Die Titelträger: Hans-Michael Altenberg (links) mit seinem weltmeisterlichen Kanarienvogel und Thomas Haldenwanger, dem Vorsitzenden des Vogelzuchtvereins Kanaria 1910 Rottweil. Foto: Altenberg

Hans-Michael Altenberg aus Oberdigisheim hat bei der 70. C.O.M.-Weltvogelschau in Neapel den Weltmeistertitel in der Kategorie der Rotisabell-Kanarien errungen.

Schon als Jugendlicher hatte Hans-Michael Altenberg zusammen mit dem Nachbarsjungen Thomas Haldenwanger Vögel gezüchtet – die notwendige Expertise gab den beiden Vater Haldenwanger, ein passionierter Vogelzüchter, mit auf den Weg. Danach waren die beiden Freunde unterschiedliche Wege gegangen, Altenberg hatte sich von der Vogelzucht ab- und der Musik zugewandt.

 

Er betreibt in Oberdigisheim eine Harmonikaschule und ist weit über den Heuberg hinaus als Meister der Steirischen Harmonika bekannt.

Doch wenn man einmal gelernt hat, wie Vögel gezüchtet werden, dann vergisst man es nicht. 2018 erinnerte sich Hans-Michael Altenberg wieder an sein einstiges Hobby, wurde Mitglied des Rottweiler Vereins „Kanaria Rottweil 1910“, den nicht von ungefähr sein Kindheitsfreund Haldenwanger leitet, und begann, erneut Kanarienvögel zu züchten.

Durchaus mit Ehrgeiz: Es war sein Traum, Deutscher Meister zu werden, und dieser Traum ging schneller als erwartet in Erfüllung: Im Dezember 2022 errang er in Bad Salzuflen den Titel mit einem besonders schönen „Rotisabell“-Kanarienvogel.

Ein exemplarisch schöner Vogel

„Rotisabell“ bedeutet, dass sich durch das rote Gefieder schwarzbraune Streifen ziehen, die in punkto Dicke, Muster und Struktur gewisse Anforderungen erfüllen. Altenbergs Vogel war sozusagen exemplarisch, und deshalb beschlossen er und seine Rottweiler Vereinskameraden, es auf einen Versuch ankommen zu lassen und mit diesem und drei weiteren Tieren an der Weltvogelschau des C.O.M.-Verbands teilzunehmen.

Das Veterinäramt ist mit von der Partie

Die Experten sitzen im Mittelmeerraum

So schön Altenbergs Vogel auch ist, mit einem Titelgewinn hatte man nicht unbedingt rechnen können. Die Kanarienvogelzucht ist eine Domäne des Mittelmeerraums, vor allem aber der Italiener, die in Neapel einen klaren Heimvorteil genossen.

Knapp 23 000 Vögel waren dort ausgestellt, davon nur etwa 900 aus Deutschland, die mit einem von den Veterinärämtern genehmigten und von den Organisatoren gewissenhaft überwachten Sammeltransport nach Italien gebracht wurden – die Vogelhalter blieben zu Hause. Gut und gern die Hälfte aller ausgestellten Vögel dürften italienische gewesen; es erschien beinahe illusorisch, in diese Phalanx einzubrechen. Und doch gelang es: Eine Woche nach dem Aufbruch im kurpfälzischen Philippsburg holte sich Altenbergs „Rotisabell“ den Titel – sein Züchter erfuhr es per Telefon und musste kurz mit sich ringen. Sollte er nach Bella Napoli fahren oder nicht? Die schwäbische Vernunft siegte; er blieb daheim.

Nächstes Jahr in Madrid

Noch mal eine Woche später war auch der Weltmeister wieder zu Hause und mit ihm seine drei Artgenossen, alle gesund und munter.

Natürlich ist man auch im Rottweiler Verein stolz auf den Triumph – Landesverbandssiege und Deutsche Meisterschaften hat sich die „Kanaria 1910“ schon etliche geholt, aber der letzte Weltmeistertitel liegt fast vier Jahrzehnte zurück. Immerhin, nach der schwierigen Corona-Zeit scheint es jetzt wieder aufwärts zu gehen, vielleicht sogar steil – die nächste Weltvogelschau findet im Januar 2024 in Madrid statt.