Die Nikolauskirche Hossingen war einer der Arbeitsplätze und Lieblingsorte von Reinhold Schuttkowski, der nach 14 Jahren als evangelischer Pfarrer in Meßstetten und Hossingen in den Ruhestand geht und sich für diesen viel Schönes vorgenommen hat. Foto: Karina Eyrich

Seine dienstliche E-Mail-Adresse ist abgeschaltet, der Abschiedsgottesdienst vorüber – jetzt kann Reinhold Schuttkowski nach 14 Jahren als evangelischer Pfarrer in Meßstetten in seinen neuen Lebensabschnitt starten.

Von Astrologie hält Reinhold Schuttkowski, 1958 im Sternzeichen Löwe in Bad Saulgau geboren, nichts – aber von Astronomie.

 

Seit er zur Konfirmation ein Teleskop geschenkt bekam, schaut er ins Weltall und fragt sich: „Was gibt’s da draußen noch?“ Gott sucht er freilich nicht mit dem Weitgucker-Gerät. An Gott glaubt er und will Glauben nicht mit Wissen verwechseln. „Das ist wie mit der Liebe: Die kann man auch nicht beweisen, aber ihre Folgen spüren!“

Die Konventionen hat er öfter mal über den Haufen geschmissen

Dass Glaube auch etwas Fröhliches haben kann, hat der Sohn einer Mesnerin in der evangelischen Diaspora Oberschwaben von einem Vikar gelernt, der erst bei der Bundeswehr und dann buddhistischer Mönch war, ehe er zum Christentum fand.

Vielleicht kommt es daher, dass Schuttkowski in seinen 14 Jahren in Meßstetten immer wieder die Konventionen über den Haufen geschmissen und Gottesdienst auch mal im Bistro Tonic gefeiert hat. „Spaß machen darf es“, sagt er lachend.

Und Menschen im Gottesdienst zu begegnen, Seelsorger zu sein, hat ihm immer Spaß gemacht. Nur der Verwaltungskram hat ihn zunehmend genervt. „Rechtliche Anforderungen, Datenschutz, Brandschutz“, all das nehme zu, „und führt dazu, dass die Seelsorge zu kurz kommt.“

Feuchte Wände und das Pfarrhaus Meßstetten West lässt er gerne hinter sich

Die Arbeit mit den Kirchengemeinderäten in Meßstetten und Hossingen wird trotz solcher Themen etwas sein, was Schuttkowski in besonders guter Erinnerung behält.

„Jede der beiden Kirchengemeinden, jeder Ort und jede Kirche haben ihren besonderen Charme“, schwärmt der 65-Jährige, der vor wenigen Tagen im Gottesdienst verabschiedet worden ist und seit Oktober in Ebingen wohnt, wo seine Frau arbeitet.

Mitglied der evangelischen Landessynode bleibt Schuttkowski, zumal das „den Horizont ungemein erweitert“, wie er sagt. Seit 2019 erlebt er das – und muss so „nicht von 100 auf null Prozent zurückfahren“.

Was Schuttkowski gerne hinter sich lässt, „sind die feuchten Wände im Gemeindehaus und das Pfarrhaus Meßstetten West“, das zu sanieren aus Kostengründen bisher nicht gelungen sei.

Mit Stolz erfüllt ihn hingegen die „schön gelungene Innenrenovierung der Lamprechtskirche“ und die Renovierung der Hossinger Nikolauskirche, barrierefreier Zugang inklusive. Dass die „schnuckelige Dorfkirche“ es ist, die dem neu gestalteten Dorfplatz davor seinen Charme verleiht, steht für Schuttkowski außer Frage.

Religionsunterricht in der Oberstufe – für den Freigeist ein Hochgenuss

Vermissen wird der „gebürtige und gelernte Oberschwabe“ aber vor allem „die Begegnung mit den Menschen und den Religionsunterricht in der Oberstufe“, wo er die „kontroversen Diskussionen“ sehr genossen hat – ebenso wie in der „Spurensuche“-Gruppe, die aus einem Glaubenskurs entstand und sich monatlich trifft: „Dort darf man alle Fragen stellen“, betont der Freigeist.

Ab und zu will Schuttkowski auch noch Gottesdienste halten, zumal Pfarrerin Susanne Stephan in den Norden gezogen ist und die evangelische Kirchengemeinde somit zwei Geistliche auf einmal verliert – nur eine Stelle bleibt übrig, vorerst vakant.

Reinhold Schuttkowski freut sich indes darauf, am Fagott bei den Musikvereinen der Region auszuhelfen und Konzerten zu lauschen, wobei er und seine Frau zu Ed Sheeran ebenso gehen wie zu Deep Purple.

Im Herbst haben sie gar Tickets für Alice Cooper – „das ist die Musik meiner Jugend“ – und reisen zuvor noch in ihre Lieblingsstadt, das „Zentrum der Welt“ für Schuttkowski: NY hat er auf dem Autokennzeichen, liebt an New York City die Weltoffenheit, die Vielfalt der Musik, die Geschichte und den ständigen Wandel: „Man kommt nach ein paar Jahren nicht mehr in die gleiche Stadt!“

Diesmal hat das Paar Karten für die Metropolitan Opera, will Jazz genießen und in die Krone der Freiheitsstatue steigen – die Tickets waren sein Abschiedsgeschenk von Bürgermeister Frank Schroft.

Was der Seelsorger von seinen vier Enkeln fürs Leben gelernt hat

Die Hurtigruten und Schottland stehen außerdem auf seinem Wunschzettel für den Ruhestand – und natürlich mehr Zeit für die vier Enkel, die ihm seine beiden Kinder beschert haben und bei denen er nie „missionarischen Eifer“ walten ließ.

Im Gegenteil: „Ab und zu versuche ich, ein Samenkorn zu legen“, sagt Schuttkowski und schwärmt davon, was er von den Enkeln – zwischen neun und zwölf Jahre alt – lernt: „Unbekümmertheit“ etwa, und „das Staunen, das Fragenstellen“.

Was es da draußen noch gibt beobachtet er mit seinem Teleskop. Beweise dafür, dass es Gott gibt, muss Reinhold Schuttkowski indes nicht suchen – er spürt die Folgen davon intensiv in seinem Leben, wenn auch künftig nicht mehr hauptberuflich.