Soldaten des Jägerbataillons 292 bei einem Appell vor dem Fürstenschloss in Donaueschingen. Nun wird über einen Umzug der Jäger nach Meßstetten spekuliert. Foto: Maier

Aus der Gerüchteküche: Nach Abzug der Franzosen aus Donaueschingen plötzlich neue Option für Standort auf dem Heuberg.

Meßstetten/Donaueschingen - Des einen Leid, des anderen Freud? Mit dem Bekanntwerden des Abzugs des französischen 110. Infanterieregiments aus Donaueschingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) sind am Donnerstag Spekulationen entstanden, wonach die derzeit noch unter dem Dach der Deutsch-Französischen Brigade in Donaueschingen stationierten deutschen Soldaten des Jägerbataillons 292 vor einem Umzug nach Meßstetten stehen. Angesichts des sich seit Wochen ankündigenden Abzugs der Franzosen gebe es dafür bei der Bundeswehr bereits ganz konkrete Überlegungen, meldete der Südwestrundfunk.

Eine Bestätigung für diese These war von offizieller Seite am Donnerstag nicht zu erhalten. Ganz im Gegenteil gab es einige Dementis, allerdings eher halbgare. So sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), er sei zuversichtlich, dass Donaueschingen trotz des Abzugs von fast 1000 französischen Soldaten Garnisonsstadt bleibt. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) habe erst vor kurzem zugesichert, dass das Jägerbataillon 292 in Donaueschingen bleibe, so Kretschmann weiter. Diese Zusicherung unterstrich ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Für die Verlegung nach Meßstetten indes sprechen gewichtige Argumente – in erster Linie finanzielle.

Fest steht, dass in Donaueschingen in den nächsten Jahren, bedingt auch durch die 2011 beschlossene Bundeswehrreform und der damit einhergehenden Schließung von Standorten, gewaltige Investitionen getätigt werden müssten. Der unweit liegende Truppenübungsplatz in Immendingen (Kreis Tuttlingen), den auch die Soldaten aus Donaueschingen nutzten, wird aufgegeben; Daimler baut dort eine Teststrecke. In Donaueschingen müssten deshalb eine Schießanlage grundlegend modernisiert sowie ein Übungsplatz angelegt werden – Kosten: mindestens 20 Millionen Euro. Durch den jetzt beschlossenen Abzug der Franzosen müssten die Deutschen dieses Geld allein aufbringen. Dazu kommt die marode Bausubstanz der Kasernen in Donaueschingen.

Ganz anders ist die Lage in Meßstetten: Schießanlage sowie Truppenübungsplatz? Vorhanden. Die Zollernalb-Kaserne ist, verglichen mit Donaueschingen, gut in Schuss. Und vor allem: Sie wäre nach dem Anfang des Monats Oktober erfolgten Abzugsappell der Luftwaffe verfügbar und böte den Jägern genügend Platz.

Der Synergieeffekt kommt noch hinzu

Dazu kommt ein möglicher weiterer Synergieeffekt: Aus Immendingen wird im Zuge der Bundeswehrreform ein Artilleriebataillon nach Stetten am kalten Markt verlegt – im Ernstfall arbeiten Artilleristen mit Jägern, die derzeit in Donaueschingen stationiert sind, ohnehin Hand in Hand.

Aber, wie gesagt: Bislang sind das alles nur Spekulationen. Die hatte es um den Verbleib der Franzosen in Donaueschingen indes zuletzt auch gegeben. Anfang Oktober gab es die ersten Gerüchte um einen möglichen Abzug – und das prompte Dementi aus Paris. Drei Wochen später ist der Abzug beschlossene Sache.

Wer weiß: Vielleicht kommt die Bundeswehr, die laut Plan künftig nur noch mit 20 statt der bisherigen 840 Dienstposten in der Stadt vertreten wäre, schneller nach Meßstetten zurück als gedacht. Das Jägerbataillon 292 in Donaueschingen jedenfalls hat in etwa dieselbe Truppenstärke, die der Heubergmetropole abhanden gekommen ist.

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