Die Hartheimer Ehepaare Köhler, Ritter und Butz – letzteres mit den Söhnen Vincent und Valentin – sind stolz auf ihre drei "Neuweltkamele".Fotos: Kirschbaum Foto: Schwarzwälder Bote

Alpakas: Die Hartheimer Familien Köhler, Ritter und Butz halten drei "Neuweltkamele"

Von Walter Kirschbaum

In Baden-Württembergs höchstgelegener Stadt gibt es seit einem Dreivierteljahr Alpakas, drei an der Zahl – wobei sich an ihnen erweist, wie relativ geografische Höhe ist: Für Alpakas ist der Heuberg absolutes Tiefland.

Meßstetten-Hartheim. Die Alpakas zählen zu den sogenannten Neuweltkameliden und sind eigentlich in Südamerika – genauer: in den peruanischen Anden – zu Hause. Dort leben sie in Höhenlagen zwischen 3700 und 5200 Metern – die gut 900 Meter von Meßstetten dürften ihnen schwerlich gebirgig vorkommen und das Klima auch nicht sonderlich kalt – Alb-Alpakas nächtigen vorzugsweise im Freien. Die "kleinen Geschwister der Lamas" haben ein Stockmaß von 80 bis 100 Zentimetern, wiegen ausgewachsen 60 bis 80 Kilogramm und können 20 bis 25 Jahre alt werden.

"Schau einem Alpaka nicht in die Augen, sonst bist du für immer verzaubert von ihm" – wenn Corinna und Nicolas Butz aus Hartheim dieses Sprichwort aus der peruanischen Heimat der Alpakas gekannt haben sollten, dann haben sie offensichtlich sorglos ignoriert: Vor zwei Jahren unternahmen die beiden mit ihren Söhnen Vincent und Valentin eine Alpaka-Wanderung in Rangendingen, und da muss es passiert sein: Zu tief in die Augen geblickt – und der Entschluss zur Anschaffung eines dieser treuen Tiere stand fest.

Der Name formiert sich aus den Initialen

Es blieb nicht bei einer Familie: Als die Nachbarn Köhler und Ritter von der Idee erfuhren, waren auch sie Feuer und Flamme. Das Ergebnis ist eine Haltergemeinschaft, deren Name "KÖRIBU-Alpakafreunde Hartheim n.e.V." lautet und sich aus den Initialen der Eigentümer-Familien Köhler, Ritter und Butz zusammensetzt – "n.e.V." bedeutet natürlich "nicht eingetragener Verein".

Und dann kam der Tag: Die Hartheimer Alpakafreunde fuhren nach Ringingen und suchten sich auf der dortigen Alpaka-Farm aus einer 60-köpfigen Herde drei Tiere aus. Sie brauchten nicht lange dafür; ihre Wahl fiel schnell und zwar auf "Hanna", "Olympia" und "Tonia", drei Weibchen in den Farben Schwarz, Braun und Weiß. Ein Scherkurs vor Ort war Pflicht; anschließend ging es heim nach Hartheim. Die Tiere wurden nicht verteilt, sondern gehören allen drei Familien gemeinsam, und diese Gemeinsamkeit schweißt natürlich zusammen. Zumal sich Nachwuchs ankündigt: Hanna ist trächtig; Ende Juli soll es so weit sein.

Alpakas sind pflegeleicht und genügsam – sie ernähren sich nur vom Gras auf ihrer Koppel und im Winter von Heu. Lärm machen sie gar nicht, geben allenfalls ein leises Summen von sich und können somit auch keine Nachbarn stören. Winter wie der diesjährige kommen ihnen gerade recht; an heißen Sommertage fühlen sie sich am wohlsten im Planschbecken. Glaubhaft berichten ihre Besitzer, die gut isolierenden Felle dufteten im Sommer angenehm – nach Popcorn! In punkto Reinlichkeit sind Alpakas kaum zu überbieten. Sie sind von Geburt an "stubenrein"; ihre Notdurft verrichten sie nicht im Stall, sondern nur im Gehege und immer an einem bestimmten Platz, der kaum zwei Quadratmeter groß ist.

Die Alpakas müssen einmal jährlich geschoren werden, meistens im Mai, gleich nach den Eisheiligen. Während Schafwolle einen Kilopreis von etwas über einen Euro erzielt, ist die Alpakawolle wesentlich hochwertiger und teurer: 60 bis 80 Euro beträgt der Kilogrammpreis, je nach Qualität auch noch mehr.

Die Schur wanderte nach Bayern

Die letztjährige Schur wanderte in Säcken in eine spezialisierte Spinnerei in Bayern, welche die Strickwolle zu Knäueln und Wollflies zum Spinnen und Filzen verarbeitete. Die Wollfaser ist absolut schmutzabweisend, hat nur einen geringen Anteil an Lanolin (Wollfett) und ist selbst für die meisten Allergiker gut verträglich.

Reich wird man als Alpakahalter dennoch nicht – schließlich fallen regelmäßige Kosten für Tierarzt und für Medikamente – gegen Parasiten – an, nicht zu vergessen die Aufwendungen für die Klauen- und Zahnpflege.

Dagegen entfallen dank dem "n.e.V."-Modell etliche Probleme, die anderen Tierhaltern viel Kopfzerbrechen bereiten. Urlaubsplanung zum Beispiel: Wann fahren drei Familien schon mal gleichzeitig weg?

Der eigentliche Gewinn der Alpakahaltung lässt sich ohnehin nicht in Euro und Cent beziffern: Der Umgang mit ihnen tut – auch und gerade in einer Zeit wie dieser – der Seele gut. Sie sind sensibel, achtsam, fürsorglich, umgänglich, aber nie aufdringlich oder gar bedrohlich.

Aus diesem Grund werden sie auch gerne zu Therapiezwecken gehalten und in Krankenhäusern oder Altenheimen eingesetzt – Delfine fürs Trockene sozusagen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: