Immer wieder meisterten sie Krisen – hießen sie BSE oder Schweinepest. Jetzt schließen immer mehr Metzger. Trotzdem gibt sich die Branche in der Region selbstbewusst. Warum?
Die Metzger haben in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder mit Krisen zu tun gehabt: Zur Jahrtausendwende war da zum Beispiel die BSE-Krise, die das Vertrauen der Menschen in Fleisch und die Metzger in Mitleidenschaft zog. Dann wurde die Branche – wie so viele Handwerkssparten – ein Opfer des Trends zu akademischen Jobs.
Die landläufige Meinung, in dem Job mache man sich die Knochen kaputt, tat ihr Übriges. Der Fachkräftemangel traf die Metzgereien hart. Und die Konkurrenz durch Supermärkte und Discounter. Und dann wäre da noch der Trend zu vegetarischem oder veganem Leben.
Und Uwe Wiedmaier aus Glatten, Obermeister der Fleischer-Innung Calw-Freudenstadt, kennt da noch etwas, was seinen Berufskollegen in den vergangenen Jahren das Leben schwer gemacht habe: der Staat und seine Bürokratie. Alles mit dem Ergebnis, dass in den Kreisen Calw und Freudenstadt in den vergangenen 20 Jahren 50 Prozent der Betriebe weggebrochen sind.
Zahl der Innungsbetriebe deutlich gesunken
Deshalb machte man sich in den beiden Landkreisen und bei seinen Metzgern schon vor zehn Jahren die ersten Gedanken, einen Partner für eine Innungsfusion zu suchen. Trotz einigen Alternativen entschieden sich Calw und Freudenstadt füreinander, vor allem wegen der geografischen Nähe und der ähnlichen Struktur der Landkreise. Mehr als 40 Betriebe hatte die neue Innung bei ihrer Gründung 2023, inzwischen sind es nur noch 33, die auf der Homepage der Innung verzeichnet sind.
Obermeister Wiedmeier und sein Stellvertreter Herbert Reinhardt aus Nagold schauen trotz aller Krisenanzeichen zuversichtlich in die Zukunft. Sie erkennen so manchen Silberstreif am Horizont, sind aber am Ende des Tages auch davon überzeugt, dass sich ihre Handwerkskunst gegenüber der Konkurrenz aus dem Supermarkt oder aus dem Veggie-Sektor behaupten, wenn nicht sogar durchsetzen kann.
Ein Ende des „Geiz ist geil“-Gedankens
Und die heimischen Metzger haben ihre Argumente: „Unser Fleisch hat eine weitaus bessere CO2-Bilanz als das Steak aus Argentinien“, so Wiedmaier. „Unser Schlachtvieh kommt aus 15 Kilometern Umkreis. Und wir kennen jeden Halter. Keines dieser Tiere ist länger als 15 Minuten zu uns unterwegs.“ Zudem erkennen die Handwerker ein Ende des „Geiz ist geil“-Denkens. Es gebe eine Tendenz zur Hochwertigkeit und zur bewussten Ernährung.
Auch was das Problem mit dem Nachwuchs angeht, deute sich eine Trendwende an. So hat Uwe Wiedmaier lange Jahre gar keinen Azubi gehabt, aktuell habe er drei. Das liege zunächst daran, dass die Arbeit längst nicht mehr so hart sei wie das Klischee besagte: „Bei uns macht sich niemand mehr die Knochen kaputt.“ Und dann komme dazu, dass man in dem Job auch ein „gutes Geld“ verdienen könne. Zudem setze sich angesichts der Krise in der Automobilindustrie der Gedanke durch, dass die Lebensmittelbranche im Vergleich viel krisensicherer sei.
Doch eitel Sonnenschein ist bei den Metzgern dann doch nicht. Aktuell sind es die Fleischproduzenten, denen das Wasser bis zum Hals steht. Viele Rinder- oder Schweinezüchter würden aktuell ihre Betriebe schließen, erzählt Herbert Reinhardt aus Iselshausen. Doch aus der Bahn werfen tut ihn diese Entwicklung erst einmal nicht. „Viele haben uns schon totgesagt“, so Reinhardt. „Aber wir haben bisher immer eine Lösung gefunden.“