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Meßstetten Eine Trauung auf herzoglichen Befehl

Von
Eberhard Ludwig von Württemberg Foto: Seeger-Press Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Ernst Wintergerstund Nicole Westhauser

Meßstetten-Tieringen. Der Tieringer Pfarrer Johann Wilhelm Maurer musste vor 300 Jahren die Maitresse des Herzogs Eberhard Ludwig von Württemberg mit einem verarmten Grafenverheiraten. Eine Scheinehe – die Chronik des Skandalons hat Ernst Wintergerst verfasst.

"Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg (1677-1733) war zwar ein glänzender Kavalier nach dem Ideal jener Zeit, ›aber ohne jede höhere sittliche Auffassung seines Regenberufs‹. Kaum zehn Jahre verheiratet, hatte ihn schon seine aus Mecklenburg bettelarm zugereiste Maitresse Wilhelmine von Grävenitz derart umgarnt, dass er sich im Jahr 1706 in Mühlen am Neckar kirchlich trauen ließ.

Das ganze Land war darüber empört, zumal Johanna Elisabeth, eine badische Prinzessin, nach wie vor die rechtmäßige Gemahlin war. Die Mahnungen, die der Herzog vom evangelischen Synodus, vom landständischen Ausschuss und vom Geheimen Rats-Collegium bekam, wurden mit Strafmaßnahmen wegen angeblicher Volksverhetzung verfolgt.

Seine Maitresse verlangte sogar, in das Kirchengebet eingeschlossen zu werden. Auf ihre Veranlassung wurde ein Geheimes Kabinett errichtet, dessen Mitglieder ihre besten Freunde waren und in dem sie selbst den Vorsitz führte. Der Herzog konnte nichts tun, das sie nicht erfuhr; alle Briefe an ihn mussten vorher durch ihre Hände gehen.

Als die Herzogin sich hilfesuchend an den Kaiser wandte, erreichte sie, dass die illegitime Nebenbuhlerin im Jahr 1710 durch kaiserlichen Befehl des Landes verwiesen wurde, während die Kirche zu gleicher Zeit die skandalöse Gräfin exkommunizierte. Kaum war die Konkubine in der Schweiz, da reiste ihr der Herzog nach.

Nachdem sich das Paar eine Zeitlang in der Schweiz ›umhergetrieben‹ hatte, ließ der Herzog seine Favoritin zum Schein mit dem Kaiserlichen Kammerherrn Graf Johann Franz Ferdinand von Würben, nunmehr württembergischer Landhofmeister, trauen. Zu dieser Heirat hatte sich der verarmte Graf gegen Geld, Titel und Orden bereiterklärt.

Herzog versucht,den Stachel zu ziehen

Durch diesen Ausweg hoffte der Herzog, dem ärgerlichen Verhältnis den Stachel zu nehmen und doch die Sache beim Alten lassen zu können. Der Graf erhielt nicht nur eine sofortige Barentschädigung von 20 000 Gulden, sondern auch eine lebenslängliche Rente von 8000 Gulden pro Jahr. Seine unumstößliche Verpflichtung war, ›die Gräfin nicht zu berühren‹ und nach der Trauung außer Landes zu bleiben, obwohl er als Landhofmeister dessen höchste Beamtenstelle bekleidete. Aber diese Ernennung war nur aus dem Grund inszeniert, damit Gräfin Wilhelmine als Landhofmeisterin von Würben an den Stuttgarter Hof zurückkehren konnte.

Zur Vornahme der geheimnisvollen Trauung wählte der Herzog einen entlegenen Ort, um alles Aufsehen zu vermeiden. Maria Franziska Antonia von Stuben, Gemahlin eines Bruders der Grävenitz, Oberhofmarschall Friedrich Wilhelm von Grävenitz, besaß das Schloss Oberhausen bei Balingen. In der dortigen Schlosskapelle bot sich eine günstige Gelegenheit zu der Scheintrauung.

Ein exemplarischer Lebenswandel

Als nächstgelegenes evangelisches Pfarrdorf kam Tieringen in Betracht. Also erhielt Pfarrer Johann Wilhelm Maurer eines Tages zu seinem großen Schrecken den hochfürstlichen Befehl, die sonderbare Trauung am 28. Januar 1711, abends 18 Uhr, durchzuführen.

Pfarrer Maurer in Tieringen ein Mann "von stillem und exemplarischem Lebenswandel, doch mittelmäßigen Studien", war wohl wenig geneigt, die Bedenken geltend zu machen, die nach dem Kirchenrecht gegen diese Scheintrauung vorlagen.

Aber es ging alles so rasch, gewaltsam und heimlich vonstatten, dass der Pfarrer sich kaum Rat holen konnte, zudem war der Herzog ja der Landesbischof. Wie ein Chronist berichtet, sei mit dem herzoglichen Trauungsbefehl zugleich der Scharfrichter nach Tieringen geschickt worden. Unter dem diktatorischen Zwang gab der Pfarrer nach und nahm die Amtshandlung vor. Aber die unmoralische Trauung machte seinem Gewissen so schwer zu schaffen, dass er ein Jahr später starb.

Weil er die Kopulation wie alle Eheschließungen in das Kirchenregister eingetragen hatte, war er auch genötigt worden, das Blatt mit dem Eintrag zu vernichten. Die ›Hexe‹ aber, wie man die herzogliche Maitresse allgemein nannte, übte zwanzig Jahre lang ihre unbeschränkte Herrschaft über den Herzog und sein Land aus."

So weit Wintergersts Chronik. "Das war damals die Zeit des Königreichs, da durften die Adeligen alles tun", kommentiert ein Adelskenner das 300 Jahre zurückliegende Ereignis. Die Privilegien wurden den Adelshäusern zwar 1917 aberkannt, aber der Experte berichtet, dass es noch heute durchaus üblich sei, manche Familienangelegenheit mit Geld zu regeln. "Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass die Adelsfrauen zwar das Oberhaupt der Familie sind und die Kinder zur Welt bringen, aber die Männer haben trotz allem noch ihre Freundinnen", erzählt der Experte. Nicht jede Heirat in diesen Kreisen sei die "große Liebe". Oft gehe es nur um politische Interessen. "Die Freundinnen haben durchaus einen großen Einfluss auf die Männer", so der Adelskenner.

Ernst Wintergerst wurde 1901 in Heidenheim geboren und begann beim dortigen Zeitungsverlag ein Volontariat. Anschließend studierte er in Stuttgart Philosophie, Germanistik und Volkswirtschaft.Bis 1935 war er Schriftleiter der "Rottenburger Nachrichten" und anschließend bis Ende 1944 Lokalredakteur, Chef vom Dienst und stellvertretender Hauptschriftleiter der NS-Zeitung "Der Wille" in Balingen. Nach seiner Internierung von März 1946 bis September 1947 arbeitete er als freier Journalist.In den Jahren 1955 bis 1959 war Ernst Wintergerst Lokalredakteur beim Schwarzwälder Boten in Balingen. Bis zu seinem frühen Tod 1968 schrieb er für mehrere Zeitungen, überwiegend für die Stuttgarter Zeitung und die Stuttgarter Nachrichten.Sein Sohn Tilo Wintergerst hat für unsere Zeitung die zahlreichen Manuskripte des Vaters gesichtet und einige mit besonderem Bezug zu Balingen und der Region ausgewählt, die der Schwarzwälder Bote nun in loser Folge veröffentlicht."Mein Vater war Journalist mit Leib und Seele, insbesondere auf dem Gebiet der Landes- und Volkskunde", erinnert sich Tilo Wintergerst

Ernst Wintergerst wurde 1901 in Heidenheim geboren und begann beim dortigen Zeitungsverlag ein Volontariat. Anschließend studierte er in Stuttgart Philosophie, Germanistik und Volkswirtschaft. In den Jahren 1955 bis 1959 arbeitete Ernst Wintergerst als Lokalredakteur beim Schwarzwälder Boten in Balingen. Bis zu seinem frühen Tod 1968 schrieb er für mehrere Zeitungen, überwiegend für die Stuttgarter Zeitung und die Stuttgarter Nachrichten.

Sein Sohn Tilo Wintergerst hat für unsere Zeitung die zahlreichen Manuskripte des Vaters gesichtet und einige mit besonderem Bezug zu Balingen und der Region ausgewählt, die der Schwarzwälder Bote nun in loser Folge veröffentlicht. "Mein Vater war Journalist mit Leib und Seele, insbesondere auf dem Gebiet der Landes- und Volkskunde", erinnert sich Tilo Wintergerst.

Ernst Wintergerst wurde 1901 in Heidenheim geboren und begann beim dortigen Zeitungsverlag ein Volontariat. Anschließend studierte er in Stuttgart Philosophie, Germanistik und Volkswirtschaft. In den Jahren 1955 bis 1959 arbeitete Ernst Wintergerst als Lokalredakteur beim Schwarzwälder Boten in Balingen. Bis zu seinem frühen Tod 1968 schrieb er für mehrere Zeitungen, überwiegend für die Stuttgarter Zeitung und die Stuttgarter Nachrichten.

Sein Sohn Tilo Wintergerst hat für unsere Zeitung die zahlreichen Manuskripte des Vaters gesichtet und einige mit besonderem Bezug zu Balingen und der Region ausgewählt, die der Schwarzwälder Bote nun in loser Folge veröffentlicht. "Mein Vater war Journalist mit Leib und Seele, insbesondere auf dem Gebiet der Landes- und Volkskunde", erinnert sich Tilo Wintergerst.

Ernst Wintergerst wurde 1901 in Heidenheim geboren und begann beim dortigen Zeitungsverlag ein Volontariat. Anschließend studierte er in Stuttgart Philosophie, Germanistik und Volkswirtschaft. In den Jahren 1955 bis 1959 arbeitete Ernst Wintergerst als Lokalredakteur beim Schwarzwälder Boten in Balingen. Bis zu seinem frühen Tod 1968 schrieb er für mehrere Zeitungen, überwiegend für die Stuttgarter Zeitung und die Stuttgarter Nachrichten.

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