Nicht nur mit zwei, sondern mit drei Beamten wird der Polizeiposten in der Flüchtlingsaufnahmestelle in Meßstetten besetzt. Zusätzlich beauftragt das RP Karlsruhe ein Securityunternehmen, damit, in der ehemaligen Zollernalb-Kaserne nach dem Rechten zu sehen. Das Thema Sicherheit spielt in der Einrichtung eine zentrale Rolle. Foto: Maier

Regierungspräsidium sucht derzeit nach einem Security-Unternehmen für Meßstetten. Polizeiposten mit drei Mann.

Meßstetten - Nicht erst seit den Vorfällen in Nordrhein-Westfalen, nun aber umso mehr steht das Thema Sicherheit in der in Meßstetten geplanten Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge (LEA) im Fokus. Grit Puchan sagt, dass dieses Thema eine zentrale Rolle in den Überlegungen spiele.

Puchan, stellvertretende Regierungspräsidentin in Tübingen, ist maßgeblich mit dem Projekt in der Zollernalb-Kaserne betraut. Sie sagte gestern unserer Zeitung, dass man gemeinsam mit Vertretern des Regierungspräsidums Karlsruhe, unter dessen Regie die LEA in Meßstetten betrieben werden soll, dem Thema Sicherheit besondere Aufmerksamkeit zukommen lasse. Dies besonders, nachdem Flüchtlinge in Unterkünften im Siegerland und in Essen von Security-Mitarbeitern misshandelt worden sein sollen. Entsprechende Vorwürfe wurden am Wochenende bekannt.

Für die in Meßstetten geplante LEA, wo noch im Laufe des Monats Oktober die ersten Flüchtlinge erwartet werden, habe man ein sehr spezielles, Puchan sagt: ein sehr gutes Sicherheitskonzept entwickelt. Zum einen werde in der ehemaligen Zollernalb-Kaserne ein eigener Polizeiposten eingerichtet. Dieser wird mit drei Beamten besetzt, die während der regulären Dienstzeiten auf dem LEA-Gelände präsent sind. Dass die LEA einen eigenen Polizeiposten erhalte, sei, soweit sie wisse, bundesweit eine Besonderheit, so Puchan. Geleitet werden soll dieser LEA-Polizeiposten, der zusätzlich zum Polizeiposten in der Meßstettener Innenstadt eingerichtet wird, nach Informationen unserer Zeitung von Hermann Linder.

Die Tatsache, dass der Betreiber der LEA in Meßstetten, die Firma "european homecare" mit Sitz in Essen, auch die LEA in Nordrhein-Westfalen betreibt, die wegen Übergriffen durch Sicherheitspersonal negativ in die Schlagzeilen gekommen war, wirft auch in Meßstetten Fragen auf. "european homecare" selbst wird in Meßstetten freilich nicht für das Sicherheitspersonal zuständig sein. Diese Aufgabe soll – anders als in NRW, wo die Firma einen Subunternehmer damit beauftragt hat – in Meßstetten eine Firma übernehmen, die ihren Auftrag direkt vom Regierungspräsidium Karlsruhe erhält.

Grit Puchan begründet dieses Vorgehen damit, dass das RP es damit selbst und besser in der Hand habe, wer für diese sensible Aufgabe zuständig sein soll. Man werde auf die Einhaltung von Standards achten und bei der Auswahl des Sicherheitsdiensts sehr genau hinschauen. Zuständig sind die Security-Leute zusammen mit der Polizei – Puchan spricht von "doppelter Sicherheit" – nicht nur dafür, die Sicherheit innerhalb des Geländes und der Flüchtlinge untereinander zu gewährleisten, sondern auch möglichen Eingriffen von außen zu begegnen. Bis zum morgigen Donnerstag können dafür Unternehmen noch Angebote abgeben.

Fünf Anbieter wurden kontaktiert – morgen ist Bewerbungsschluss

Grundvoraussetzung für die Arbeit als Secuity-Mann ist zunächst ein "einwandfreier Leumund, ein Führungszeugnis ohne Einträge sowie eine positive Schufa-Auskunft", sagt Frank Gilbert, Geschäftsführer des Unternehmens "b.i.g." aus Karlsruhe, das mit 30 Mitarbeitern in drei Flüchtlingsunterkünften im Land präsent ist. Eine große Rolle spielten dann für die Arbeit in einer Flüchtlingsunterkunft aber soziale Kompetenz und der multikulturelle Aspekt: "Unsere Mitarbeiter decken weitgehend alle Sprachen und Kulturen der in den Unterkünften lebenden Flüchtlinge ab und weisen dementsprechend Verständnis für die Situation der Gäste in den Flüchtlingsaufnahmestellen auf", sagt Gilbert. Hinzu kommen Schulungen oder Deeskalationstrainings. Bisweilen geben die Securitymitarbeiter auch Essen oder Bettwäsche aus, manchmal müssen sie auch trösten.

Welches Sicherheitsunternehmen in Meßstetten engagiert wird, steht noch nicht fest. Fünf Unternehmen, davon zwei aus der Region, wurden vom RP Karlsruhe auf dem Wege der beschränkten Ausschreibung aufgefordert, sich für die Aufgabe zu bewerben. Eines dieses Unternehmen ist "be save" aus Albstadt. "Ein großer Schritt" wäre das für seine Firma, sagt "be save"-Chef Martin Braun. Die Kaserne hat sich Braun angesehen, sein Fazit: Reißen werde er sich um den Auftrag nicht. Seine Begründung: "Ich wachse mit meiner Firma gerne in kleinen Schritten. Mein Konzept lautet: gute Qualität dank guter Mitarbeiter – und das kann ich da oben nicht garantieren."

In der Kürze der Zeit genügend Personal zu finden, sei extrem schwierig, betont der Unternehmer, der zurzeit vier Festangestellte, zwei Auszubildende und knapp 60 Kräfte auf 400-Euro-Basis beschäftigtet. Brauns Geschäft unterliegt zeitlich enormen Schwankungen: Veranstaltungen, bei denen Sicherheitsdienst erforderlich ist, gibt es mal zahlreich und mal so gut wie keine an einem Wochenende.

Für den Sicherheitsdienst in der LEA jedoch wären zwischen 25 und 30 Vollzeitkräfte nötig, sagt Braun: zwölf in der Tagschicht, sechs in der Nachtschicht. Außerdem sei das Anforderungsprofil für das Angebot, das bis zum morgigen Donnerstag vorliegen muss, ungenau definiert. "Solange für mich nicht klar ist, welchen Belastungen meine Mitarbeiter dort ausgesetzt wären", winkt Braun lieber ab, auch wenn er sich grundsätzlich darüber freut, dass seine Firma für den Auftrag empfohlen wurde. Binnen weniger Wochen jedoch so viele neue Mitarbeiter zu finden und zu schulen sei praktisch unmöglich, und zudem sei es wichtig, so Braun weiter, gerade Mitarbeiter für eine solche Aufgabe erst kennen und einschätzen zu lernen.

Mehr zur Flüchtlingsunterkunft in Meßstetten auf unserer Themenseite.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: