Pfarrer Reinhold Schuttkowski, Elisabeth Bodmer und Bernd Braun gestalteten eine gelungene Andacht.Foto: Groh Foto: Schwarzwälder Bote

"Orgel um sechs": Wortbeiträge treffen in der Lamprechtskirche auf virtuose Melodien

Meßstetten (wgh). "Orgel um sechs" die Reihe des evangelischen Dekanats Balingen war diesmal in der Lamprechtskirche zu Gast, wo Elisabeth Bodmer mit dem "Präludium und Fuge c-Moll" von Johann Sebastian Bach die Andacht eröffnete, und zwar mit einem kräftigen Pedalsolo, das im Anschluss im Manual seine thematische Fortsetzung erfuhr und in einem geradezu improvisatorischen Schwung glanzvoll endete.

Die Fuge mit ihrem liedhaften und gut artikulierten Thema türmte sich in zunächst bis zu fünf Einsätzen in die Höhe, ehe das Thema im Pedal erklang und zu einem feurigen, effektvollen tokkatenartigen Schluss führte.

Pfarrer Reinhold Schuttkowski begrüßte die Zuhörer getreu dem Untertitel der Reihe "Musik trifft Wort, Wort trifft Musik" mit dem Wochenspruch "Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium". Er setzte in einem Impuls Musik und Glaube in eine Beziehung.

Das "Adagio" aus der "Orgelsonate g-Moll" von Carl Philipp Emanuel Bach entführte in die empfindsame Welt der Frühklassik. Mit einem angenehmen Flötenregister ließ Elisabeth Bodmer die eleganten Melodiebögen und Harmonien berührend dahinfließen.

Mit "Apparition de l‘ Èglise Eternelle" von Olivier Messiaen, einem der bedeutendsten französischen Komponisten und Organisten des 20. Jahrhunderts, hatte sich Bernd Braun eine schwierige Aufgabe vorgenommen. Er verstand es vorzüglich, dieses 1932 komponierte Stück des tiefreligiösen Komponisten auf der Meßstetter Orgel zu realisieren. Das Stück begann leise und baute sich allmählich zu voller Lautstärke mit einem strahlenden Dur-Akkord als Höhepunkt auf, um wieder ins Leise zurückzukehren. Vollgriffige teils herbe, teils aparte Akkorde wechselten sich dabei mit offenen Quinten ab zu einem pochenden Bass.

Nach Gebet, Vaterunser und Segen folgte ein weiteres Orgelstück des französischen Komponisten und Organisten Henri Mulet. Die Tokkata "Tu es Petra" erwies sich als großartiges Virtuosenstück der französischen Orgelromantik und erinnerte an Charles Marie Widor, den Lehrer von Henri Mulet, von Bernd Braun hervorragend umgesetzt. Schon beim leisen Beginn war die frappierende Motorik in den Händen da und die langen Töne des Themas im Pedal zu bewundern. Die immer stärker werdende Lautstärke und die unheimliche Fingerfertigkeit der übergreifenden Hände in den Manualen führte zu einem grandiosen Schluss. Ebenso grandios war der Schlussbeifall, der allen Akteuren galt. Der Erlös ist für die Renovierung der Orgel bestimmt.

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