Archivarbeit: Diplom-Archivar Alfons Koch ordnet die Archivalien in Meßstetten und den Stadtteilen neu / Erste Station: Hartheim
Seit dem 1. Juni ist Diplom-Archivar Alfons Koch damit beschäftigt, die Ortsarchive in Meßstetten und den Stadtteilen neu zu ordnen. Erste Station war Hartheim, als nächstes stöbert er in den Heinstetter Dokumenten. Danach besucht er alle anderen Stadtteile. Zum Schluss kommt das Archiv des Hauptortes an die Reihe.
Meßstetten-Hartheim. "Wir haben tolle Sachen gefunden", sagen Diplom-Archivar Alfons Koch und Kreisarchivar Andreas Zekorn: Unterlagen zur Revolution 1848, die sich auch für das Ortsjubiläum in Hartheim heranziehen lassen und Aufschluss darüber geben, wie die Revolution in den Dörfern abgelaufen ist; Dokumente zur Gleichstellung der Juden in Baden; Informationen über das großherzogliche Wappen und die badische Flagge; und ein Stück Sozialgeschichte: einen Bericht über den Gesundheitszustand der Kinder am Anfang des 20. Jahrhunderts. Danach wiesen von 50 Kindern – Jungen und Mädchen – 41 gesundheitliche Schäden auf und nur neun Sprösslinge waren gesund. "Die meisten hatten schadhafte Zähne, aber auch Probleme mit dem Rückgrat, Herzfehler und Verdacht auf Tuberkulose sind verzeichnet", erzählt Zekorn.
Interessante Funde bilden auch die Archivalien zur Schulgeschichte, etwa über Schulbesichtigungen, und die Beschwerdeschrift eines Lehrers aus dem Jahr 1886, der sich darüber auslässt, dass ein Schüler ihn beleidigt habe.
Es ist eine Fleißaufgabe: Ein Aktenstück nach dem anderen begutachtet Alfons Koch in den Archiven der Stadt Meßstetten, so auch in Hartheim: Er erschließt dabei die Unterlagen, alle Archivalien, Akten und Dokumente nimmt er heran, bildet Aktentitel und versieht jeweils das gesichtete Material mit einem Enthaltvermerk, der auflistet, was in der jeweiligen Akte drin ist, und den Umfang festhält. "Es geht darum, eine Ordnung zu installieren, eine Klassifizierung und eine systematische Gliederung", erläutert Kreisarchivar Andreas Zekorn. Das mündet in ein Findbuch.
Besonders aufmerksam achtet der Archivar darauf, Metall aus den Akten zu entfernen, zum Beispiel Büroklammern, damit das Material nicht rostet und keine Schäden entstehen. Danach verpackt er die Archivalien in Umschläge, damit das holzhaltige Papier denkmalgeschützt ist; und die Dokumente wandern schließlich in Archivbehälter, die säurefrei sind.
Die zwei badischen Gemeinden als erstes
Mit Hartheim und Heinstetten haben sich die Archivare zuerst die zwei badischen Gemeinden vorgenommen. Dass es sich um badische Orte handelt, sei anhand der Akten unschwer zu erkennen, betont Zekorn: "Die badischen Akten haben die charakteristische badische Oberrandheftung." Während es die Württemberger bei einer Loseblattsammlung beließen, nähten die Preußen alle ihre Akten zusammen. Bis dato hat Koch 600 Archivalien im Ortsarchiv Hartheim bearbeitet – datiert ab dem Jahr 1755: Zehntablösungen, Bilddokumente vom Schulhaus und Rathaus mit dem Ortsarrest, Unterlagen über die Wasserversorgung. Noch maximal drei Wochen ist er dort zugange, dann geht es nach Heinstetten. Eines der ältesten Dokumente in Hartheim ist eine Grenzbeschreibung aus dem Jahr 1757.
Belege für die individuelle Vergangenheit des Ortes
Für Thomas Berg, Hauptamtsleiter der Stadt Meßstetten, ist das Ordnen der städtischen Archive eine "positive" Sache. "Ortsarchive belegen die individuelle Vergangenheit eines Ortes", erläutert Zekorn. "Wenn wir die Archive erhalten, erkennen wir die Vergangenheit und dokumentieren sie, das ist der historische Grund dafür." Daneben gibt es noch rechtliche Gründe, etwa um Fragen der Vormundschaft aufzuklären.
In Hartheim ist das vorhandene Archiv "gut aufgestellt" gewesen: "Das erleichtert die Arbeit und beschleunigt sie", sagt Koch. Er freut sich schon auf das Archiv im Hauptort Meßstetten: "Dort sind gute Sachen zu finden", beispielsweise Pergament-Urkunden.
Derweil ist Hartheims Ortsvorsteher Bodo Schüssler "sehr dankbar", dass das Kreisarchiv in Hartheim angefangen hat, vor allem mit dem Blick auf die 1250-Jahr-Feier, die 2018 ansteht und für die eine Ortschronik zu gestalten ist. Da kommt die Arbeit des Diplom-Archivars zur rechten Zeit: "Wir helfen dem Ort gerne bei Fragen zum Archiv."