche AG. Zudem sitzen mit Arno Antlitz und Hauke Stars zwei Mitglieder des VW-Vorstands im Porsche-Aufsichtsrat – jenem Gremium, das die Amtsführung von Leiters kontrolliert.