Thomas Bareiß unterwegs in seinem Biotop: Beim Brotbacken und Kicken vermischen sich Politik und Persönliches
Von Karina Eyrich
Meßstetten. Großer Heuberg. Bareiß-Land. In Meßstetten ist Thomas Bareiß aufgewachsen. Dort hat er in einem Textilunternehmen gearbeitet, neun Jahre lang als Stadtrat Politik gemacht. Kein Wunder, dass ihm "das Herz aufgeht", wenn er dort Wahlkampf für seine dritte Amtsperiode im Deutschen Bundestag machen darf.
In Bareiß’ Biotop ist seine Partei, die CDU, präsent. Auch beim Backhäuslefest im Weiler Geyerbad findet der 38-Jährige Parteifreunde vor, mit denen er erst ein Stückchen hausgemachten Kirschkuchen genießt, bevor er seine Runde durch die kleinen Festzelte dreht und bei Céline und Janis Platz nimmt, die gerade eine herzhafte Dinnede verspeisen.
Die beiden Schüler interessiert Politik noch nicht – ihre Eltern sehr wohl. "Meine Stimme haben Sie schon", sagt ihre Mutter und lässt ordentlich Dampf ab über die Bildungspolitik der grün-roten Landesregierung. "Baden-Württemberg und Bayern sind führend in Deutschland, jetzt passen wir uns anderen Bundesländern an", sagt die Mutter und blickt etwas hilfesuchend zu Bareiß: "Kann man das noch mal rückgängig machen, wenn die CDU wieder dran kommt?"
Da erschallt schon das nächste "Hallo" vom Nachbartisch. "Wir waren früher Nachbarn in der Schalksburgstraße", ruft eine fröhliche Frau Bareiß zu und erzählt stolz, welche Karriere ihr Sohn inzwischen gemacht hat. Dass er zudem eine Familie mit drei Kindern hat, hört Bareiß gern. Denn oft ist es ihre Rente, über die sich die Bürger, die ihn ansprechen, Sorgen machen: "Vor allem für ältere Frauen ist dies das wichtigste Thema", sagt Bareiß und vergisst nicht zu betonen, dass seine Partei im Fall des Wahlsiegs die Mütterrente um 29 Euro pro Kind und Monat anheben will für Frauen, die vor 1994 Mutter geworden sind.
Lästig sind Thomas Bareiß solche Gespräche nicht – im Gegenteil: "Im Raumschiff Berlin werden Themen wie die globale Finanzkrise und die Datensammlerei der USA diskutiert – da ist es gut, wenn ich im Wahlkreis erfahre, was die Menschen hier wirklich bewegt." Und auch wenn der Wahlkampf zuweilen anstrengend sei: "Hier macht er viel Spaß", sagt Bareiß. "Und ein bisschen macht es mich auch stolz, wenn mir die Menschen das Gefühl geben, dass sie meine Arbeit anerkennen."
Der nächste Tisch. Wieder alte Bekannte, wie sich herausstellt: "Wir sind die Eltern einer früheren Arbeitskollegin", ruft eine Frau ihm zu. Bareiß überlegt kurz. "Ja, natürlich erinnere ich mich. Was macht sie denn jetzt?" Immer öfter erfahre er, dass frühere Schulkameraden aus Meßstetten wieder zurückkommen in die Heimat, erzählt Thomas Bareiß und schmunzelt: "Weil sie gemerkt haben, dass unsere Region viele Vorteile bietet, gerade für Familien. Hier kennt man sich, die Nachbarn halten zusammen." Ein solches Umfeld sei wichtig, weil es erde.
Die Frauen im Backhäusle, zu denen Bareiß noch kurz reinschaut, tun das auch: Flugs binden sie dem Abgeordneten eine Schürze um und flirten mit ihm, während sie ihm einen Schieber in die Hand drücken und ihn auffordern, Brotteig in den Ofen zu schießen. "Schön warm hier", freut sich Bareiß und lacht. Ein Brot nimmt er nicht mit, aber die Sorge der Frauen um die zwölf Kinder, die im Weiler zwischen Oberdigisheim und Obernheim leben und für die die Bushaltestelle einfach zu weit weg sei. Bareiß zieht ein Blackberry hervor und zeigt eine E-Mail, die beweist: In dieser Sache ist er bereits tätig geworden.
Jetzt allerdings muss er weiter. Beim Menschenkickerturnier im Stadtteil Hartheim wird er gebraucht, um das Team des Ortschaftsrats zu verstärken. Ortsvorsteher Bodo Schüssler begrüßt ihn lachend und platziert ihn erst einmal im Zelt: Draußen regnet es junge Hunde; bis Spielbeginn darf er es sich bei den hübschen Sportlerinnen in den schwarzen Sweatshirts bequem machen. Aufschrift: "I love SVH".
Ausgerechnet in ein grünes Trikot wird er kurz darauf gesteckt, und dann geht es los. Als Stürmer im rechten Mittelfeld – Zufall? – nimmt Bareiß seinen Platz ein und beweist durchaus Teamspielerqualitäten, gibt auch mal Bälle ab und ist nach 20 Minuten nicht nur pudelnass, sondern auch sichtlich entspannt, scherzt, lacht. Seine Mannschaft hat nur unentschieden gespielt. Für einen Sieg bei der Bundestagswahl am 22. September hat Thomas Bareiß, so hofft er, an diesem Tag in seiner Heimatstadt aber das Seinige getan.