Hightech für gesundes Sitzen: Guido Wolf (links) staunt über das Innenleben dieses Bürostuhls, genauso der einstige Obernheimer Bürgermeister Georg Maier. Foto: Weiger Foto: Schwarzwälder-Bote

"Der baden-württembergische Wolf soll dem bayrischem Löwen Paroli bieten": Landtagspräsident spricht in Tieringen

Von Katja Weiger

Meßstetten-Tieringen. Wer weiß?: Vielleicht haben die Mitglieder des CDU-Wirtschaftsrats bei der Firma Interstuhl den künftigen Ministerpräsidenten Baden-Württembergs gehört? Aktuell ist Guido Wolf allerdings noch potenzieller Spitzenkandidat – und Landtagspräsident.

In Tieringen hat er über die Infrastruktur als Hauptschlagader der Wirtschaft gesprochen. "Die Kunst des richtigen Tons" lautet der Untertitel eines Guido-Wolf-Buchs, in dem er mit spitzer Feder Politiker aufs Korn nimmt – schelmisch und augenzwinkernd versteht sich. Sein Vortrag für den Wirtschaftsrat war gespickt mit vielen Details und markigen Ansätzen, entbehrte dennoch nicht der soliden Portion Humor, welche die Zuhörer von Wolf gewöhnt sind.

Den "richtigen Ton" traf Guido Wolf: Er kokettierte zunächst mit dem Umstand, viele Jahre seines Lebens in den verschiedensten Amtsstuben zugebracht zu haben. "Vielleicht habe ich deshalb neidvoll auf Ihre Büros geschaut", schmunzelte der Landtagspräsident und nickte der Unternehmer-Familie Link stumm zu. Vorangegangen war dem Vortrag ein kurzer Betriebsrundgang, bei dem Helmut und Joachim Link den Besuchern ihr Unternehmen und die vielfältige Produktpalette vorgestellt hatten.

Guido Wolf verbringt seine Arbeitstage jedoch nicht nur auf Bürostühlen oder in Konferenzsesseln, sondern zu vielen Stunden auch auf deutschen – und dabei bevorzugt baden-württembergischen – Straßen. "Für mich bedeutet es Stress, wenn ich im Wagen sitze, nichts geht mehr, und ich sollte längst beim nächsten Termin sein", berichtete Wolf seinen Zuhörern und sprach wohl manchem der Unternehmer aus dem Herzen. Was man aber derzeit in Baden-Württemberg erlebe, sei keine "Verkehrspolitik", sondern "Verkehrsverhinderungspolitik". Dabei werde nicht einmal alles "herrenlose Geld" aus Berlin abgerufen. "Mobilität", das steht für den Landtagspräsidenten fest, "ist ein menschliches Grundbedürfnis und eine flexible Logistik ein wirtschaftliches Muss". Egal ob Straße oder Schiene – Wolf plädierte für den zielgerichteten Ausbau der Verkehrsnetze, denn: "Wer nur saniert, reist irgendwann nach Waterloo." Wie Waterloo einst für Napoleon geendet hatte, war den Gästen hinlänglich bekannt.

Mit Tempo und Verbalakrobatik lieferte der Politiker seinen Zuhörern einen kunterbunten Abriss durch die Infrastruktur-Debatte. Dabei nannte er zwei seiner großen Wünsche. Erstens: Dem großen bayrischen Löwen möge doch künftig ein "baden-württembergischer Wolf" Paroli bieten. Zweitens: Das "Ländle" sollte sein wirtschaftspolitisches Profil wieder schärfen. Dafür gab es Spontanapplaus vom Publikum. Genauso für seinen Appell, den Ausbau schneller Datenleitungen hierzulande voranzutreiben. Wenn dies nicht passiere, davon ist Wolf überzeugt, verliere man in absehbarer Zeit den Anschluss – und das ganz sprichwörtlich. Guido Wolfs flammendes Plädoyer: "Baden-Württemberg muss wieder ein Land des Aufbruchs werden. Nicht Bedenkenträger sollen das Wort führen, sondern Hoffnungsträger. Das Navi der Regierungszentrale braucht ein Update."

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