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Meßstetten Von Mexiko zurück nach Meßstetten

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Albert und Brigitte Stengel sind wieder daheim. Foto: Lissy Foto: Schwarzwälder Bote

56 Jahre lang haben sie in Mexiko gelebt. Nun sind Albert und Brigitte Stengel in ihre Heimatstadt zurückgekehrt. Vom heißen Mittelamerika auf den Heuberg – wie fühlt sich das an?

Meßstetten. Spontan war im Sommer der Entschluss gefallen: Nach 56 Jahren in Mexiko sind Albert und Brigitte Stengel zurück nach Meßstetten gezogen, wo beide geboren und aufgewachsen sind. Brigitte Stengel ist eine gebürtige Kästle und hatte mit Karl und Gerhard Kästle, die beide ein Elektrogeschäft betrieben, zwei wohl bekannte Brüder.

Nach der Schulzeit kamen sie und ihr späterer Mann Albert sich näher und verlobten sich. Dass die Verlobungszeit acht Jahre dauerte, war Albert Stengels Auslandsaufenthalten geschuldet, der unter anderem anderthalb Jahre in Südkorea verbrachte. Für eine große Textilmaschinenfabrik im hessischen Obertshausen war Stengel auch sonst auf großen Reisen und musste sich eines Tages entscheiden, ob er lieber in Istanbul oder im mexikanischen Guadalajara eine Maschinenfabrik aufbaut. Seine Entscheidung fiel spontan auf Mexiko – allerdings wollte er nicht ohne seine Verlobte dorthin gehen. Ohne Trauschein ließen deren Eltern sie freilich nicht mit, und so tauschten Brigitte Kästle und Albert Stengel endlich die Ringe: an einem Sonntag, getraut vom damaligen Bürgermeister Erwin Gomeringer.

Bereits am nächsten Tag saßen dann beide im Flugzeug nach Mexiko. Albert Stengel arbeitete als Leiter der Wirkerei und hatte später rund 2500 Beschäftigte als Betriebsleiter unter sich, die an 900 Webstühlen rund um die Uhr arbeiteten – neue Maschinen aus Deutschland wurden ständig nachgeliefert.

Freundlich – selbst beim Blick in den Waffenlauf

Nach zwei Jahren Aufenthalt in der zweitgrößten Stadt Mexikos mit inzwischen acht Millionen Einwohnern entschied sich das Paar 1963, für immer in Mexiko zu bleiben. Brigitte Stengel baute dort zwei Delikatessengeschäfte auf, die sie mit großem Erfolg führte, wenngleich eines der beiden fünf Mal überfallen und die Kasse geplündert wurde. Mutig stellte sie sich damals dem Ganoven, der ihr eine Pistole vor den Bauch hielt, und fragte kühn, ob er eine Tüte für das Geld haben möchte.

Weil nach und nach so viel aus den Geschäften gestohlen wurde, entschloss sich die Inhaberin schließlich, diese ganz aufzugeben und sich ihren beiden Töchtern zu widmen, die inzwischen zur Familie gehörten. Das interessante Leben in der Millionenstadt gefiel der Familie, sie pflegte viele Freundschaften und Kontakte zu mexikanischen Familien und feierte herrliche Feste mit ihnen.

Albert Stengel kam nach dem Tod seines Vaters 1975 jedes Jahr – bis 1991 – zum Geburtstag seiner Mutter nach Meßstetten und war erst im vergangenen Jahr zu Besuch bei einer seiner Töchter, die inzwischen dort lebt, und um sich mit seinen Jahrgängern zu treffen.

Da hatte er noch nicht daran gedacht, Mexiko einmal für immer zu verlassen und wieder in die alte Heimat auf die raue Alb zurückzukehren. Weil neben einer Tochter aber auch vier Enkel in Deutschland leben, studieren und arbeiten, beschloss das Paar, in Mexiko alles aufzugeben und wieder nach Hause zu ziehen.

Seit mehreren Wochen wohnen Albert und Brigitte Stengel nun im selben Mehrfamilienhaus in der eigenen Wohnung, über der ihrer Tochter. Mehrere Ausflüge in die nähere Umgebung haben sie bereits unternommen und sich noch einmal ganz neu in die wunderschöne Alblandschaft verliebt. Sie freuen sich über die Pünktlichkeit ihrer Landsleute – in Mexiko hatten sie da Anderes erlebt – und Brigitte Stengel betont: "Unser Zuhause war Mexiko, aber Meßstetten ist unsere Heimat."

Noch lebt eine ihrer Töchter in Mexiko, wird aber auch nach Deutschland nachkommen. Der familiäre Zusammenhalt, wie er für Familien in Mexiko besonders wichtig ist, hat für Familie Stengel schließlich auch einen besonders hohen Stellenwert – und nicht nur innerhalb der eigenen Familie: Die ersten Freunde aus Guadalajara waren schon zu Besuch – und sie werden bestimmt nicht die letzten gewesen sein.

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