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Meßstetten "Marlene" kommt nach Hause

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Mit "Marlene": Christoph Larsen-Mattes. Foto: Koch Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Walter Koch

Meßstetten-Tieringen. Mit der "Marlene"-Ernte am Samstag geht der Pionierversuch des Textilunternehmens "Mattes & Ammann" weiter. Fachleute, Werksangehörige, Schaulustige sowie Pressevertreter und ein Fernsehteam waren bei dem für das Unternehmen bedeutenden Ereignis dabei.

Mit modernstem Gerät wurde die einen Hektar große Anbaufläche, auf der im Juni vergangenen Jahres 40 000 Setzlinge der Großen Brennnesseln – lateinisch: urtica dioica – gepflanzt worden waren, abgeerntet, gehäckselt, zu Ballen gepresst und verpackt. Ziel ist es, aus dieser Nutzpflanze ein Garn in einer Größenordnung zu gewinnen, das den Import aus den Baumwollmonokulturen ersetzen, zumindest umfassend reduzieren kann und zudem preiswerter sein wird.

Der Name "Marlene" – Namensgeber ist Firmenprokurist Werner Moser – steht für die Pflanze und das firmeneigene Forschungsprojekt mit dem Ziel, alle technischen Schritte bis zum fertigen Garn zu entwickeln. 500 000 bis 700 000 Pflanzen sollen dann gesetzt werden. In der ungarischen Tiefebene besteht eine Anbaufläche mit 110 000 Pflanzen. Evelin Tetzner, die Chefin des Dresdener Unternehmens C:S.P. GmbH, Consulting und Service für pflanzliche Rohstoffe, begleitet das Projekt bei Mattes & Ammann und versichert, dass ungarische Bauern händeringend nach Alternativen im landwirtschaftlichen Anbau gesucht hätten; die dortigen Bedingungen seien ideal.

Geschäftsführer Christoph Larsen-Mattes: "Diese Innovation darf als Rohstoff keine Lebensmittel verwenden", sagt er. Das sei ethisch und moralisch bedenklich. Die erforderlichen Ackerflächen für Marlene hielten sich in Grenzen. Die Pflanze sei anspruchslos, bedürfe weder Düngers noch Spritzmittels und könne standorttreu angebaut werden. Dabei werde auf eine Felddarre verzichtet und erstmals ein Silage-Verfahren angewendet: zur Trennung von Pflanzenholz und dem Gewebe, das es umgibt.

Die dabei austretende Flüssigkeit bestehe aus Stärke, also Zucker, sowie Proteinen und sei keinesfalls Abfall, sondern reines "Futter" für Biogasanlagen oder für die Kraftstoffherstellung. Bis ins 18. Jahrhundert war die Große Brennnessel wegen ihres Fasergewebes eine Kulturpflanze. Sie diente zur Stoffherstellung. Allerdings ist das heutige "Nesseltuch" ein Baumwollerzeugnis. Industriell verarbeiten ließ sich die Nesselfaser bislang nicht.

"Wir wollen Schritt für Schritt von der Ernte bis zum Garn nach ökologischen Gesichtspunkten, vor allem der Nachhaltigkeit verpflichtet, die industrielle Nutzung dieser Pflanze entwickeln", stellt Larsen-Mattes klar. Enttäuscht ist er vom zuständigen Ministerium in Stuttgart. Nach der Vorstellung des Projekts und einer Förderanfrage habe er von der Ministerin eine "nichtssagende" Antwort erhalten.

 
 

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