Wie die Übung "Elite" von der Bevölkerung akzeptiert wird, wenn es keine Zollernalbkaserne mehr geben sollte, ist eine ungeklärte Frage. Foto: SB-Archiv

Argumente für einen Bundeswehr-Doppelstandort ziehen beim Verteidigungsminister nicht.

Meßstetten - "Im Moment sieht es schlecht aus": Meßstettens Bürgermeister Lothar Mennig berichtete bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderates über sein Gespräch mit dem Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière dieser Tage in Sigmaringen.

Die geplante Bundeswehrreform sieht für den Standort in Meßstetten eine "signifikante Reduzierung" von bisher 840 auf künftig 20 Dienstposten vor: Es verbleibt lediglich die Radarstellung auf dem Weichenwang. Mennig brachte bei der Unterredung seine Argumente für einen Doppelstandort zusammen mit Stetten am kalten Markt vor. Weil dort derzeit die Kapazitäten nicht ausreichen, Truppenteile aus zu schließenden Kasernen unterzubringen, könnte die Zollernalbkaserne zumindest als vorübergehende Un­terkunft einspringen.

Andere Nutzungsmöglichkeiten des Areals in Meßstetten stoßen auf Machbarkeitsgrenzen. So müssten sich beispielsweise Windkraftanlagen an der Einflugschneise und am Schutzbereich des Radarturms orientieren und dürften eine Höhe von 66 Metern nicht überschreiten. "Das ist unwirtschaftlich", konstatiert Mennig: Solche Anlagen hätten heutzutage eine Höhe von 180 bis 200 Metern.

Auch andere "Zielkonflikte" sieht der Bürgermeister, etwa mit den Sprengplätzen: "Wie die gegenüber der Bevölkerung noch zu rechtfertigen sind, wenn wir hier keinen Standort mehr haben, ist mir schleierhaft." Jedenfalls werde die Stadt nicht wie in der Vergangenheit für die Sprengplätze argumentieren, wenn die Zollernalbkaserne schließe. Derweil weiß Mennig nicht, was die Verantwortlichen vor Ort noch tun können, um den Standort zu retten: "Wir haben alles Mögliche getan." Ärgerlich sei die Reaktion des Verteidigungsministers, denn auch in Meßstetten "tut es weh". Mennig kündigte an, weiter dranzubleiben.

"Vielleicht haben wir in der Vergangenheit zu wenig gejammert", sagte der Bürgermeister und zeichnete die Auflösung von Verbänden der Bundeswehr in Meßstetten und die damit verbundenen personellen Verluste in früheren Jahren auf. Das begann am 30. Juni 1994 mit der Aufgabe der Standortverwaltung, dem heutigen Dienstleistungszentrum. In Meßstetten befindet sich nur noch die Bezirksverwaltung von Stetten am kalten Markt.

Resignation will Mennig dennoch nicht aufkommen lassen: "Wir werden uns gemeinsam der Situation stellen." Nächste Gelegenheit dazu haben die Stadträte bei ihrer Klausurtagung Anfang März. Dann wird das Thema Bundeswehrkonversion auf der Tagesordnung stehen.

Idee eines Doppelstandortes scheine verworfen

Die "Enttäuschung", wie es Gremiumsmitglied Alfred Fauser formuliert, wird sich bis dahin wohl nicht gelegt haben: "Wir sind empört über die Art und Weise, wie mit unseren Argumenten umgegangen worden ist." Die Idee eines Doppelstandortes scheine jetzt eher verworfen. Dass in diesem Fall teure Neubauten zu errichten seien, ist für Fauser nicht nachvollziehbar: "Das ist eine Verschwendung von Steuergeldern."

Aber auch Stadtrat Fauser will nicht resignieren, sondern sich zusammen mit seinen Ratskollegen engagiert für die Konversion, also die zivile Um- und Neunutzung sowie Verwertung des Bundeswehr-Areals einsetzen.

(hol). Auch in der Vergangenheit sind Verbände der Bundeswehr in Meßstetten aufgelöst worden: So wurde am 31. März 1994 die Luftwaffendivision nach Karlsruhe verlegt. Am 30. September 2001 löste sich das Luftwaffenkommando Süd auf, was sich laut Bürgermeister Lothar Mennig stark auf den Immobilienmarkt auswirkte, hatten die Soldaten doch im Ort Häuser gemietet oder gekauft.

Im Juni 2002 wurde der Fernmeldesektor 123 (heute IT-Sektor 1) nach Fürstenfeldbruck verlegt. In Meßstetten ist ein sogenannter abgesetzter Bereich übrig. Am 30. September 2004 löste sich das Radarführungsregiment 2 auf.

Einen weiteren "sehr starken" Einfluss auf den Immobilienmarkt hatte die Auflösung des NATO-Gefechtsstandes CAOC 4 am 30. Juni 2008, weil damit die Alliierten Meßstetten verließen.

Im August 2000 zählte die Strukturdatensammlung der Bundeswehr 1339 Dienstposten in der Zollernalbkaserne. Im Oktober 2011, bei der Bekanntgabe der Bundeswehrreform, waren es 840, also rund 500 Dienstposten weniger. In Zukunft sind es mit der Radarstellung Weichenwang noch 20 Dienstposten.

Bei diesen Zahlen hat Bürgermeister Mennig die vorausgegangene Auflösung der Standortverwaltung im Jahr 1994 mit zirka 75 Arbeitsplätzen und etwa 15 Lehrlingen nicht berücksichtigt: "Das ist beim Verlust der Arbeitsplätze noch hinzuzurechnen."