„Noch ein Rädle Wurst?“ Mit dieser Frage an der Theke der Metzgerei Holwegler sind Generationen aufgewachsen. Nun ist die Seniorchefin des Traditionsbetriebs gestorben.
Sie war weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt: Elfriede Holwegler, Seniorchefin der Metzgerei Holwegler, ist am Montag, 1. Dezember, im Alter von 89 Jahren gestorben.
Das Geschäft und die Kundschaft waren ihr tägliche Arbeit und Hobby zugleich. Stand sie im Verkauf hinter der Ladentheke, dann hatte sie für jeden Kunden ein freundliches Wort übrig. Holwegler stammte aus Donaueschingen und wuchs mit vier Geschwistern auf. Sie war neun Jahre alt, als sie ihren Vater im Januar 1945 beim verheerenden Bombenangriff auf den Bahnhof verlor.
Nach der Volksschule folgte eine Ausbildung im Einzelhandel bei Krämer Hauser. Ihren Ehemann Max lernte sie 1956 kennen und lieben.
Drei Jahre später feierten sie Hochzeit. Aus der Ehe gingen die Kinder Max und Christine hervor. Gemeinsam mit den Eltern ihres Mannes, Karl und Marie Holwegler, wurde das Geschäft in der Käferstraße vorangebracht. Die Übernahme der Metzgerei mit ihrem Mann Max erfolgte im Januar 1966. Mit unermüdlichem Fleiß, einer geschickten Hand und der Liebe zum Beruf wurde das Metzgergeschäft stetig erweitert und mit einem liebevollen Ritual ergänzt. Generationen von Donaueschingern erinnern sich daran, dass sie schon als Kinder beim Einkaufen mit der Mama mit einem Rädle Wurst von Elfriede Holwegler beschenkt wurden.
Übergabe an den Sohn
Nach 25 Jahren erfolgreichem Geschäftsleben erfolgte am 1. Juli 1991 die Übergabe an den Sohn Max und dessen Ehefrau Martina Holwegler.
Auch in den folgenden knapp 30 Jahren war die Verstorbene eine Konstante im Geschäft und bediente mit Sachverstand und Charme täglich ihre Kundschaft. 2014 verstarb ihr Ehemann Max.
Mit dem Beginn der Corona-Pandemie trat Elfriede Holwegler nach 61 Jahren im Geschäft schweren Herzens in den Hintergrund. Trotzdem brachte sie sich weiterhin in allen möglichen Bereichen ein.
Glück der späten Lebensjahre
Das größte Glück fand sie stets in der Familie. Neben fünf Enkelkindern sah sie zwei Urenkel aufwachsen.
Nach einem längeren Aufenthalt im Krankenhaus war Elfriede Holwegler sehr geschwächt. So lebte sie ab November 2022 im Seniorenheim Sankt Michael. Nach und nach erholte sie sich durch die liebevolle Pflege und konnte mit einigen Einschränkungen trotzdem noch einen erfüllten Lebensabend genießen.
Die Beerdigung von Elfriede Holwegler findet am Mittwoch, 10. Dezember, um 14 Uhr auf dem Stadtfriedhof statt.