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Meßstetten Flüchtlingsunterkunft: Bedingungen müssen stimmen

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Meßstetten - Die Meßstetter stellten bei der Informationsveranstaltung in der Festhalle klar, wer Herr im eigenen Hause ist. Der Ministerin für Integration, Bilkay Öney, signalisierten sie Zustimmung und Unterstützung für eine in der leer stehenden Zollernalbkaserne geplante Landeserstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber.

Sofern die Bedingungen dafür stimmen. Rassisten und Kommentatoren aus dem rechten Lager, die sich teils unflätig zu Wort meldeten, wurden durchweg ausgebuht und unterbrochen. Eine 42-jährige Einwohnerin rückte im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten am Ende der Versammlung zurecht: "Ich möchte gleich mal betonen, dass all diese rassistischen und ablehnenden Wortmeldungen nicht von Meßstettern kamen. Das waren Leute von auswärts, die wir gar nicht kennen. Die stehen nicht dafür, was wir hier vor Ort denken." Ein 40-jähriger Geschäftsmann aus der Innenstadt hielt die Info-Veranstaltung sogar für eine "Stern­-stunde Meßstettens" und schwär­mte am Ende: "Meßstetten hat sich heute als Stadt mit Herz positioniert. Ich war sehr überrascht, wie positiv die Menschen eingestellt sind." Er räumte ein, dass er vor Beginn der Diskussionsrunde durchaus Bedenken hatte.

Schließlich hatten rechtsnationale Kreise mit rassistischen Parolen vor allem im Internet Stimmung gegen die Pläne des Ministeriums gemacht und angekündigt, an dem Abend stark aufzutreten. Die Einwohner Meßstettens aber blieben sachlich. "Ich habe noch gar keine klare Meinung zu dem Projekt", gab ein 24-jähriger Techniker zu, der mit einigen Freunden im gleichen Alter erschienen war. Er war zum ersten Mal in seinem Leben überhaupt in einer kommunalpolitischen Veranstaltung und wollte sich, wie er sagte, einfach mal informieren. Im Prinzip sei er dafür, Flüchtlingen zu helfen und ergänzt: "Wenn es ein gutes Konzept ist."

Nicht alle begeistert, manche besorgt

Eine 25-jährige Controllerin, deren Haus nahe der Kaserne steht, räumt ein, dass es eine ziemliche Umstellung sei, 1000 Flüchtlinge in der Nachbarschaft zu wissen. "Wir haben uns bisher sehr sicher gefühlt und uns nie um verschlossene Haustüren gesorgt oder darum, was wir draußen liegen lassen. Es reicht aber, wenn von 1000 Menschen nur 50 ›schwarze Schafe‹ sind, um Probleme zu machen", gibt sie zu Bedenken. Für sie ist es auch wichtig, zu wissen, dass es wirklich nur um die Zeit bis 2016 geht und nicht darüber hinaus. Ein 56 Jahre alter Versicherungskaufmann ließ keine Zweifel an seiner Zustimmung aufkommen: "Leuten, die in Not sind, sollte man helfen. Aber es muss sozial verträglich sein. Man sollte sie nicht einfach einpferchen, sondern menschenwürdig unterbringen", sorgt er sich. Der 62-jährige Angestellte aus Meßstetten, der neben ihm sitzt, will mehr Auslese. "Ich bin absolut dafür, dass Leute, die politisch verfolgt sind oder vor einem Krieg fliehen, hier Hilfe bekommen. Das ist völlig klar. Das steht so im Grundgesetz und ist gut und richtig so." Was er will, ist mehr Differenzierung. Für Wirtschaftsflüchtlinge dürfe kein Platz sein. "Aber die Politiker werfen alle in einen Topf", beschwert er sich.

"Ich bin für Asylrecht und für den Schutz von Flüchtlingen", sagt eine Albstädter Musiklehrerin, die zur Info-Veranstaltung nach Meßstetten gekommen war. "Und ich bin da, damit die Nazis hier keinen Fuß auf den Boden kriegen", gibt sie sich kämpferisch. Das Auffanglager müsse so ausgestattet sein und geführt werden, dass es keine Probleme gebe. In Deutschland solle man immer bedenken, dass weltweit rund 55 Millionen Menschen auf der Flucht seien. Zum Teil vor Kriegen, zu denen die deutsche Industrie die Waffen geliefert habe.

"Ich habe selbst drei Kinder und wäre froh, wenn ich Hilfe fände in so einer Situation", sagt eine 42-jährige Meßstetter Lehrerin. Sie habe aber auch große Sorge, was da auf Meßstetten zukomme, ob die Infrastruktur das aushalte, ob die ärztliche Versorgung ausreiche und der Nahverkehr mit dem Mehr an Menschen zurechtkomme. "Meine Sorge gilt auch den Menschen, die dann in der Kaserne unterkommen. Ich will auf keinen Fall, dass sie da gettoisiert werden."

Ihre Redaktion vor Ort Albstadt

Karina Eyrich

Fax: 07431 9364-51

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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