Die Zollernalbkaserne aus der Luft gesehen – möglicher Standort für das neue Großgefängnis? Foto: Archiv

Kleiner Hoffnungsschimmer für Meßstetten. Bürgermeister Lothar Mennig dennoch skeptisch. Auch ohne Tuningen bleiben Hindernisse.

Meßstetten - Ein Hoffnungsschimmer für Meßstetten – Bürgermeister Lothar Mennig reagierte am Montag eher abwartend und skeptisch auf die Nachricht, dass Tuningen sich aus der Runde der Kandidaten für ein neues Großgefängnis in Südwürttemberg verabschiedet hat. Seit dem 5. Juni liegt Mennig die so genannte Bewertungsmatrix des Landes für den Standortsuchlauf vor, und die ist nicht geeignet, ihn optimistisch zu stimmen. Der Geißbühl kommt in dieser Aufstellung lediglich auf Platz neun und erhält dabei in diversen Kategorien Einzelwertungen, die Mennig nicht nachvollziehen kann. Als Beispiele nennt er "Verfügbarkeit", "Raumordnung" und "Naturschutz" – in allen drei Sparten werde Meßstetten weit unter Wert beurteilt; wären hier die angemessenen Punktezahlen vergeben worden, dann wäre der Geißbühl nicht ins Hintertreffen geraten, sondern ganz vorne gelegen.

Viel zu wenig wird nach Auffassung Mennigs auch gewürdigt, dass die Meßstetter dem Projekt Gefängnis augenscheinlich mit einer positiven Grundeinstellung begegnen – andernorts ist dem bekanntlich nicht so. In Meßstetten dagegen gebe es ein mit klarer Mehrheit verabschiedetes Votum zugunsten des Gefängnisses, das auf Sachkenntnis fuße – der Meßstetter Gemeinderat war zuvor in Klausur gegangen und hatte zu dieser Hans-Peter Wurdak, den Leiter des bereits gebauten Offenburger Großgefängnisses, als Gastreferenten geladen. Bei Wirtschaftsminister Nils Schmid in Stuttgart waren Meßstettens Bürgermeister und Räte auch schon.

Laute Stimmen aus der Bevölkerung, die gegen das Projekt sprächen, hat Mennig bisher nicht vernommen; er rechnet die Akzeptanz der Meßstetten zu den Bonuspunkten, die bei der Entscheidungsfindung viel stärker berücksichtigt werden müssten. Um nichts unversucht zu lassen, will der Bürgermeister versuchen, diese Argumente erneut in die Waagschale zu werfen und zu sehne, ob sich an der Matrix nicht noch Korrekturen vornehmen lassen. Dass das gelingen kann, bezweifelt Mennig allerdings – als sich jüngst die Bundeswehr vom Geißbühl verabschiedete, fand der Bürgermeister deutliche Worte der Kritik für die Entscheidungsträger: Er warf ihnen fehlende politische Gestaltungskraft und Unfähigkeit, "Blockaden der Ministerialbürokratie" zu überwinden, vor. Diese Hindernisse bleiben bestehen – mit oder ohne die Tuninger Konkurrenz.

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