Sieht so der Eingang zu einer Boulder-Halle aus? Nein, meinen viele Stuttgarter Kulturschaffende. Sie hoffen, dass die Stadt das historische Haus anmietet. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Wenn das Metropol mithilfe der Stadt Stuttgart weiter kulturell genutzt werden kann und soll, braucht es ein Konzept. Die SPD-Fraktion im Gemeinderat hat nun potenzielle Akteure dazu befragt.

Stuttgart - Das Ringen ums Metropol-Kino geht weiter: Kann die Stadt der Boulder-Firma, die einen Pachtvertrag hat, eine Alternative bieten – und sich mit dem Eigentümer Union Investment auf eine kulturelle Weiternutzung des historischen Gebäudes einigen? Eignet es sich für eine Mischnutzung, etwa mit Varieté? „Wir sollten vorbereitet sein“, sagt am Mittwoch der SPD-Stadtrat Dejan Perc, dessen Fraktion ihre Gesprächsreihe „Rat am Draht“ für eine Bestandsaufnahme nutzt.

 

Filmfestivals brauchen die Außenwirkung

Die Stadt müsse das Gebäude „wieder in ihr Hoheitsgebiet“ bringen, sagt Goggo Gensch, Gründungsdirektor des SWR-Doku-Festivals. „Die Filmfestivals weichen aufs Gloria aus, aber die Außenwirkung ist in der Bolzstraße viel besser.“ Er fordert, die „geballte Kompetenz“ des Vereins Haus für Film und Medien für eine Interimsbespielung zu nutzen: „Wir brauchen eine Auseinandersetzung mit bewegten Bildern, das fehlt in Stuttgart.“

Der Verein Haus für Film und Medien hat einen Plan

Dafür gebe es bereits einen Plan, sagt im Namen des Vereins Ulrich Wegenast, der Künstlerische Leiter des Trickfilm-Festivals. Mit der Standortanalyse des Vereins helfe man den Boulder-Leuten, eine Alternative zu finden. Eine sei das früher Ambo-Kino am Hauptbahnhof: „Es ist zentral, die Deckenhöhe passt auch“, sagt Wegenast – „aber der Preis ist deutlich höher.“

Varieté im Metropol: ja, aber

Timo Steinhauer, Leiter des Friedrichsbau-Varietés am Pragsattel, käme gerne zurück in die Innenstadt. Das Varieté wurde 1900 gegenüber vom Kino im Friedrichbau eröffnet und zog nach dessen Zerstörung im Krieg ins Kino mit ein. Aber: „Ohne größere Umbauten“ gehe es nicht, zudem brauche das Varieté einen anderen Saal: „Die Gäste speisen an kleinen Tischen, das würde die Zahl der Kinositze reduzieren“. Eine Alternative nennt Michael Drauz, Leiter der Kleinkunstbühne Rosenau: „Für Kabarettisten fehlt ein Saal für 300 bis 400 Zuschauer, das Theaterhaus ist ständig ausgebucht. Wortleute brauchen nicht viel Platz, das ist einfacher als Varieté.“

Das Innere ist jetzt ein Rohbau

Der Umbau dürfte Millionen kosten. „Es ist jetzt ein Rohbau“sagt Karin Fritz , Inhaberin der Innenstadtkinos und frühere Metropol-Betreiberin, man habe vertragsgemäß das Interieur entfernt. Als reines Kino sei „so ein Haus nicht mehr wirtschaftlich, wenn man zur Pacht ist“. Ihr Plädoyer: „Diese Krise ist auch eine Zeit, Dinge neu zu denken.“