Mit ihrem feinsinnigen Humor begeisterte die Kabarettistin Mia Pittroff das Publikum bei der letzten Veranstaltung der diesjährigen Frühjahresreihe von „Kultur im Museum“.
Nicht platt, sondern intelligent, hintergründig und fränkisch – das rollende „R“ inklusive – so präsentierte sich die in Franken geborene und in Berlin lebende Künstlerin Mia Pitroff mit ihrem aktuellen Bühnenprogramm „Ich geh schon mal nach hinten los“ bei der Veranstaltungsreihe „Kultur im Museum“ in Dornstetten.
Die Anzahl der Zuhörer, die Hanna Schneider vom Kulturamt an diesem Abend begrüßen konnte, war dennoch – vielleicht aufgrund des gleichzeitig stattfindenden Eröffnungskonzertes des Schwarzwaldmusikfestivals – überschaubar. Das war eigentlich schade. Die studierte Germanistin stellte nämlich sehr eindrucksvoll unter Beweis, dass kluge Comedy gar nicht laut und polternd sein muss, um anzukommen.
Mehr als genug Lacher
Lacher gab es an diesem Abend auch so mehr als genug. Mit viel mitunter auch schwarzem Humor sinnierte Pittroff auf Grundlage persönlicher Erfahrungen und scharfer Beobachtungen des Alltags beispielsweise über die unterschiedliche Mentalität der Franken und der Berliner, über die Anstrengungen der Elternschaft und die kleinen Tricks, sich davon zumindest ein Stück weit zu befreien.
Friedrich Merz hätte Pittroff am liebsten schon während seines Wahlkampfes einfach „weggegendert“ und die nach wie vor bestehende Benachteiligung der Frauen bei der Jobvergabe in der katholischen Kirche gehen ihr gegen den Strich. Sie reagiert auch darauf und gendert die männlichen Priester dort einfach penetrant „so lange, bis die katholische Kirche ihr Mittelalterraumschiff bei uns im Arbeitsmarkt der Gegenwart landet“.
Podcasts und Achtsamkeit aufs Korn genommen
Pittroff lässt die Zuhörer im Laufe des Abends auch an ihrem aktuellen „Podcast-Detoxen“ teilhaben. So meinte sie: „Podcasts sind Radiosendungen, die es nicht ins Radio geschafft haben“. Auch spannte sie dabei unterhaltsam den Bogen vom Achtsamkeitspodcast hin zu den Beschimpfungen, die man in Berlin aufgrund des ordnungsgemäßen Haltens als Fahrradfahrer an einer roten Ampel erlebt.
Die Mittvierzigerin sinniert auch kurzweilig über das Altern in früheren Zeiten und aktuell. „Heute wird man nicht mehr einfach so alt, das musst du wollen“, bilanziert sie mit Blick auf die Yoga praktizierende, Smoothie trinkende und Marathon laufende Seniorengeneration. Früher habe man einfach auf der Bank gesessen und gewartet, bis irgendwer vorbeikommt – im Zweifel der Briefträger oder halt gleich der Tod.
Witze über Waldkindergarten
Nach der Pause widmete sich Pittroff noch einmal unterhaltsam den vielen Facetten des Kinderkriegens und witzelt über Mütter, die ihre Kinder im SUV zum Waldkindergarten fahren, damit diese dort im Freien totes Ungeziefer nach Farben sortieren können. Der pädagogische Effekt des „immer raus, raus, raus“ erschließe sich ihr jedenfalls nicht. „Auf was sollen die Kinder da eigentlich vorbereitet werden, auf die Obdachlosigkeit?“
Ihr mit sehr schöner Stimme gesungenes „Lied über Jürgen“ und der als Zugabe gelesene Elternchat sorgten für einen sehr gelungenen Abschluss des kurzweiligen Abends.