Er übergibt das Staffelholz an seinen Nachfolger Norbert Kantimm, der bislang stellvertretender Schulleiter gewesen ist: Oswin Angst geht nach 35 Jahren als Lehrer am Gymnasium Meßstetten in den Ruhestand. Von 1983 bis 1996 war er stellvertretender Schulleiter, seit 1996 führte er 15 Jahre lang als Schulleiter die Geschicke der Bildungseinrichtung. Am Dienstag, 26. Juli, heißt es ab 17 Uhr in der Aula der Schule Abschied nehmen für den 64-jährigen Vater dreier "ziemlich erwachsener" Kinder. Foto: Holbein Foto: Schwarzwälder-Bote

Schulleiter Oswin Angst geht nach 35 Jahren als Lehrer am Gymnasium in Meßstetten in den Ruhestand

Von Christoph Holbein

Meßstetten. Er war 35 Jahre Lehrer an der Schule für Sport und Englisch, 13 Jahre stellvertretender Schulleiter und seit 15 Jahren Schulleiter des Gymnasiums in Meßstetten: Jetzt verabschiedet sich Oswin Angst.

Für den heute 64-jährigen Pädagogen galt stets, sein Möglichstes für die Schule zu tun: "Ich habe seit 35 Jahren mit Herzblut für die Schule gearbeitet, gekämpft für die optimale Ausstattung der Schule – gegen mancherlei Schwierigkeiten – und dabei einen Großteil meines Familienlebens geopfert."

Manche Dissonanzen machen Abschied leicht

Seit 1976 ist Angst am Gymnasium Meßstetten, und er blickt auch ein wenig kritisch zurück: "Es tut schon weh, dass der Stadtverwaltung nur ihr finanzielles Engagement für die Schule wichtig war. Wir waren immer bestrebt, das Bestmögliche für die Schule zu erreichen – auch auf pädagogischem Gebiet." Angesichts mancher solcher Dissonanzen geht Angst "nicht ungern" in den Ruhestand.

Zumal er weiß, dass er die Schule mit seinem Nachfolger Norbert Kantimm in "gute Hände" weitergibt, das Gymnasium eine "sehr gesunde" Basis aufweist und die Menschen dort insgesamt eine gute Arbeit leisten. Die Schulgemeinschaft funktioniere sehr gut. Die Harmonie sei ein deutlicher Beweis dafür.

Bei der Fremdevaluation hat das Gymnasium überdurchschnittlich abgeschnitten. Eine Umfrage zeigt, dass mehr als 90 Prozent der Schüler und Eltern zufrieden sind und sich in der Schule wohlfühlen. 2007 absolvierten die ersten Prüflinge das Abitur in Meßstetten, seitdem ist noch nie ein Schüler durchgefallen.

Auch der Ausbau zum Vollgymnasium, 2006/2007 vollendet, stieß beim Schulträger nicht auf ungeteilte Gegenliebe: Argument war die finanzielle Belastung der Stadt. Die Aufgaben sind Angst in den 35 Jahren nie ausgegangen: zunächst das Progymnasium aufzubauen mit dem Ziel, die Schule zu einer anerkannten Bildungsstätte zu führen. Und als Schulleiter stand dann das achtjährige Gymnasium (G8) auf der Agenda.

So musste das Gymnasium etwa mehr Fachräume in Physik schaffen und die Naturwissenschaften für die Oberstufe ausstatten. Angst verlor dabei nie seine Ziele aus den Augen: "Ich bin da hartnäckig."

Das, was er weiß und kann, anderen Menschen weiterzugeben, war für Angst früh eine reizvolle Aufgabe. Als er zum ersten Mal Abiturzeugnisse ausgab, empfand er das als positives Gefühl, auch psychologisch wichtig: "Du fühlst dich als vollwertiges Gymnasium, wenn Du die Schüler von der fünften bis zur 13. Klasse begleiten, ihnen das Abschlusszeugnis in die Hand geben darfst und sie nicht auf halber Strecke verabschieden musst." Der Neubau mit sieben neuen Klassenzimmern, den Physikräumen und der Mensa war auf diesem Weg ein Höhepunkt: "Wir haben sehr viel an Qualität zum Schulleben dazu bekommen und gewonnen." Gilt es doch auch, den Lebensraum Schule zu gestalten, zum Beispiel mit Angeboten in der Mittagspause wie Klettern und Tanzen. "Die Schule will das ausweiten, damit die G-8-Schüler ein bisschen mehr Muße in der Mittagspause haben."

Nicht selten als Letzter aus dem Schulgebäude

Es kam häufig vor, dass Oswin Angst das Schulgebäude als Letzter – oft weit nach 18 Uhr – verlassen hat: "Die Schule war ein Teil meines Lebens, eine Lebensaufgabe." Bange ist ihm nicht, im Ruhestand andere Beschäftigungen zu finden: "Ich falle nicht in ein tiefes Loch." So sucht er seit einem halben Jahr nach einem Allrad betriebenen Traktor, um als Selbstversorger ein bisschen Landwirtschaft zu betreiben. Auf Reisen möchte er gehen und weiter seine Trompete spielen beim Musikverein Tieringen und in diversen anderen Kapellen: "Die Blasmusik ist ein gutes Hobby. Ich werde nicht vereinsamen." Gesund will er dafür bleiben, um viel Energie zu haben, ab jetzt das Privatleben zu genießen. Der Schule wünscht er weiter eine positive Entwicklung, dass sie ihren guten Ruf bei den Bürgern Meßstettens behält und auch auf gewissen Ebenen die Akzeptanz erfährt, die sie "eigentlich verdient hat".