Das Gymnasium Meßstetten beteiligt sich an der bundesweiten Initiative „#IchStehAuf“ am Donnerstag, 6. Juni, und hält eine Juniorwahl zur Europawahl ab. Vorab haben sich die Schüler im Unterricht mit Wahlen und kritischen Themen beschäftigt.
Schülerbefreiungen finden sonst am Schmotzigen Donnerstag statt – am Gymnasium Meßstetten werden die Schüler zudem am Donnerstag, 6. Juni, befreit. Anlass ist die Teilnahme an der bundesweiten Initiative „#IchStehAuf“, mit der ein Zeichen für Demokratie, Toleranz, Vielfalt und Zivilcourage gesetzt werden soll – und den Schülern ein Gefühl für politische Teilhabe vermittelt.
„Ab 9.30 Uhr werden die Schüler für etwa eine halbe Stunde vom Unterricht befreit und in die Aula gebracht“, erklärt Markus Haug, Abteilungsleiter für außerschulische Aktionen und Kooperationen. Schüler der Mittelstufe werden Zitate vortragen, die Initiative vorgestellt und dann tragen Schüler ihre Hoffnungen und Wünsche, aber auch Ängste und Sorgen vor. „Anschließend haben die Schüler etwa 15 Minuten Zeit, eigene Wünsche auf Karteikarten zu schreiben, die sie dann mit Wäscheklammern an einem Faden in der Aula anbringen“, sagt Haug.
Themen werden im Unterricht besprochen
Damit ist es aber noch nicht getan: Für die Schüler der Klassen 8 bis 12 wird im Anschluss eine „Juniorwahl zur Europawahl“ abgehalten; es wird sozusagen eine Wahl im kleinen Rahmen simuliert. Entsprechend sieht auch der Ablauf aus: Am vergangenen Dienstag haben die „wahlberechtigten Schüler“ eine Benachrichtigungskarte erhalten; am Mittwoch geben sie ihre Stimmen auf den Original-Stimmzetteln zur Europawahl in Kabinen ab und werfen diese in eine Urne.
„Ausgezählt wird zusammen mit den Schülern erst am Montag nach der eigentlichen Wahl, um keinen Einfluss auf deren Verlauf zu nehmen“, erklärt Haug. Die Ergebnisse der Juniorwahl, die nicht in die echte Wahl einfließen, werden vor Ort verkündet und an den Verein Juniorwahl nach Berlin übermittelt, der diese – zusammen mit den Ergebnissen anderer Schulen – auf seinem Internetportal veröffentlicht.
Zudem haben sich die Schüler im Unterricht bereits mit der Europawahl, Wahlen an sich und auch dem Wahl-O-Mat auseinandergesetzt. Parteiprogramme werden wegen ihrer Komplexität erst in höheren Klassenstufen besprochen, erklärt Haug. „In den unteren Klassenstufen wollen wir zunächst eine neutrale Basis schaffen, auf der dann weiter aufgebaut werden kann.“ Dabei bringen die Schüler politische Sichtweisen aus vielerlei Quellen mit: etwa von Freunden und Familie, aus den Sozialen wie auch den klassischen Medien. Aber auch Themen wie „Muss die Wirtschaft immer weiter wachsen?“ oder die Alternative für Deutschland (AfD) kommen zur Sprache. „Da haben wir uns zum Beispiel mit Zitaten aus dem Parteiprogramm und von Parlamentariern kritisch auseinandergesetzt“, sagt Haug.
Wahlbeteiligung liegt oft zwischen 80 und 90 Prozent
An dem Aktionstag und der Vorbereitung dazu gehe es aber auch darum, die Ängste der Schüler zu nehmen. „Wegen der vielen Streitereien etwa scheint es in der Bundespolitik kaum voran zu gehen, während man sich demokratische Prozesse aktiver vorstellt“, erklärt Haug. Dabei seien es längerfristige Prozesse – und der Knoten nur vorübergehend.
Um Beteiligung und Interesse hingegen hat er keine Bedenken: „Die Beteiligung an der Juniorwahl lag an unserer Schule meist zwischen 80 und 90 Prozent“, sagt Haug. Auch das Interesse an den Europa- und Kommunalwahlen am 9. Juni, so sein Eindruck, ist bei den Schülern groß. Einer seiner Schüler hätte sich beinahe gar zur Wahl für den Meßstetter Gemeinderat aufstellen lassen – hat es sich aber im letzten Moment anders überlegt.