Wird die Zollernalb-Kaserne doch wieder geöffnet und ihrer alten Nutzung zugeführt? Wenn es nach dem Willen der SPD geht, dann soll zumindest darüber noch einmal nachgedacht werden. Foto: Archiv

In Meßstetten freut sich der Bürgermeister über den SPD-Vorstoß, die Bundeswehrreform auf den Prüfstand zu stellen.

Meßstetten - Für Meßstettens Bürgermeister Lothar Mennig ist es die einzig sinnvolle Lösung. Nach dem Vorstoß der SPD, die Bundeswehrreform auf den Prüfstand zu stellen, macht sich die Stadt Hoffnung, den Bundeswehrstandort doch noch zu erhalten – als Doppelstandort mit Stetten am kalten Markt.

"Ich begrüße die SPD-Initiative, die Bundeswehrreform zu überprüfen", betont Mennig: "Das macht Sinn – militärisch und wirtschaftlich." Aus Sicht des Bürgermeisters würde mit einem Zurückrudern "ein Fehler korrigiert".

Vor allem hat er dabei das Jägerbataillon in Donaueschingen im Blick: "Wenn die üben wollen, müssen die mehr als 80 Kilometer nach Stetten am kalten Markt fahren." Die Soldaten dort haben nach der Schließung des Standorts Immendingen keine Möglichkeit mehr, im Gelände zu üben und zu schießen. Der Bau eines neuen Übungsplatzes samt Schießanlage in Donaueschingen würde zwischen 40 und 50 Millionen Euro kosten, während auf dem Großen Heuberg die notwendige In­frastruktur vorhanden ist. Die Idee der SPD in der Großen Koalition: Das Jägerbataillon soll in die eigentlich schon geschlossene Zollernalbkaserne in Meßstetten umziehen. Eine endgültige Entscheidung soll es Ende Mai geben.

"Wir haben hier einen idealen Standort", meint Mennig: "Sollte tatsächlich nachjustiert werden und es Veränderungen geben, dann hat Meßstetten eine große Berechtigung, davon zu profitieren." Denn der Truppenübungsplatz in unmittelbarer Nachbarschaft beeinträchtige eine sinnvolle Nachnutzung des Kasernengeländes. "Ich freue mich, dass die Angelegenheit noch einmal debattiert wird."

Die SPD-Bundestagsfraktion sieht eine "erneute und umfassende Betrachtung der Donau-Schiene von Donaueschingen bis Ulm" als notwendig an. Es leuchte nicht ein, dass der Standort in Meßstetten geschlossen werden solle, während in Donaueschingen "teuer investiert werden muss". Allerdings warnt der Sprecher der Standortkommunen vor falschen Hoffnungen: "Ich denke, dass da im Moment wenig Spielraum ist", sagt der Bürgermeister von Walldürn und Sprecher der kommunalen Arbeitsgemeinschaft Garnison, Markus Günther. Für Kommunen in strukturschwachen Regionen seien Änderungen der Pläne sicherlich wünschenswert, weil mit dem Abzug von Streitkräften auch wirtschaftliche Folgen verbunden seien. Jedoch sei das Stationierungskonzept bereits in der Umsetzung, die ersten Schritte bereits eingeleitet: "Es gibt in den meisten Einheiten organisatorische Planungen, die nicht einfach umgeworfen werden können."

Dagegen begrüßt Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall die Vorschläge der SPD-Bundestagsfraktion. Einzelne Standortentscheidungen müssten rückgängig gemacht werden. Der Truppenabbau in Meßstetten müsse verhindert werden. Auch der baden-württembergische Minister für ländlichen Raum, Alexander Bonde, bezeichnet "eine Reihe von Standortentscheidungen im Zuge der Bundeswehrreform als nicht nachvollziehbar".

Mit der Bundeswehrreform verliert Baden-Württemberg rund 38 Prozent der derzeitigen Stellen. Komplett geschlossen werden die Standorte in Sigmaringen, Immendingen, Mengen/Hohentengen und Hardheim. Sigmaringen ist einer der größten Standorte bundesweit, die der Reform zum Opfer fallen. Faktisch zugemacht werden auch die Kasernen in Ellwangen und Meßstetten. In Meßstetten verbleiben von zuletzt 840 Soldaten noch 20 Einsatzkräfte, welche die Radarstellung auf dem Weichenwang betreiben. Gestärkt wird hingegen der Standort Stetten am kalten Markt. Dort werden künftig 2330 statt 1640 Mann stationiert sein, sollte es bei der Bundeswehrreform bleiben.

Baden-Württemberg

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